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Der Torinstinkt von Pastrnak ist phänomenal

Der Außenstürmer der Boston Bruins erreichte auch in der dritten Saison hintereinander die 30-Tore-Marke

von Bernd Rösch @nhlde / NHL.com/de Chefautor

Fände jeder Paketdienstleister genauso präzise und regelmäßig das Ziel wie David Pastrnak, bliebe mancher Familie eine Tragödie aufgrund zu spät eingetroffener Geschenke erspart. 

Pastrnak bewahrte am Donnerstag seine Boston Bruins davor, dass sie am Ende gegen die Philadelphia Flyers mit leeren Händen dastanden. Mit seinen zwei Treffern in der regulären Spielzeit, bescherte der 22-Jährige den Bruins wenigstens noch einen Punktgewinn bei der 2:3-Overtimeniederlage vor den heimischen Fans im TD Garden.

Bruins Coach Bruce Cassidy ließ explizit bei der kritischen Nachbetrachtung des Spiels den zweifachen Torschützen außen vor: "Ich bin von unserer Defensivvorstellung enttäuscht. Daran müssen wir arbeiten. Die Jungs müssen sich entscheiden, ob sie richtig spielen wollen, sich einbringen möchten und sie müssen kapieren, wo wir im Moment stehen. Würden wir jeden Abend fünf Tore schießen, dann wäre es etwas anderes, dann könnte man über manches hinwegschauen. Doch wir sind nicht in dieser Position. Hoffentlich kommen wir dorthin, jetzt sind wir es noch nicht."

Video: PHI@BOS: Pastrnak fälscht einen Schuss ab

Es gibt keine Zweifel darüber, dass Pastrnak in der Liga der besten NHL-Vollstrecker angekommen ist. Mit seinem vierten Doppelpack in der laufenden Saison (plus zwei Hattricks) erreichte der tschechische Stürmer auch im dritten Jahr in Folge die 30-Tore-Marke, und teilt sich mit John Tavares von den Toronto Maple Leafs sowie mit Brayden Point von den Tampa Bay Lightning den dritten Platz bei den Torjägern der Liga. Nur Jeff Skinner von den Buffalo Sabres und die russische Tormaschine Alex Ovechkin von den Washington Capitals waren noch treffsicherer.

Nach Petr Klima (1985-88) für die Detroit Red Wings sowie Jaromir Jagr, der für die Pittsburgh Penguins (1991-2001) und Capitals (2001-2003) zwölf Saisons in Folge 30 oder mehr Saisontore schoss, ist Pastrnak erst der dritte Tscheche in der NHL-Historie, dem in drei aufeinanderfolgenden NHL-Spielzeiten mindestens 30 Treffer gelangen.

Als wäre dies nicht schon alleine Superlativ genug, in der 94-jährigen Geschichte der Bruins gab es noch keinen Spieler, der bis zur Vollendung seines 23. Lebensjahres in der Lage gewesen wäre, eine solche Glanznummer hinzulegen, wie sie Pastrnak jüngst vollbrachte.

 

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Mit seiner Schlittschuhtechnik, seiner Puckbeherrschung, seiner Reaktionsschnelligkeit und seinem Torinstinkt ist Pastrnak unverzichtbar für Bostons Offensivspiel. Ob bei Überzahl oder bei nummerischem Gleichgewicht auf dem Eis, der junge Mann mit der Nummer 88 weiß wo er hinlaufen oder stehen muss, damit er zu einem erfolgversprechenden Abschluss kommt. 

Beim 1:0 gegen die Flyers sah er bei Überzahl die Lücke am linken Flügel, Torey Krug passte ihm die Scheibe perfekt quer zu und im Rücken der Abwehr netzte er kniend das Hartgummigeschoss ein. Für Pastrnaks Direktabnahmen kann kaum ein Winkel zu spitz sein, als das sie nicht trotzdem den Weg ins gegnerische Tor finden!

In die Rubrik 'Abfälscher' gehört der 2:1-Führungstreffer zu Beginn des Mittelabschnitts: Pastrnak erzeugte Verkehr vor dem Kasten der Flyers und versuchte dabei Gästeschlussmann Carter Hart die Sicht zu verdecken. Patrice Bergeron bemerkt das und zieht aus der Distanz ab. Pastrnak hebt genau im richtigen Moment seinen Schläger und von dessen Schaft landet der Puck hinter Hart im Tor.

Video: PHI@BOS: Pastrnak versenkt Krugs Vorlage im Powerplay

Einen guten Vollstrecker zeichnet aber auch aus, dass er erst dann aufhört zu spielen, wenn er sich sicher ist, dass die Scheibe tatsächlich die Torlinie überquert hat. In der geschilderten Szene gab sich Bostons erfolgreichster Vollstrecker nicht damit zufrieden, dass er die Flugrichtung der Scheibe verändern konnte, sondern setzte unverzüglich nach und hätte sie sogar noch vor Flyers Verteidiger Robert Hagg reinstochern können, wenn es nötig gewesen wäre.

Sollte Pastrnak in den verbleibenden Partien genauso häufig treffen wie bisher, stünde er am Ende der regulären Saison 2018/19 bei 48 Toren. Eine Ausbeute die nur zwei Landsleute vor ihm überboten - Jagr (1995/96: 62; 2000/01: 52; 2005/06: 54) und Milan Hejduk (2002/03: 50).

Die Bruins entschieden sich beim NHL Draft 2014 in der ersten Runde an 25. Stelle für den in Havirov geborenen Flügelstürmer, der sie noch nicht enttäuschte. Und er wird ihnen, ihren Anhängern und allen Freunden des Eishockeysports noch eine Menge Freude bereiten. Auch angesichts dessen, dass er sich noch am Anfang einer hoffentlich sehr langen NHL-Karriere befindet.

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