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Pacific Division - wie sind die Teams gestartet?

von Uwe Werkmeister / NHL.com

Wenn für die Teams der NHL die Trainingscamps starten, beginnt für Experten, Journalisten und Fans die große Zeit der Prognosen und Prophezeiungen. Welche Teams erreichen sicher die Playoffs, wer sind die Wackelkandidaten und wem werden kaum Chancen auf einen längeren Hockey-Frühling eingeräumt?

Aber wie immer im Sport, die Wahrheit liegt auf der jeweiligen Spielfläche, in diesem Fall auf den Eisflächen der 30 NHL-Standorte. Auch wenn erst rund 20% der "Regular Season Games" absolviert wurden, möchten wir an dieser Stelle ein Fazit zum Saisonstart ziehen, wohlwissend, dass diese Teams, welche schon jetzt in der Tabelle unten stehen, es schwer haben werden, noch unter die besten acht Mannschaften der jeweiligen Conference zu kommen und den Kampf um den begehrten Stanley Cup aufnehmen.

In den vergangenen drei Wochen wurde an dieser Stelle über den Saisonstart in der Eastern Conference und der Central Division berichtet. Heute möchten wir zum Abschluss der kleinen Serie ein kurzes Resümee über die Pacific Divisionen geben.

PACIFIC DIVISION

Wie auch schon in der Central Division, fiel es den Fachleuten schwer, zuverlässige Prognosen abzugeben. Wir schreiben hier von der Division mit dem aktuellen Stanley Cup Sieger Los Angeles Kings, von denen wir wissen, dass das Team in der regulären Saison nicht immer sein ganzes Potenzial abruft und in den letzten Jahren erst in den Playoffs explodierte. Besonders auf den ersten vier Rängen in dieser Division beobachten wir derzeit ein Kopf an Kopf Rennen. Schauen wir auf die einzelnen Teams.

Auf dem ersten Platz stehen derzeit die Anaheim Ducks. Nach einem furiosen Saisonstart, schwächelte das Team zuletzt etwas. Von den 13 Spielen im November wurden nur noch 5 gewonnen, ein Einbruch gegenüber den 9 Siegen aus 12 Spielen im Oktober. Insbesondere Corey Perry scheint sich mehr und mehr zur Schlüsselfigur der “Enten“ zu entwickeln. Als dieser fünf Spiele verpasste, konnte das Team aus Kalifornien nur einmal gewinnen. Die Statistiken sprechen für den Rechtsaußen: 21 Spiele, 20 Punkte, davon 14 Tore, + 10 in der Plus/Minus-Bilanz und eine Torerfolgsquote bei 20,9% der abgegebenen Schüsse. Ist das Team offensiv ganz vorne in der NHL dabei, so sind andererseits die 68 Gegentore aus 26 Spielen eindeutig zu viel für ein Spitzenteam.

Für die meisten Hockey-Insider völlig überraschend stehen bislang die Vancouver Canucks auf Platz 2 der Division. Glaubte die Mehrzahl der Fachleute doch, die guten Zeiten des Teams vom Pazifik sind vorbei. Die Sedin-Brüder, seit Jahren die Gesichter der Franchise und Beide mit über 1.000 NHL-Spielen, hätten ihren Horizont überschritten, der bissige Center Ryan Kesler wurde an den Divisions-Rivalen Anaheim Ducks abgegeben, Trainer und General Manager entlassen, was sollte da zu erwarten sein? Doch die Canuck-Legende Trevor Linden als neuer Präsident scheint ein glückliches Händchen zu besitzen. Mit Radim Vrbata wurde aus Arizona ein rechter Flügelstürmer verpflichtet, welcher sich perfekt in die Sedin-Reihe eingefügt hat. Auch Nick Bonino weiß zu überzeugen. Dieser ist bisher auf dem besten Weg seine Leistung aus der vergangenen Saison bei den Anaheim Ducks mit 49 Scorerpunkten in 77 Saisonspielen zu toppen. Ein weiterer wesentlicher Baustein zum derzeitigen Erfolg dürfte die Goalie-Position sein, gelang es doch dem neuen Management mit der Verpflichtung von Ryan Miller, die so oft kritisierten Trades von Roberto Loungo und Cory Schneider auszugleichen.

Eine der positivsten Überraschung der bisherigen Saison sind die Calgary Flames. Platz 3 und mit 78 geschossenen Toren in dieser Bilanz das Top-Team im gesamten Westen, sind tolle Werte für die Mannschaft, welche so viele Fachleute im Niemandsland der Tabelle erwartet hatten. Die wohl spektakulärste Neuverpflichtung im Sommer war Jonas Hiller aus der Schweiz für die Torwartposition, aktuell die Nummer Eins zwischen den Pfosten, aber mit Karri Ramo verfügt die Franchise über einen leistungsstarken Back-Up. Offensiv fällt auf, dass sich insbesondere die Verteidiger für Scorerpunkte verantwortlich zeichnen, mit Marc Giordano (1.), TJ Brodie (3.) und Dennis Widemann (7.) befinden sich drei Blue-Liner unter den besten Acht der teaminternen Scorer-Statistik.

Nur Platz 4 belegen derzeit die Los Angeles Kings, der Titelverteidiger im Kampf und den Stanley Cup. Betrachten wir aber auf die vergangenen, erfolgreichen Jahre, wird die Situation keinem der Verantwortlichen große Sorgenfalten auf die Stirn treiben, sind die Kings nämlich für eher überschaubare Leistungen in der regulären Saison bekannt. Liest der Hockey-Fan Namen wie Dwight King, Mike Richards und Justin Williams und erfährt dann, dass diese in der Filmstadt die dritte(!) Angriffsreihe bilden, kann sich jeder vorstellen, welches Potenzial im Team steckt. Mit Drew Doughty an der blauen Linie verfügen die Kings zudem noch über den vielleicht gefährlichsten Verteidiger der gesamten NHL. Ohne nennenswerte Veränderungen sind sie in LA in die Saison gegangen. Die „Macher“ vertrauen ihrem Team, ob zu Recht, werden uns allen die weiteren Monate zeigen.

Gänzlich anderes als in Los Angeles sind die Vorzeichen bei den San Jose Sharks. Sind die „Haie“ doch als leistungsstarkes Vorrunden-Team bekannt, welches sich in den Playoffs häufig nicht wieder gut zu machende Auszeiten nimmt. Erst in der Vorsaison führte das Team in der ersten Runde gegen den späteren Cup-Sieger scheinbar souverän mit 3-0 in der ersten Runde, das Endergebnis ist bekannt. Aktuell sind sie zwar nur 5., aber haben durchaus noch Anschluss an die Spitzenplätze. Sowohl auf dem Eis, als auch hinter der Bande, halten die Eigner im Wesentlichen an den Akteuren der Vorsaison fest. Die wenigen Abgänge waren aber namhaft (Brad Stuart, Dan Boyle, Martin Havlat), deutliche Verstärkungen sind nicht auszumachen. Aktuell scoren insbesondere die ersten beiden Reihen zuverlässig. Im Tor scheint Antti Niemi gesetzt zu sein, spannend ist der Kampf um die Nummer 2 zwischen den Pfosten, sowohl Alex Stalock als auch Troy Grosenick konnten in den aktuell zwei Saisoneinsätzen überzeugen.

Mit schon einigem Abstand hinter den Spitzenteams befinden sich die Arizona Coyotes auf Platz 6 der Pacific Division. Sam Gagner, Neuzugang von den Edmonton Oilers, hat Probleme im Team anzukommen. Mit nur neun Punkten (zwei Tore) hinkt er hinter den Erwartungen der Fans im Süden der USA hinterher. Noch enttäuschender verläuft die Saison bisher für den Stammgoalie Mike Smith. Mit nur 89,4% Fangquote und einem Gegentordurchschnitt von 3,19 Toren/Spiel ist er weit entfernt von schon gezeigten Leistungen. Devan Dubnyk verfügt über deutlich bessere Statistiken. Es wird interessant sein, die weitere Entwicklung der gesamten Franchise zu beobachten. Erfreulich aus deutscher Sicht ist die Integration von Tobias Rieder in das Team. Am 02.11.2014 durfte er sein erstes NHL-Spiel gegen die Washington Capitals bestreiten und er erzielte dabei sogleich das „Game-Winning-Goal“. Ein weiteres Highlight gelang Rieder im Spiel gegen die Edmonton Oilers, schoss er doch in 58 Sekunden innerhalb von einer Strafzeit gegen sein Team zwei Unterzahltore. Aktuell ist er fester Bestandteil der Mannschaft und führt in der so wertvollen Plus/Minus-Statistik die teaminterne Wertung an (+7).

Auf dem letzten Platz rangieren die Edmonton Oilers. Ein Torverhältnis von Minus 31 und nur 16 Punkte aus 25 Spielen geben keinen besseren Platz her. Wie kann so etwas passieren? Seit Jahren „zieht“ die Organisation sehr früh in der Draft-Lotterie und integriert diese jungen Spieler auch sofort in das Team. In den drei aufeinander folgenden Drafts von 2010-2012 wurden mit Tyler Hall, Ryan Nugent-Hopkins und Nail Yakupov jeweils die „First-Picks“ des Jahres gezogen und 2014 gelang es mit Leon Draisaitl, den am höchsten gehandelten Deutschen an Position 3 zu verpflichten. Was läuft schief in der nördlichsten NHL-Stadt? Nach dem Karriereende der Hockey-Legende Ryan Smyth scheint es an einer Hierarchie im Team zu fehlen. Großer Druck auf die jungen Spieler und unterdurchschnittliche Torhüterleistungen tragen ebenso nicht dazu bei, bessere Ergebnisse abzuliefern. Aktuell wartet das Team bereits seit zehn Spielen auf ein Erfolgserlebnis.

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