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Ovechkin wirft die Tormaschine wieder an

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Im Sommer mussten die Eishockeyfans wieder eine lange Durststrecke ohne ihren geliebten Sport durchmachen. Umso größer war die Freude, als die reguläre Saison der NHL anfing. Es war bisher ein beeindruckender Start, den die 31 Teams hinlegten, voller denkwürdiger Auftritte. Dabei zeigen nicht nur neue Gesichter und Mannschaften, das mit ihnen zu rechnen ist, auch alte Bekannte können von Beginn an überzeugen. Einer dieser Spieler ist Alex Ovechkin, der gleich in den ersten beiden Partien historisches vollbrachte.

Der Außenstürmer der Washington Capitals ist der größte Torjäger seiner Generation, kein Spieler kommt auch nur annähernd an seine Ausbeute heran. Seit seinem ersten Spiel 2005, erzielte er 565 Tore in 923 Spielen. Auf Rang zwei in dieser Zeit, liegt Sidney Crosby, der lediglich auf 383 Treffer kommt. Damit ist Ovechkin bereits auf Platz 22 der ewigen Torschützenliste der NHL.

Vergangene Saison kam jedoch Kritik an dem 32-jährigen Russen auf, da er "nur" 33 Mal traf. Für viele andere Spieler wäre das ein absolutes Traumergebnis, doch für Ovi gelten andere Maßstäbe. Medienvertreter und Fans stellten in Frage, ob er noch einmal an seine Leistungen der Vorjahre anknüpfen könne, ob er womöglich gar zu alt wäre.

Spieler wie Ovechkin werden gerne kritisiert, wenn sie nicht die übermenschlichen Leistungen bringen, die man von ihnen gewohnt ist, nicht die Ergebnisse liefern, die man von ihnen erwartet. Solche Kritik ist Ovechkin bereits aus vergangenen Jahren gewöhnt, da die Capitals meist eine grandiose reguläre Saison hinlegten, dann in den Playoffs aber nie über die zweite Runde hinaus kamen.

Jetzt scheint der Kapitän die Kritik an seiner Person aber ernst genommen zu haben, sie als Ansporn und Motivation zu verwenden. So könnte man zumindest seinen Start in die Saison deuten, der nichts anderes verdient, als die Bezeichnung historisch.

Video: WSH@OTT: Ovechkin mit drei Toren in der Eröffnung

In der ersten Partie erzielte er gegen die Ottawa Senators drei Tore im dritten Drittel, glich das Spiel damit aus und erzwang das Penaltyschießen, wo er dann erneut ausglich, bevor der Center seiner Reihe, Evgeny Kuznetsov, den Siegtreffer machte.

"Alle sagen, dass er nicht mehr 50 Tore schießen kann, da denkt er sich wahrscheinlich, 'dann schieße ich eben 70', einfach um allen das Gegenteil zu beweisen", ist Trainer Barry Trotz nach wie vor von seinem Starspieler überzeugt. "Ich glaube, die Topathleten in diesem und jedem anderen Sport wollen sich beweisen, wenn man an ihnen zweifelt und genau das passiert hoffentlich auch hier. Das wäre ein Bonus für uns und ein Bonus für Alex."

Im zweiten Spiel legte er gegen die Montreal Canadiens dann nicht nur einen weiteren Hattrick nach, er erhöhte sogar noch auf vier Treffer, was seinem Team den 6:1 Sieg einbrachte. Zwei Hattricks in zwei Spielen, das gab es zuletzt in der ersten Saison der NHL-Geschichte vor 100 Jahren. Damals machten sowohl Cy Denneny, als auch Joe Malone zwei Hattricks. Ovechkin selbst geht locker mit der Geschichte um.

Video: MTL@WSH: Ovi erzielt im zweiten Saisonspiel vier Tore

"Meine Frau ist mit ihrer Schwester hier, jedes Mal wenn sie in der Stadt ist, mache ich einen Hattrick", erklärte ein sichtlich gut gelaunter Ovechkin nach dem Spiel gegen die Canadiens. "Jetzt habe ich schon zwei Hattricks und sie reist am Montag ab, da werde ich sie wohl überreden müssen länger zu bleiben."

Neben seiner Frau, schiebt er den Erfolg auch auf seine Mitspieler. Die Reihe mit Ovechkin, Kuznetsov und dem jungen Jakub Vrana funktioniert tatsächlich hervorragend. Vrana bereitete drei von Ovechkins Toren vor, Kuznetsov war gar an allen sieben beteiligt.

"Wenn die Reihe funktioniert, will man umso mehr und besser spielen", sagte Ovechkin.

"Es ist immer schön, wenn man diese Chemie in einer Reihe spürt, wie wir sie haben", ist auch Kuznetsov nach der zweiten Partie von der Zusammenstellung der Angriffsformation überzeugt. "Wir verstehen einander. Wir reden viel miteinander. Das erste Drittel war nicht großartig, aber wir blieben optimistisch. Mir gefällt unsere Kommunikation auf dem Eis. Manchmal sieht man seine Mitspieler nicht, aber man hört sie. Das hilft immer. Deshalb haben wir ein paar Mal getroffen, weil wir miteinander sprechen."

Es ist leicht Spieler wie Ovechkin zu kritisieren, wenn sie eine schwächere Phase haben, was nur menschlich ist. Doch bei Ovechkin kann man sich sicher sein, solange er sich auf den Beinen halten kann, wird er alles geben um die Kritiker verstummen zu lassen und weiterhin seinem unstillbaren Hunger nach Toren nachzugehen. Mit Mitspielern wie Kuznetsov und Vrana hat er beste Aussichten auch diese Saison wieder die Marke von 50 Toren zu knacken, was ihm bisher sieben Mal gelang.

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