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Nylander zwischen Genie und Wahnsinn

Rookie der Toronto Maple Leafs muss sich nach starkem Saisonbeginn mit Kritik auseinandersetzen

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

Er hat eine ausgewiesene Stärke im Überzahlspiel und zählt zu den besten Rookies der NHL: William Nylander von den Toronto Maple Leafs. Nach einem fulminanten Saisonstart im Oktober verlief die Leistungskurve des hochtalentierten Schweden zuletzt jedoch ein wenig nach unten. Prompt tauchten diese Woche Transfergerüchte bei Twitter auf, die jedoch flugs dementiert wurden.

Der 20-jährige Center ist der Sohn von Michael Nylander, der es in der NHL auf 920 Einsätze brachte. Der in Calgary geborene William gab im Februar 2013 sein Profidebüt in der ersten schwedischen Liga, der Hockey-Allsvenskan. Im Trikot von Södertälje SK lief er an der Seite seines Vaters auf und verbuchte gleich im ersten Match einen Assist. Ein Jahr später machte er im Juniorenbereich nachhaltig auf sich aufmerksam. Mit MODO Hockey Örnsköldsvik gewann er die schwedische Meisterschaft der U18-Junioren. Bei der Weltmeisterschaft in dieser Altersklasse war er Top-Scorer, erfolgreichster Torjäger und bester Vorlagengeber in Personalunion. Spätestens jetzt hatten ihn die Scouts der NHL auf dem Zettel.

Letztlich waren es die Maple Leafs, die sich Nylanders Dienste sicherten. Sie statteten den Angreifer im August 2014 mit einem NHL-Einstiegsvertrag aus. Er blieb jedoch bis Januar 2015 auf Leihbasis bei MODO Hockey. Danach kam er beim Farmteam der Maple Leafs in der AHL, den Toronto Marlins, zum Einsatz. Dort überzeugte er mit 32 Punkten in 37 Spielen. In der Saison 2015-16 wurde er sowohl bei den Merlins als auch den Maple Leafs eingesetzt. Ligaübergreifend erzielte er in 60 Partien 58 Punkte.

Seit dieser Spielzeit gehört der schwedische Nachwuchsstar fest zum NHL-Kader von Torontos Franchise. Der Start verlief vielversprechend. In den ersten neun Begegnungen verbuchte er elf Zähler in der Scorer-Wertung und war damit erfolgreicher als die höher eingeschätzten Auston Matthews und Patrik Laine. Das brachte Nylander den Titel Rookie des Monats Oktober ein. Bei den Special Teams wusste der Angreifer ebenfalls zu überzeugen. Vier seiner sechs Tore und neun seiner 17 Punkte resultierten aus dem Powerplay. Seinen Spitzenplatz in der Scorer-Liste der Rookies hat er zwar längst abgegeben. Auf Rang 6 ist er jedoch immer noch zweitbester Europäer nach Patrik Laine, der die Wertung inzwischen anführt.

Video: TOR@WPG: Nylander trifft im PP auf Matthews' Vorlage

Die großen Fähigkeiten, die Nylander besitzt, werden ihm allenthalben attestiert. Aber wie bei Spielern seines Alters häufig der Fall, liegen Genie und Wahnsinn eng beieinander. Bei der 3-7-Pleite gegen die Tampa Bay Lightning in der letzten Oktober-Woche hatte er einen Aussetzer, für den er Spott und Kritik erntete.

Anstatt einen Schlagschuss von Steven Stamkos wagemutig zu blocken, blieb er auf halbem Weg stehen, hüpfte er mit beiden Beinen hoch und machte die Bahn frei. Der Puck schlug im Tor ein, weshalb die Szene in den Medien ausgiebig gezeigt und diskutiert wurde. "Das ist das erste Mal in den letzten 20 Jahren, dass ich so etwas sehe", ätzte der Co-Trainer der New York Rangers, Matthew Barnaby, laut der schwedischen Zeitung Expressen. Torontos Coach Mike Babcock ließ ebenfalls durchblicken, dass er nicht amüsiert war über Nylanders Anleihen beim Eiskunstlauf. Doch die Wogen glätteten sich schnell.

Der Schwede hat das Pech, dass Toronto mit Matthews und Mitchell Marner über zwei weitere exzellente Rookies auf der Center-Position verfügt. Sie stahlen ihm zuletzt ein wenig die Show und liegen in der Scorer-Wertung. So kam Nylander in den vergangenen fünf Einsätzen lediglich auf zwei Torvorlagen und schnitt damit schlechter ab als seine beiden Teamkollegen.

In dieser Woche kursierte auf Twitter die Meldung, dass Toronto überlegt, Nylander zu traden. Der zeigte sich geschockt. "Das kam völlig überraschend für mich. Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte", sagte er der Zeitung Toronto Sun.

Trost bekam er von seinem Vater Michael. "Auf Twitter wird so viel verbreitet. Da ist auch dummes Zeug dabei", meinte er. Coach Babcock riet dem Youngster ebenfalls, sich keine Sorgen zu machen, sondern sich auf die kommenden Aufgaben zu konzentrieren. Der nächste Einsatz für Nylander und die Maple Leafs steht für Samstag bei den Boston Bruins auf dem Spielplan.

 

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