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Diese Teams bewiesen Comeback-Qualitäten

Die schönsten Comebacks in den letzten zwei Dekaden und überraschende Zahlen zu dieser Saison

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Als Fan gibt es nichts Schöneres als einen Sieg, nachdem die eigene Mannschaft schier aussichtslos hinten gelegen war, und dann die Partie doch noch zu ihren Gunsten drehen konnte. So wie es jüngst, in der Nacht von Samstag auf Sonntag, den New York Rangers im Auswärtsspiel bei den Columbus Blue Jackets gelungen ist. Adam Clendening und Michael Grabner verwandelten mit jeweils zwei Toren einen 1-4 Rückstand der Rangers in einen 5-4 Erfolg. Ein 3-Tore Vorsprung ist halt in der schnellsten Mannschaftssportart der Welt noch lange keine Bank.

Wenn man aber nicht mit drei sondern mit fünf Toren vorne liegt, dann sollten einem auf diesem hohen Niveau die Punkte doch sicher sein? Meistens ja! Aber es gab sie, jene Begegnungen, die einem im Gedächtnis hängen geblieben sind, weil das schier Unmögliche doch noch wahr wurde. Erinnert sei hier an die zwei furiosesten Aufholjagden der letzten zwei Jahrzehnte in der NHL.

Am 3. März 1999 traten die Colorado Avalanche bei den Florida Panthers an. Nach einer guten halben Stunde hatte Pavel Bure in Diensten der Hausherren mit einem Shorthander sowie zwei Überzahltreffern seinen Hattrick komplettiert und die Avalanche lagen mit 0-4 im Hintertreffen. Als dann keine fünf Minuten später auch noch Scott Mellanby für die Panthers traf, schien nicht nur für Gästeschlussmann Patrick Roy, der vorzeitig seinen Kasten verlassen hatte, die Partie gelaufen. Die knapp 19.000 Fans im weiten Rund feierten schon die zwei Punkte, hatten aber Colorados Ausnahmestürmer Peter Forsberg nicht auf der Rechnung. Selbst dann noch nicht, als ihm kurz vor Drittelende auf dem Eis kniend das 1-5 Anschlusstor gelang. Doch dieser Treffer war nur der Auftakt zu einer unglaublichen Aufholjagd unter Führung des schwedischen Centers. Im Schlussabschnitt schoss Forsberg noch zwei weitere Tore, eines schöner als das andere, und leistete zu drei weiteren die Vorarbeit. Am Ende gewann Colorado mit 7-5 Toren das Spektakel.

Unter Mitwirkung zweier Protagonisten, die sich auch schon in der DEL einen Namen gemacht hatten, traten die St. Louis Blues am 29. November 2000 in Toronto an. Im Kasten der Blues stand zunächst Roman Turek und der tschechische Schlussmann sollte einen rabenschwarzen Abend mit einem glücklichen Ende erleben. Von den 23 Torschüssen, die bis zur 43. Spielminute auf sein Tor kamen, landeten fünf hinter ihm im Netz. Beim Stande von 0-5 musste er für Brent Johnson Platz machen, und eine gute Viertelstunde vor Spielende läutete Chris Pronger die Wende ein. Wohl dem, der über solch torgefährliche Defensivkräfte verfügt, wie damals die Blues. Mit dem zweifachen Torschützen Alexander Khavanov und Al MacInnis leisteten weitere zwei Verteidiger ihren Anteil zum Comeback. Am 5-5 Ausgleichstor 25 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit war Jochen Hecht mit einem Assist beteiligt gewesen, und es kam sogar noch besser für den deutschen NHL-Crack: Als 18 Sekunden in der Verlängerung absolviert waren, erzielte er gegen Curtis Joseph das Siegtor und sicherte seinen Blues den doppelten Punktgewinn.

 

Die Blues zählen auch in dieser Saison zu jenen Mannschaften, die sich nicht so leicht von einem Rückstand aus dem Konzept bringen lassen. Immerhin konnten sie noch 46,2 Prozent (viertbester Wert) der Spiele gewinnen, in denen sie nach dem ersten Drittel, und 27,3 Prozent (sechstbester Wert) in denen sie nach dem zweiten Spielabschnitt in Rückstand lagen. Unangefochtener Spitzenreiter sind in diesem Punkt die Pittsburgh Penguins mit 66,7 und 46,7 Prozent Erfolgsquote.

Logischerweise stehen die Spitzenteams der Liga auch bei den gewonnenen Spielen nach Rückständen ganz vorne. Nimmt man aber den Prozentwert ihrer insgesamt gewonnenen Spiele als Bezug, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Die Penguins haben 65,79% ihrer Spiele gewonnen und 46,7% nach Rückstand im 2. Drittel. Hieraus ergibt sich ein Unterschied von 19,09 Prozentpunkten. Für Teams mit einer kleineren Differenz spielt der Zwischenstand nach dem zweiten Drittel eine geringere Rolle über Sieg oder Niederlage.

Die Carolina Hurricanes belegen mit einer Siegquote von 43,59% nur den 21. Rang, sie konnten aber 30,8% der Spiele gewinnen, in denen sie vor dem 3. Drittel zurück lagen. Die Differenz von 12,79 Prozentpunkten ist der beste Wert aller Teams in der NHL. Vor den Penguins liegen mit den New Jersey Devils (39,02%; 23,8%; 15,22) und Buffalo Sabres (38,46%; 21,1%; 17,36) noch weitere zwei Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Auch in absoluten Zahlen nach Rückständen liegen die Devils und Sabres mit fünf bzw. vier Siegen unter den Top 10. Die Sabres konnten sogar mehr Spiele im Schlussabschnitt drehen, als nach Rückstand zur ersten Drittelpause (21,1% zu 20,0%). Untermauert wird ihre Qualität im Schlussspurt durch die Anzahl ihrer erzielten Treffer pro Drittel. Von ihren 88 Saisontoren schossen sie 29,55% im ersten, 31,82% im zweiten und 36,36% im dritten Spielabschnitt (OT/SO nicht berücksichtigt), sie kassierten aber nur 34,62% ihrer Gegentore im Schlussdrittel.

Ein Kuriosum stellen die Winnipeg Jets dar, die zwar 43,86% ihrer Treffer im dritten Durchgang erzielen konnten, und sogar in der Summe der Schlussdrittel ein positives Torverhältnis von 50-44 ausweisen, aber nur 19 Prozent der Begegnungen, in denen sie nach zwei Durchgängen hinten lagen, zwei Punkte einfahren konnten.

Aussagen über zukünftige Partien kann man aus Statistiken nur bedingt ableiten, denn das schöne am Sport ist, dass er sich eben nicht an den Zahlen aus der Vergangenheit richtet. Jede Partie beginnt bei null, jede Begegnung ist für Überraschungen gut und die Hoffnung auf ein Happy End stirbt immer als Letztes.

 

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