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Goalies greifen vermehrt zu Composite-Schlägern

Leichteres Material setzt sich unter NHL-Torleuten durch - Schnellere Reaktion und bessere Puck-Kontrolle

von Kevin Woodley / NHL.com Korrespondent

Die Torhüter aller Niveaustufen sind ständig auf der Suche nach Verbesserungen, was ihre Ausrüstung anbelangt. Neue Materialien und Designs tauchen jedes Jahr auf dem Markt auf und ermöglichen es den Torleuten, schneller zu gleiten, mehr Löcher zu schließen und bei alldem auch noch weniger Gewicht mit sich herumzuschleppen.

Aus diesem Grund ist es verwunderlich, dass die Mehrheit der NHL-Goalies bislang wenig Augenmerk auf Verbesserungen hinsichtlich ihrer Schläger gelegt hat. Die Stürmer und Verteidiger schwören schon seit Jahren auf Composite-Schläger. Langsam beginnen auch die Torleute der NHL damit, sich dieser neuen Technologie zuzuwenden. Etwa die Hälfte benutzt inzwischen Kellen aus diesem besonderen Kunststoffmix.

Die Firma Bauer ist Marktführer unter den Herstellern. Sie stattet aktuell 17 Torhüter mit Composite-Schlägern aus, bei CCM sind es 12. Unter den Schlussmännern, die sich diesem Trend zur neuen Saison angeschlossen haben, sind Carey Price von den Montreal Canadiens und Mike Smith von den Arizona Coyotes.

"Es fällt eben schwer, seine Gewohnheiten zu ändern", begründet Price den späten Wechsel. Wie viele andere seiner Branche zögerte er lange, von der traditionellen Mischung aus Holz, Fieberglas und Hartschaum wegzugehen, weil er sich mit diesen Schlägermaterial verbunden fühlte. Eine schwere Knieverletzung in der vergangenen Saison führte beim ihm zum Umdenken. Während der Reha trainierte er mit einem Composite-Schläger, wie ihn die Feldspieler benutzen. "Das ist kein Witz. Ich habe ihn zwei Monate ununterbrochen benutzt und mich an ihn gewöhnt. Als ich mit meinem alten Schläger wieder ins Torwarttraining einstieg, kam mir der sehr schwer vor. Da dachte ich, dass es an der Zeit ist, endgültig umzusteigen", erläutert er.

Video: Price rettet athletisch

Eine Verletzung war auch der Grund, warum Roberto Luongo in der Saison 2014-15 zu einem Composite-Schläger griff. Nachdem er 16 Jahre mit einem Stick aus Holz und Hartschaum spielte, probierte er es nach seinem Schulterbruch mit einem Schläger der neuen Generation. Er blieb dabei, weil er leichter war und Luongo damit auch schneller mit dem Blocker agieren konnte. "Mein Bewegungsradius hat sich insgesamt vergrößert", sagt er.

Der Gewichtsunterschied zwischen einem Composite-Schläger und einem traditionellen Stock aus Holz und Hartschaum beträgt je nach Marke zwischen 100 und 250 Gramm.

"Er fühlt sich unwahrscheinlich leicht an", meint die Nummer eins der Toronto Maple Leafs, Frederik Andersen. Er besorgte sich voriges Jahr ein Composite-Modell von Bauer. "Die Balance zwischen dem neuen Modell und seinem alten Holzschläger ist unterschiedlich. Wenn man sich jedoch an den Composite-Schläger gewöhnt hat, fühlt sich alles völlig normal und natürlich an. Ich habe Zweifel, ob ich je wieder auf die alte Schläger-Generation zurückgreifen könnte", lautet seine Einschätzung.

Video: TOR@BUF: Andersen beraubt Girgensons mit Schoner

Gewöhnen müssen sich die Torhüter auch daran, dass Pucks vom Schlägerblatt eines Composite-Modells härter abprallen als bei herkömmlichen Stöcken oder Kellen aus Holz. Diese fühlen sich zudem stets unterschiedlich an, was bei Composite-Schlägern nicht der Fall ist.

"Bei Holz hat man mehr Gefühl", so Smith. "Aber es ist wie mit allem im Leben. Wenn man nach längerer Zeit etwas ändert, muss man sich erst langsam mit dem Neuen vertraut machen. Die Composite-Modelle geben weniger nach. Man kann damit besser Pucks hinter das Tor spielen oder bessere Pässe spielen", beschreibt der Coyotes-Schlussmann die Vorzüge der neuen Schläger.

Torhüter Cam Ward von den Carolina Hurricanes benutzt schon seit 2007 einen Composite-Schläger von Bauer. "Ich war überrascht, dass die anderen Goalies so lange mit ihrer Umstellung gewartet haben. Aber da spielte wohl die persönliche Vorliebe jedes Einzelnen eine Rolle", sagt er. Manche seiner Kollegen würden immer noch gerne Gewicht in den Händen spüren. Er selbst gehöre nicht zu dieser Sorte Torhüter. "Wegen des Gewichtsunterschiedes könnte ich keine Holzkelle mehr benutzen. Selbst die Composite-Schläger sind im Laufe der Jahre immer leichter geworden", erklärt Ward.

Zusammen mit der Firma Bauer hat er daran gearbeitet, dass die Composite-Modelle stetig besser werden. "Sie neigten anfangs dazu, leicht zu brechen. Das ist nun nicht mehr der Fall." Ward gehörte zu den Vorreitern des Einsatzes von Composite-Schlägern bei den NHL-Torhütern. Nun ziehen immer mehr Kollegen nach.

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