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Familienmenschen in der NHL

Besuche, Telefonate, Abendessen: Europa-Exporte sind trotz der großen Entfernung ganz nah bei ihren Liebsten

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

NHL.com/de hat sich kürzlich mit einigen Spielern aus der Liga unterhalten, um einen Einblick in breit gefächerte Themen zu bekommen. In dieser Ausgabe schreibt Christian Rupp über die Bedeutung der Familie für NHL-Profis.

"Sehr wichtig", sei die Familie für Stanley-Cup-Sieger Philipp Grubauer. "Ohne sie würde es nicht gehen." Mit dieser Meinung steht der Torwart nicht alleine da: In der gesamten NHL spielt die Familie eine große Rolle - egal wie diese entfernt wohnt. Mit dieser Herausforderung müssen vor allem Spieler aus Europa umgehen. Die Verbindung zur Familie reißt aber trotz tausenden Kilometern Entfernung zwischen Arbeitsplatz und Heimat nicht ab.

Ekman-Larsson: "Du musst viel aufgeben"

In der besten Eishockey-Liga der Welt zu spielen bedeutet für viele Spieler auch, ein Opfer zu bringen. Oliver Ekman-Larsson etwa schnürt für die Arizona Coyotes die Schlittschuhe. Sein Arbeitsplatz in Glendale ist knapp 9000 Kilometer von seiner Geburtsstadt im schwedischen Karlskrona entfernt. "Es ist schwer", gibt der Verteidiger offen zu. "Du musst viel Zeit mit der Familie und deinen Freunden aufgeben, wenn du dich entschließt, rüber in die NHL zu wechseln. Aber da es mein Traum war, nach Nordamerika zu kommen und hier zu spielen, ist mir die Entscheidung ziemlich leichtgefallen."

Video: CGY@ARI: Ekman-Larsson netzt zum 100. Tor ein

Schwere Situationen musste aber auch Ekman-Larsson schon überstehen. "Letztes Jahr ist meine Mutter gestorben. Das ist der Punkt, an dem du anfängst, darüber nachzudenken, warum ich nicht mehr Zeit mit ihr verbracht habe", so der 27-Jährige, der im stetigen Kontakt mit seiner Familie in Schweden steht. "Es ist hart, aber das Gute ist, dass die Handys heutzutage ziemlich gut sind und du jetzt zu jeder Zeit des Tages anrufen kannst."

Rieder freut sich über Besuch

Auch Tobias Rieder hat einen weiten Weg nach Hause: Der Stürmer wechselte zu den Edmonton Oilers nach Kanada - seine Familie in Deutschland ist somit 7500 Kilometer entfernt. Umso größer ist beim 25-Jährigen die Freude, wenn sich die Verwandtschaft aus dem niederbayerischen Landshut ankündigt. "Es freut mich, wenn sie zu Besuch kommen und wir uns zu etwas Einfachem wie einem Abendessen treffen. Es ist wirklich schön - solche Momente genieße ich in vollen Zügen", so Rieder.

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Aho: "Ich rufe fast jeden Tag an"

Aus der nördlichsten Großstadt Finnlands wechselte Sebastian Aho in die NHL. Kein Katzensprung für den in Rauma geborenen, aber in Oulu aufgewachsenen Stürmer, denn sein aktueller Klub, die Carolina Hurricanes, sind im 7000 Kilometer entfernten Raleigh beheimatet. Für Aho hat die Familie eine ganz besondere Bedeutung. "Ich bin in dieser Hockey-Welt aufgewachsen, weil mein Vater auch Eishockey-Profi war", erzählt der 22-Jährige. "Er hat mich schon in die Kabine mitgenommen, da war ich noch ein Baby. Alleine die Stimmung mitzubekommen, wenn sie ein Spiel gewonnen haben, hat mich fasziniert. Dann habe ich mit meinem Vater und meinem großen Bruder Freiluft-Eishockey gespielt, wovon ich viel profitiert habe, da mein Bruder doppelt so groß ist, wie ich. Es waren tolle Spiele. Keine Frage: Für mich gab es nur Eishockey."

Wenn bei Familie Aho das Telefon klingelt, ist Eishockey aber nicht das einzige Thema. "Ich rufe fast jeden Tag an, zumindest ein paar Mal in der Woche und rede mit ihnen über alles, nicht immer über Eishockey. Manchmal heitert es mich auf, wenn ich schlecht gelaunt bin. Sie unterstützen mich immer, was mir viel bedeutet", berichtet Sebastian Aho. "Meine Schwester und meine Mutter bringen mich immer auf andere Gedanken. Wenn ich nicht über Eishockey reden möchte, dann rufe ich sie an und kann abschalten."

Komplett von der Familie abnabeln, das kann sich der Linksschütze nicht vorstellen: "Ich denke nicht, dass sich das ändern wird. Ich bin immer noch ein junger Typ, der seine Familie noch oft braucht. Wir werden sehen."

Grubauer: "Ohne meine Eltern würde ich nicht hier stehen"

Wie nahe sich Spieler und ihre Familien stehen, zeigte auch das Stanley-Cup-Finale 2018. Auf den Tribünen drückten Mama Susi und Papa Peter Grubauer die Daumen für ihren Sohn Philipp und waren die ersten Gratulanten beim frisch gebackenen Champion. "Ich könnte stolzer nicht sein", sagte Susi Grubauer damals auf dem Eis in Las Vegas. "Besser kann man es nicht ausdrücken", schloss sich Peter Grubauer an.

Die Grubauers verpassten kein Spiel ihres Sohnemanns und fieberten vor dem TV im oberbayerischen Rosenheim mit. "In Wahrheit bin ich noch zehn Jahre jünger", sagte Susi Grubauer angesichts der Strapazen. "Der Stanley Cup ist auch für die Eltern ein harter Weg. Es ist der Wahnsinn", pflichtete Peter Grubauer lachend bei. "Unter der Woche ist es wegen der Zeitverschiebung ganz schwer, das macht es schon hart, zuzuschauen."

 

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"Es freut mich natürlich, dass sie sich jedes Spiel anschauen, auch wenn sie nicht live dabei sein können", freute sich Philipp Grubauer und bedankte sich im Moment des Sieges vor allem bei seinen Eltern: "Ohne meine Eltern würde ich nicht hier stehen. Was sie all die Jahre dafür gegeben haben, dass ich rübergehen kann nach Kanada. Das bedeutet mir umso mehr."

In der Saison 2018/19 steht Grubauer bei den Colorado Avalanche zwischen den Pfosten -8500 Kilometer entfernt von Familie und Freunden in Rosenheim.

 

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Familientreffen bei den Draisaitls

Das nächste Familientreffen steht übrigens schon kurz bevor: Im Rahmen der 2018 NHL Global Series Challenge am 3. Oktober kommt es zum Aufeinandertreffen von Leon Draisaitl mit seinem Vater Peter. Der 22-jährige Leon wird für die Edmonton Oilers auf Torejagd gehen, während der 52-jährige Peter als Trainer hinter der Bank der Gastgebenden Kölner Haie steht.

"Es ist etwas ganz Besonderes für mich, gegen die Haie zu spielen", so der gebürtige Kölner Leon Draisaitl. "Mein Vater ist der Trainer, es wird Spaß machen." Normalerweise trennen die beiden mehr als 7000 Kilometer.

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