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Ein Spiel wie eine Sinfonie

Das NHL Centennial Classic 2017 bot spektakulären Eishockeysport in vier Sätzen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor


Die Partie zwischen den Toronto Maple Leafs und Detroit Red Wings am Neujahrstag beim Scotiabank NHL Centennial Classic 2017 im Exhibition Stadium von Toronto war nicht nur ein weiteres Outdoor Game im Spielplan der NHL. Zum einen war es der Auftakt zur Feier des 100-jährigen Gründungsjubiläums der Liga, zum anderen ging es, angesichts der brenzligen Tabellensituation der Kontrahenten in der Atlantic Division, um zwei ganz wichtige Punkte.

Vor allem die Red Wings sind mittlerweile auf jeden Zähler angewiesen, damit ihre Qualifikation für die Stanley Cup Playoffs 2017 nicht schon zu Jahresbeginn in weite Ferne rückt.

19-19-22-22 Jahre sind vier Torschützen gerade einmal alt, die zusammen sechs der neun Treffer bei diesem Eishockeyspektakel erzielen konnten. In der NHL mangelt es wahrlich nicht an begabten Nachwuchs! Es entstand in den höchst unterhaltsamen 63:50 Minuten inklusive Overtime, der Eindruck, dass die Begegnung unter dem Motto 'Jugend forscht' ausgetragen wurde. Kurios war der Spielverlauf, wunderschön die Tore.

Der zweifache Torschütze Auston Matthews, 19, bescherte mit seinem Treffer in der Verlängerung den Maple Leafs den 5-4 Overtimesieg, ihren fünften doppelten Punktgewinn in Folge. Durch diesen konnten sie ihren Vorsprung gegenüber dem Tabellennachbarn aus Detroit auf vier Zähler ausbauen.

Video: DET@TOR: Matthews mit der Rückhand zum Sieg in OT

Der Spielverlauf des Centennial Classic erinnerte an den klassischen Aufbau einer Sinfonie mit vier Sätzen. Dem schnellen Allegro im ersten Satz von Torontos Jungspunden, deren Anfangselan noch nichts Zählbares hervorbrachte, folgte das langsame Adagio mit dem Führungstor von Anthony Mantha, 22, zum 1-0. Leo Komarov, mit seinen 29 Jahren der viertälteste Spieler der für die Maple Leafs auf dem Eis stand, leitete mit dem Ausgleichstreffer das mittelschnelle Minuett des dritten Satzes ein, dem ab der 49. Minute ein superschnelles Scherzo folgen sollte. Mitchell Marner, 19, Connor Brown, 22, sowie Matthews schossen die Hausherren innerhalb von 198 Sekunden mit 4-1 in Front. Doch in den letzten gut sechs Minuten der regulären Spielzeit retteten der 32-jährige Schwede Jonathan Ericsson, der sechs Jahre jüngere Tomas Tatar und Mantha - 1,1 Sekunden vor dem Ertönen der Sirene - die Red Wings in die Verlängerung, sprich den vierten Satz, den Matthews allegrogleich, nach einem schnellen Konter, ein Ende setzte.

Die Menge jubelte und gab den Protagonisten Standing Ovations! Eine gern gesehene Zugabe ist weder bei einem klassischen Instrumentalwerk, noch bei einem Eishockeyspiel vorgesehen, was in diesem Fall wirklich sehr schade ist.

Begeistert von diesem Spiel waren auch die Kufenkünstler selbst, wie Matthews nach der Partie erzählte: "Das war schon etwas ganz besonderes, als wir mit dem Bus ankamen und diese Menge an Fans sahen. Wenn du vor einem solchen Publikum spielst, dann bleibst du nicht unbeeindruckt, auch wenn du weißt welche Fanbasis es hier in Toronto gibt." Auf seinen Overtimetreffer angesprochen, gab der 19-jährige Rookie der Maple Leafs zu, dass es das schönste Tor in seiner bisherigen Karriere war. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn du, vor der größten Kulisse, vor der du jemals gespielt hast, triffst, und die Jungs dann auf dich zulaufen. Eine solche Erfahrung zu machen, bereitet einem richtig Spaß."

Marner, der die Maple Leafs 2-1 in Führung geschossen hatte, sah den Grund ihres momentanen Erfolges darin, dass sie als junges Team, auch wenn sie sich gerne für die Playoffs qualifizieren möchten, immer nur von Spiel zu Spiel schauen.

Wenn am Ende ein solches unterhaltsames Eishockey, wie an diesem Neujahrsnachmittag herausspringt, dürfte das den Fans so ganz recht sein.

 

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