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Immer wieder neue Comeback-Spezialisten

Am Montag ließen sich mit den Rangers, Flames und Bruins drei Teams nicht von Rückständen zur Drittelpause beeindrucken

von Bernd Rösch @NHLde / NHL.com/de Freier Chefautor

Wer zu früh abschaltet, hat in dieser Liga bereits verloren. Das gilt für die Spieler auf dem Eis wie auch für die Zuschauer vor den TV-Geräten.

In der Saison 2020/21 hat in der Gesamtzahl von 139 Spielen in mehr als ein Fünftel der Fälle (28 Mal) jenes Team die Partie gewonnen, das nach dem ersten Drittel hinten lag, in 14 Spielen gewann sogar die Mannschaft, die zur zweiten Pause einen Rückstand zu verkraften hatte.

Wer konnte damit rechnen, dass die Boston Bruins auswärts einen 3-Tore-Rückstand in den verbleibenden 27 Minuten noch aufholen, vor allem zu Gast bei den Washington Capitals, die in der laufenden Saison noch keine Partie in der regulären Spielzeit verloren hatten? Hätte jemand vermutet, dass die Calgary Flames, als Vorletzter der Scotia North Division, im Bell MTS Place von Winnipeg, das Eis als Sieger verlassen werden, nachdem sie zur ersten Drittelpause gegen die Winnipeg Jets bereits mit 0:2 in Rückstand geraten waren? Und hätte es jemand den New York Rangers zugetraut, dass sie zurückliegend den favorisierten Pittsburgh Penguins das Nachsehen geben, obwohl sie fast 40 Minuten lang wenig Angst und Schrecken vor dem Gehäuse ihrer Gäste verbreiten konnten?

 

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Ja, möglich ist all das schon, besonders im Eishockeysport und vor allem in der NHL, die auf hohem Niveau so ausgeglichen besetzt ist, wie wohl keine andere Eishockey-Profiliga. Umgesetzt wurde das Mögliche aber nicht sehr Wahrscheinliche am Montag in drei der fünf angesetzten Partien.

Die Rangers hatten sich in ihren ersten acht Saisonspielen nicht gerade den Ruf erworben, als Einheit eine Partie drehen zu können. In vier Spielen lagen sie zur ersten Pause zurück, dreimal zur zweiten. Jedes Mal mussten sie sich geschlagen geben.

Dementsprechend erfreut war New Yorks Trainer David Quinn über den 3:1-Sieg gegen die Penguins: "Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie stolz ich auf unsere Gruppe bin. Das Penalty-Killing war riesig. Ein tolles Powerplay-Tor. Es ist erstaunlich, was man erreichen kann, wenn man als Einheit auftritt."

Video: PIT@NYR: Kreider besorgt Rangers Führung im Powerplay

Nach dem frühen Gegentor zur Mitte des ersten Durchgangs überstanden die Rangers sechs Unterzahlsituationen schadlos und kämpften sich zurück ins Spiel, angeführt von einem überaus gut aufgelegten Artemi Panarin. An allen drei Treffern der Rangers war der russische Linksaußen beteiligt (1 Tor, 2 Assists), der seine 400. NHL-Partie bestritt. Aus ihren ersten drei Aufeinandertreffen mit den Penguins waren die Rangers jeweils als Verlierer herausgegangen (0-1-2), doch der Glaube an das eigene Können hat sie nicht verlassen, auch nicht nach dem Rückschlag.

2600 Kilometer nordwestlich von Manhattan bewiesen die Flames beim 4:3-Sieg nach Penaltyschießen in Winnipeg Nehmer-Qualitäten. Ihre ersten zwei Unterzahlsituationen wurden umgehend von den gastgebenden Jets bestraft, und es sah frühzeitig danach aus, als müssten sich die Flames mit ihrer vierten Niederlage aus ihren letzten fünf Partien abfinden.

Häufig ist die Rede von einem Tor zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt. Ein solches gelang Calgarys Verteidiger Christopher Tanev zum 1:2 nach sieben Sekunden im Mittelabschnitt. Fortan glaubten die Flames an ihre Chance, etwas Zählbares mitnehmen zu können, vorausgesetzt sie halten sich weitgehend von der Strafbank fern. Johnny Gaudreau und Andrew Mangiapane schossen im dritten Drittel die Flames in Front, und nachdem den Hausherren doch noch der Ausgleich gelungen war, zeigte Gaudreau in der vierten Runde des Shootouts Nervenstärke und erzielte den Siegtreffer.

Video: CGY@WPG: Gaudreau fälscht zum Ausgleich perfekt ab

Geoff Ward misst dem Sieg, über die zwei gewonnenen Punkte hinaus, eine große Bedeutung zu. "Besonders nach dem Auswärtsspiel in Montreal war es für uns sehr wichtig, das erste Spiel zu gewinnen. Das wird unsere Stimmung morgen früh vor dem zweiten Aufeinandertreffen vermutlich ein wenig verbessern. Wenn man ein schweres Spiel verliert, dann hat das Auswirkungen auf die Mentalität der Mannschaft. Insoweit ist der Sieg eine gute Sache für uns", so der Coach.

2500 Kilometer südöstlich vom Bell MTS Place bestätigten die Bruins ihre Gewissheit, dass sie es ebenfalls 2020/21 mit jedem Gegner aufnehmen können, auch wenn es in einer Partie zunächst gar nicht für sie läuft. Die Bruins mussten bei den Capitals, dem Tabellenführer der MassMutual East Division, antreten. In der 14. Spielminute landeten die Hausherren einen Doppelschlag. Binnen elf Sekunden sorgten Ex-Bruins-Kapitän Zdeno Chara und Daniel Sprong mit ihrem jeweils zweiten Saisontreffer für eine 2:0-Führung der Capitals. Doch damit nicht genug! Es lief die 29. Minute, als John Carlson bei Überzahl der Capitals auf 3:0 erhöhte.

Washingtons siebtem Saisonsieg schien nichts mehr im Wege zu stehen. Doch weit gefehlt. Die Bruins stemmten sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage, verkürzten noch im zweiten Drittel den Rückstand auf 1:3 und zogen schließlich durch vier Treffer im dritten Durchgang auf 5:3 davon.

"Das war heute Abend eine kämpferische Leistung des gesamten Teams. Unsere Dynamik nahm im dritten Drittel stetig zu", analysierte Brandon Carlo, der Schütze des Ausgleichstreffers, die Aufholjagd.

Was kann man daraus lernen? Niemals zu früh aufgeben und stets weitermachen, egal wie aussichtslos einem die Situation auch erscheint.

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