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"Mr. Hockey" weltweit bekannt und beliebt

von Dave Stubbs / NHL.com

NHL-Legende Gordie Howe ist am Freitag im Alter von 88 Jahren gestorben. Dave Stubbs, Kolumnist von NHL.com blickt zurück auf das Leben und die Karriere des viermaligen Stanley-Cup-Champions. Die Story stammt vom 31. Mai dieses Jahres.


MONTREAL -- Die Schlange in Richtung des kanadischen Zolls auf dem Trudeau-Flughafen in Montreal war lang an jenem Nachmittag im März vor vier Jahren. Unter den Dutzenden von Leuten, die sich geduldig vorwärts schoben, befand sich auch "Mr. Hockey" Gordie Howe. Er war gerade mit dem Flieger aus Detroit angekommen.

Ein Zollbeamter erkannte Howe, der am Donnerstag seinen 88. Geburtstag feiert. Er zog die Legende und seinen Sohn Marty aus der Schlange heraus und schleuste beide durch die Kontrolle.

Wenig später standen wir am Aufzug, der an einen ruhigen Ort brachte, wo wir uns eine halbe Stunde lang ein Interview führten. "Die Canadiens haben keine gute Saison, Gordie", begann ich. "Keine Playoffs, ziemlich viel Chaos. Totale Verwirrung." Mit einem Augenzwinkern und ohne zu zögern antwortete er: "Gut." Dann musste er laut lachen. Howe wollte in Montreal eine Ausstellung mit Sammlungsgegenständen besuchen. Da konnte er einfach nicht widerstehen und sich über die Misere der Montreal Canadiens lustig zu machen. Sie waren ihm – und umgekehrt – ein ständiger Stachel im Fleisch während seiner 26-jährigen NHL-Laufbahn.

Wir sprachen über seine Freunde und Gegner, über die legendären Schlachten mit Maurice "Rocket" Richard, seinen Respekt vor Jean Beliveau, einem erbitterten Gegner auf dem Eis und zugleich guten Freund. Howe blätterte ein paar alte Fotos durch, die ich für unser Treffen mitgebracht hatte. Oft entfuhr ihm ein spontanes "Meine Güte".

Eines der Bilder zeigte ihn zusammen mit Johnny Bower, den Torhüter der Toronto Maple Leafs. "Einmal stand ich vor ihm und wollte den Puck im Tor versenken. Da hat er ihn sich selbst rein gehauen. Ich sagte nur: Danke dir", erzählte Gordie.

Im Anschluss berichtete er mit einem Grinsen über den berühmt-berüchtigten Gordie-Howe-Hattrick: bestehend aus einem Tor, einer Vorlage und einem Kampf. Einer der davon geplagten Kontrahenten war Torontos Teeder Kennedy. Er verpasste mir einen Cut in der Größenordnung von etwa vier Stichen und ich sagte zu ihm: "Lauf du mir nur mal wieder über den Weg..."

Außerdem sprachen wir über sein kultiges Autogramm, eines der bekanntesten im nordamerikanischen Sport und wie es dazu kam. Es schien, als ob er schon als Schuljunge daheim in Saskatoon wusste, dass er zu Höherem berufen war. Daher übte er drei Unterschriften. Seine Schwester Violet durfte die Wahl treffen. Sie entschied sich für die Variante des Namenszuges Gordon Howe, bei dem der Buchstabe G mehr wie ein S aussieht.

Howe wird seinen 88. Geburtstag am Donnerstag im Kreis seiner Familie feiern. Sie ist sein Mittelpunkt. Gordies Gesundheitszustand ist aktuell schlechter als an jenem Tag in Montreal vor vier Jahren. Aber er genießt noch immer die Aufmerksamkeit.

Am Montag in Detroit sangen die Fans ihm zu Ehren "Happy Birthday", als er in der Joe Luis Arena ein Heimspiel seines Klubs besuchte. Die Red Wings sind immer noch ein bedeutender Teil seines Lebens.

"Mr. Hockey" war auch gefeierter Ehrengast beim Jahrhundertspiel der Canadiens am 4. Dezember 2009. Über 21.000 Fans brachten das Bell Center fast zum Einsturz als er das Eis betrat, um Beliveau zu begrüßen, Superstar und Botschafter der Canadiens. Er starb im Dezember 2014.

Im mittlerweile geschlossenen Forum von Montreal erzielte Howe im November 1965 sein 600. Tor in der NHL. Dafür feierten ihn die Zuschauer mit stehenden Ovationen. Keine 2:26 Minuten später buhten ihn die Leute gnadenlos aus, als er Verteidiger J.C. Trembley mit einem Ellbogenschlag schwer im Gesicht verletzte.

Mr. Hockey wurde am 31. März 1928 in Floral, Sasketchewan, geboren. Er hatte acht Geschwister und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Schnell entwickelte er sich zum besten Allround-Spieler seiner Generation und zu einem eleganten Skater.

Er wurde rasch zum Superstar bei den Red Wings. Bereits in den Anfängen 1946 begann der Stern des 18-Jährigen in Detroit hell zu leuchten. Noch in der gleichen Saison erzielte er sein erstes NHL-Tor. Howe absolvierte 25 Spielzeiten für die Red Wings und eine für die Hartford Whalers in der NHL sowie sechs in der World Hockey Association (WHA).

1924 Partien bestritt Howe in der NHL (Hauptrunde und Playoffs), 497 in der WHA. Er erzielte 801 Tore in NHL-Hauptrundenspielen und 68 weitere in den Playoffs. Viermal holte er mit den Red Wings den Stanley Cup. 23mal war Howe ein NHL All-Star. Viermal hintereinander, von 1951-54, war er zudem Topscorer der NHL. Er wiederholte dies in den Jahren 1956-57 und 1962-63. Darüber hinaus gewann er sechsmal die Art Ross Trophy. Ebenfalls sechsmal nahm er die Hart Trophy als wertvollster Spieler der NHL entgegen. Darüber hinaus heimste er weitere Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien ein. Howe setzte Standards, die bis zum Auftauchen von Wayne Gretzky in den 1980er Jahren unerreichbar schienen.

Sieben Jahre nachdem er in die Hockey Hall of Fame aufgenommen wurde, kehrte er 1979-80 noch einmal in die NHL zurück, um bei den Whalers zusammen mit seinen Söhnen Marty und Mark zu spielen. Vier Spieltage vor Schluss der Hauptrunde feierte er seinen 52. Geburtstag. Nach jener Saison beendete Gordie Howe seine über Jahrzehnte andauernde Profilaufbahn.

Die Geschichten aus all den Jahren sind unerschöpflich. "Wenn es heute ein All-Star-Game mit all den Spielern von früher gäbe und sie im stillen Kämmerlein erzählen würden, was mein Vater mit ihnen gemacht hat, würde ihn die NHL mit Sicherheit ausschließen", meint Marty Howe augenzwinkernd. Gordie Howe quittierte diese Aussage seines Sohnes mit einem Grinsen. Verbal dazu geäußert hat er sich nicht.

In den letzten Jahren hatte Howe mit vielen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Im Herbst 2014 erlitt er einen Schlaganfall. Zudem machte sich mehr und mehr eine Demenz bemerkbar. Auch das Sprechen fiel ihm zusehends schwerer. Viele rechneten in jenen Tagen bereits mit seinem Ableben. Doch in den folgenden Monaten ging es wieder ein wenig bergauf mit ihm. Das erinnerte ein wenig an die vielen Comebacks während seiner aktiven Zeit.

Knapp zweieinhalb Monate nach Erscheinen dieses Artikels schloss "Mr. Hockey" Gordie Howe für immer seine Augen.

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