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Mit Trainer Darryl Sutter kam der große Erfolg

Die Los Angeles Kings warteten lange auf ihren ersten Stanley Cup-Titel in der NHL

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Das Potential des Profi-Eishockeys in Süd-Kalifornien erkannte der Kanadier Jack Kent Cooke schon früh in den 1960er-Jahren. Er zahlte seinerzeit zwei Millionen US-Dollar für die Rechte an einer NHL-Expansion-Franchise zur Saison 1967-68, als die Liga ihre ursprüngliche Größe von sechs auf zwölf Teams verdoppelte. Große Skepsis erntete Cook damals bei seiner Antwort auf die Frage, wo er denn seine neue Mannschaft ansiedeln wolle. Profieishockey in Kalifornien? Das würde so doch ganz bestimmt niemals funktionieren!

Inzwischen wirken diese rund 50 Jahre alten Zweifel auf uns ziemlich befremdlich. Los Angeles ist längst als ein großer NHL-Standort fest etabliert. Mehr als das sogar. Inzwischen sind die Kings eines der führenden Teams der Liga, zudem ein anerkannter Eishockey-Champion mit einer der weltbesten Mannschaften. Und dies verdankt man zu nicht unerheblichen Teilen auch einem Mann, der aufgrund seiner manchmal etwas 'kauzig' wirkenden Art ansonsten nicht immer auch jedermanns Liebling ist, dessen immense Fachkenntnisse aber überall völlig unbestritten sind: Trainer Darryl Sutter.

Der inzwischen 58-jährige Sutter ist selber ein ehemaliger kanadischer Eishockeystürmer. Doch inzwischen ist er immerhin auch schon seit Dezember 2011 als Cheftrainer bei den Los Angeles Kings arbeitet.
In seiner aktiven Zeit spielte er zu Beginn u.a. für die Red Deer Rustlers in der AJHL und für die Lethbridge Broncos in der WCHL. Im NHL-Draft des Jahres 1978 wurde Sutter von den Chicago Blackhawks in der elften Runde, an Position 179 ausgewählt.

In der Spielzeit 1979/80 spielte er dann auch tatsächlich seine ersten Spiele in der NHL, kam zunächst aber hauptsächlich noch im Farm-Team zum Einsatz. Mit 66 Punkten in 69 Spielen wurde der Kanadier als bester Rookie der AHL mit dem Dudley 'Red' Garrett Memorial Award ausgezeichnet.

In der dann folgenden Saison schaffte er den entscheidenden Durchbruch in der NHL und spielte auch gleich die beste Saison seiner Karriere. Letztendlich standen für ihn dann 40 Tore und 22 Assists zu Buche. In den nächsten Jahren brachte er weiterhin gute Leistungen auf dem Eis, wurde allerdings auch durch hartnäckige Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Von 1982 bis zu seinem Karriereende trug er zudem das "C" des Mannschaftskapitäns auf der Brust. Im Jahre 1987 beendete Darryl Sutter schließlich seine Spieler-Karriere.

Im Jahre 1997 erhielt er, nachdem er zuvor bei diversen Teams unterklassig als Trainer tätig war, den Posten als Cheftrainer bei den San Jose Sharks. Dort blieb er bis zum Saisonstart 2002/03 in der Verantwortung. Als das Team aber recht schwach in die neue Spielzeit gestartet war, wurde Sutter in Nord-Kalifornien dann letztendlich beurlaubt.

Die Calgary Flames verpflichteten ihn jedoch nur wenige Wochen später als Trainer. Gleichzeitig übernahm er dort auch den Posten als General Manager der Franchise.

Mit dem Team erreicht er völlig überraschend das Stanley Cup-Finale 2004. Erst im entscheidenden siebten Spiel mussten sich die Flames den Tampa Bay Lightning geschlagen geben. Manch ein Leser hier wird sich vielleicht noch an diese spektakuläre Finalserie erinnern können, als halb Kanada mit den Flames mitfieberte und am Ende doch so bitter enttäuscht wurde.

Im Jahr nach dem Lockout von 2005 erklärte Darryl Sutter seinen Rücktritt als Trainer der Calgary Flames und begründete diesen Schritt damals damit, dass er sich zukünftig komplett auf die Aufgaben als General Manager der Franchise konzentrieren wolle.

Am 28. Dezember 2010 trat er dann auch von dieser Funktion bei den Kanadiern zurück, wurde ein Jahr später von den Los Angeles Kings als neuer Cheftrainer verpflichtet.

Vor der Sutter-Ära war es der Franchise erst einmal gelungen in das Stanley Cup-Finale einzuziehen. Nachdem man am 9. August 1988 mit der Verpflichtung von NHL-Legende Wayne Gretzky den Fokus ganz deutlich auf die Kings gerichtet hatte, folgten tatsächlich damals einige der erfolgreichsten Zeiten des 'Clubs'. Höhepunkt der 'Gretzky-Ära' in Kalifornien war dann die Teilnahme der Mannschaft am Stanley-Cup-Finale 1992-93, in dem man allerdings schlussendlich den Montreal Canadiens unterlag. Ein Ticket für die Kings zu ergattern, das galt seinerzeit bereits als regelrechter Glücksfall.

Hockey war also spätestens seit der Gretzky-Zeit in Südkalifornien schon ziemlich fest etabliert. Doch erst mit dem Engagement von Sutter folgte im Frühsommer 2012 dann die endgültige sportliche Krönung.

Denn nicht einmal dem großen Wayne Gretzky war mit den Kings der Titelgewinn in der NHL gelungen: Die Los Angeles Kings besiegten 2012 die New Jersey im sechsten Spiel mit 6:1. Grenzenloser Jubel war die Folge.

Die Kings, welche als achter der Western Conference die Playoffs nur mit Ach und Krach erreichen konnten, hatten in der Finalserie gegen die New Jersey Devils bereits 3:0 in Führung gelegen, vergaben zunächst jedoch zweimal die große Chance, vorzeitig den NHL-Titel unter Dach und Fach zu bringen. Im dritten Heimspiel im heimischen Staples Center ließ das Team von Darryl Sutter vor den 18 858 Zuschauern dann jedoch nichts mehr anbrennen und beseitigte schnell alle aufgekommenen Zweifel am möglichen Titelgewinn.

Mit 4:2 Erfolgen brachte man die Serie letztendlich zu einem erfolgreichen Abschluss. Zum wertvollsten Spieler (MVP) der NHL-Playoffs wurde 2012 übrigens Goalie Jonathan Quick gewählt.

Sutter war damit quasi bereits ein Denkmal im Herzen der eishockeyinteressierten Kalifornier sicher. Umso mehr festigte sich sein exzellenter Ruf bei diesen, als ihm das Kunststück im Sommer 2014 an gleicher Stelle noch einmal gelingen sollte.

Die Playoffs um den Stanley Cup begannen damals am 16. April 2014 und endeten am 13. Juni 2014 mit einem glatten 4:1-Erfolg der Los Angeles Kings über die traditionsreichen New York Rangers. In allen drei Playoff-Runden zuvor mussten die Kings über die volle Distanz von sieben Spielen gehen, gewannen alle Serien mit dem knappsten aller denkbaren Ergebnisse von 4:3 Siegen. Spektakulär! Die Kalifornier stellten mit Justin Williams letztendlich nicht nur auch hier den wertvollsten Spieler, sondern hatten mit Anže Kopitar damals auch gleichzeitig den Top-Scorer der damaligen Playoffs in den eigenen Reihen.

Und auch wenn es nun zuletzt dann nicht mehr ganz so erfolgreich lief bei den Kings, man in diesem Frühjahr beispielsweise gegen den späteren Finalisten aus San Jose allzu vorzeitig den Kürzeren zog, herrscht bei den Verantwortlichen noch immer großes Vertrauen in Richtung des Erfolgstrainers. Denn im Frühsommer wurde sein Vertrag bei den LA Kings vorzeitig im mehrere Jahre verlängert.

Sieht also so aus, als hätte der 24. Headcoach der Franchisegeschichte in LA noch etwas länger das sportliche Sagen in Südkalifornien. Kein Wunder, denn schließlich ist Sutter beim Team der Trainer, welcher als schnellster die 100 Siege-Marke erreichen konnte. Er brauchte dafür nur 183 Spiele. Und auch seine Erfahrung von über 1.200 Spielen hinter der Bank, welche ihn zum erst 15. Coach in der NHL-Geschichte macht der diese historische Marke erreichen konnte, wird bei den Kings hoch geschätzt. Und Darryl Sutter ist ja aktuell auch erst 58 Jahre alt. Da geht sicher noch etwas… Die Los Angeles Kings und ihre Fans würde es freuen!

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