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Trainer unter Druck

Hohe Erwartungen derzeit an die Coaches Mike Babcock und Jack Capuano bei den Maple Leafs und den Islanders

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Trainer haben es im Sport oft besonders schwer. Ihr Job mag körperlich nicht so anstrengend sein wie der der Aktiven, doch die Verantwortung die mit ihrer Tätigkeit einher geht ist umso größer, der Druck von Fans, Medien und Öffentlichkeit wird rasch mal immens.

Zwei aktuelle Coaches aus der NHGL, die derzeit aus ganz unterschiedlichen Gründen extrem unter Druck stehen wollen wir uns hier heute mal etwas näher anschauen.

Da ist zum einen Mike Babcock, der in der eishockeyverrückten Stadt Toronto die traditionsreichen Maple Leafs wieder zurück in die Playoffs um den Stanley Cup führen soll, und da ist auf der anderen Seite Jack Capuano, der mit den New York Islanders den zuletzt erfolgreich fortgeschrittenen Neuaufbau des Teams nun möglichst auf die nächste Erfolgsstufe begleiten soll, aktuell aber aufgrund der zuletzt wenig erfolgreichen Ergebnisse derzeit in der Diskussion steht.

Der 53-jährige Babcock, der die Franchise in Toronto seit dem Sommer 2015 in verantwortlicher Cheftrainerposition betreut, holte im September 2016 mit dem Team Kanada in seiner 'Heimatstadt' Toronto den World Cup of Hockey. Eine größere Vertrauenssteigerung bei Fans und Beobachtern der Maple Leafs hätte er wohl kaum schaffen können.

Er hat also jüngst nachgewiesen, dass er mit einem Team großes erreichen kann. Nun gilt es für ihn die Leafs zu einem Team zu formen, welches den gehobenen Ansprüchen eines früher sehr erfolgsverwöhnten Publikums wie dem in Toronto gerecht werden kann. Nach zuletzt etlichen Jahren ohne Endrundenteilnahme ist der Druck diesbezüglich schon seit Jahren auf einem maximalen Level. Etliche seiner Vorgänger im Job scheiterten genau daran. Die ihnen eingeräumte Zeit reichte schlicht nicht aus um den völligen Neuaufbau im Team zu realisieren. Ob dies im Falle Babcock gelingen kann ist aktuell ebenfalls noch unklar.

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Der Saisonstart der Leafs war bisher jedoch eher mittelprächtig. Zwar entfachte die Verpflichtung von Nr-1-Pick Auston Matthews im Sommer eine neue Euphorie rund um das Team, doch genau daran liegt eben in Toronto immer auch so eine gewisse Gefahr. Jetzt, wo Matthews ein paar Wochen nicht wie gewünschte ins gegnerische Tor traf, da wurde gleich wieder über die Grundausrichtung des Teams diskutiert. Auch die Torhüterfrage wurde im ersten Saisonmonat bereits wieder diskutiert.

Diese spannungsgeladene Mischung unter Kontrolle zu halten, das ist nun die Aufgabe von Babcock. Zuzutrauen ist im der Job definitiv. Der 53-Jährige hat ja nicht nur jüngst beim World Cup einen Titel erringen können, er hat auch durch seine jahrelange, erfolgreicher Arbeit bei den Detroit Red Wings und auch als Nationaltrainer Kanadas bei den Olympischen Spielen bewiesen, dass er nicht nur ein Team zusammenstellen kann, sondern auch mit Druck umzugehen weiß.

Dies am Standort Toronto erneut zu beweisen, dass ist allerdings wohl nicht nur eine der reizvollsten, sondern eben auch eine der schwierigsten Aufgaben im Welteishockey, welcher sich ein Übungsleiter stellen kann.

Die aktuell erreichten 19 Zähler aus 18 Saisonspielen sind da allerdings wohl noch ausbaufähig. Da muss im Saisonverlauf vermutlich dann doch noch mehr kommen. Bei einem so jungen Team wie es die Leafs derzeit versammelt haben ist das allerdings auch durchaus wahrscheinlich. Im Regelfall spielt sich so eine Ansammlung von Talent im Laufe der Zeit besser ein, sammelt zudem auch sportlich größere Erfahrungswerte. Und wenn den unerfahrenen Rookies dabei jemand erfolgreich helfen kann, dann sicherlich ein Trainer vom Schlage eines Mike Babcock.

Noch deutlich weniger entspannt als derzeit in Toronto ist die Lage allerdings in Brooklyn bei den New York Islanders.

Deren Cheftrainer Jack Capuano steht bei vielen Beobachtern der Szenerie dort aktuell bereits heftig in der Diskussion. Nachdem die Traditionsfranchise, die ihre größten Erfolge ja Ende der 1970er- und frühen 1980er-Jahre feierte, damals regelrecht zum Seriensieger um den Stanley Cup aufstieg, war man zuletzt froh, als man im Frühjahr erstmals seit Jahren wieder eine Playoffrunde in der Eastern Conference mit einem Erfolg gegen die Florida Panthers erfolgreich überstehen.

Danach war mit dem Kräftemessen mit den Tampa Bay Lightning dann zwar auch schon wieder Schluss mit der KO-Runde für die 'Isles', doch auf diesen Teilerfolg wollte man in dieser Saison dann eigentlich weiter Schritt für Schritt sportlich aufbauen, es möglichst im kommenden Frühjahr weiter bringen beim Anlauf auf den großen Silberling.

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Doch das Unterfangen ist aktuell bereits in großer Gefahr. Mit nur 14 Zählern aus den ersten 17 Saisonspielen belegt das Team aus Long Island aktuell sogar den letzten Platz im Osten. Die Playoffs sind mit erst fünf Siegen nach den ersten Wochen der noch immer jungen Saison so bereits ein gehöriges Stück entfernt. Und die daraus resultierende relativ schlechte Stimmung im Umfeld bekommt aktuell eben dann auch nicht nur General Manager Garth Snow zu spüren, sondern auch 'sein' Trainer, der 50-jährige Capuono.

Während seiner aktiven Karriere spielte er übrigens unter anderem für die Toronto Maple Leafs, die Vancouver Canucks und die Boston Bruins. Seit dem 15. November 2010 ist er nun bereits Cheftrainer der Islanders. Im September 2016 stand er zudem als Co-Trainer des Team USA beim World Cup of Hockey 2016 hinter der Bande, schied mit seiner Mannschaft allerdings bekanntermaßen recht sang und klanglos bereits nach der Gruppenphase aus.

Ob es ihm gelingen wird mit seinem Team in den nächsten Wochen noch einmal die Kurve zu bekommen? Das wird spannend zu beobachten sein.

Der Kaderumbruch der im Team der Franchise im Sommer stattgefunden hat sollte eigentlich nach Einschätzung der Clubverantwortlichen einen nächsten Schritt auf der Entwicklungsstufe nach vorne bedeuten.

Derzeit ist davon nicht viel zu erkennen. Verletzungsprobleme spielen hierbei allerdings auch eine nicht zu unterschätzende Rolle. U.a. fehlt beim Team aktuell ja auch der Deutsche Dennis Seidenberg, der dem Team zu Saisonbeginn noch als deutliche Verstärkung im Abwehrbereich zur Verfügung stand. In den ersten 15 Spielen kam der 35-jährige Seidenberg persönlich auf durchaus überzeigende vier Tore und vier Assists, bei durchschnittlich 19:20 Minuten Eiszeit pro Spiel. An ihm lag es persönlich also eher nicht. Nun fehlt er in der Abwehr seines Coaches auf unbestimmte Zeit.

Und auch Torhüter Thomas Greiss hatte bei den 'Isles' einige durchaus überzeugende Auftritte für sein Team. Trotzdem gelang es der Mannschaft bisher nicht in der erforderlichen Menge zu punkten. Und dafür ist in letzter Instanz natürlich auch immer der Trainer verantwortlich.

Es wird daher auch im Umfeld der Islanders in den nächsten Tagen spannend zu beobachten sein, wie der Trainer mit dem weiterhin vermehrt aufkommenden Druck umzugehen vermag.
Und das haben Mike Babcock und Jack Capuano bei allen Unterschieden ihrer aktuellen Situation dann doch auch wieder gemeinsam: Ein paar Siege in Serie würden ihr Arbeiten in nächster Zeit deutlich entspannter möglich machen. Aber welchem Trainer geht das letztendlich nicht so…

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