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Metropolitan Division: Start der Mannschaften

von Uwe Werkmeister / NHL.com

Wenn für die Teams der NHL die Trainingscamps starten, beginnt für Experten, Journalisten und Fans die große Zeit der Prognosen und Prophezeiungen. Welche Teams erreichen sicher die Playoffs, wer sind die Wackelkandidaten und wem werden kaum Chancen auf einen längeren Hockey-Frühling eingeräumt?

Aber wie immer im Sport, die Wahrheit liegt auf der jeweiligen Spielfläche, in diesem Fall auf den Eisflächen der 30 NHL-Standorte. Auch wenn erst rund 15% der "Regular Season Games" absolviert wurden, möchten wir an dieser Stelle ein Fazit zum Saisonstart ziehen, wohlwissend, dass diese Teams, welche schon jetzt in der Tabelle unten stehen, es schwer haben werden, noch unter die besten acht Mannschaften der jeweiligen Conference zu kommen, welche dann den Kampf um den begehrten Stanley Cup aufnehmen.

Nachdem an dieser Stelle in der vergangenen Woche die Situation der Teams aus der Atlantic Division so kurz nach dem Saisonstart beleuchtet wurde, widmen wir uns heute den verbleibenden Teams der Eastern Conference, nämlich denen, welche in der Metropolitan Division zusammengefasst wurden.

Metropolitan Division

Waren sich die Experten in der Atlantic Division noch ziemlich einig darüber, welche Teams ein ernstzunehmender Kandidat für das Rennen um die Play-Off-Plätze sein werden, so gehen die Meinungen für die Metropolitan Division schon gehörig auseinander. Zu viele Unabwägbarkeiten wurden erkannt, sicher scheint nur, dass die Pittsburgh Penguins äußerst schwerlich aus den oberen Tabellenregionen zu verdrängen sein werden. Aber wie geht es dahinter weiter? Hier nun ein Fazit nach rund einem Fünftel der gespielten Hauptrundensaison:

Wie von Vielen nicht anders erwartet haben sich die Pittsburgh Penguins, immerhin mit drei deutschen Spielern am Start, schon recht deutlich an die Spitze gesetzt. 25 Punkte aus 16 Spielen sprechen für sich und auch der Trend, von den letzten zehn Partien ging nur eine verloren, ist positiv. Zu dominant zeigen sich die Sidney Crosby, Evgeni Malkin, Chris Kunitz und Kris Letang, insbesondere Kapitän Crosby konnte schon 25 Scorerpunkte in die Wertung bringen.

Christian Ehrhoff und Marcel Goc scheinen beim neuen Trainer der Pinguine gesetzt zu sein, Thomas Greiss füllt seine Rolle als Back-Up-Goalie hinter Marc-Andre Fleury mehr als gut aus. Beim Sieg in Minnesota gelangen ihm 33 Paraden und als Belohnung die Wahl zum "First Star of the Game".

Hinter dem Team aus der Stahlmetropole platziert sich derzeit, für einige überraschend, die Mannschaft der New York Islanders. Schon elf Siege wurden eingefahren. Für die letzte Saison im alten Nassau Veterans Memorial Coliseum hat der langjährige und oft umstrittene General Manager Garth Snow kräftig auf dem Spielermarkt zugeschlagen, allein die beiden Stürmer Nikolai Kulemin (vorher Toronto Maple Leafs) und Mikhail Grabowski (von den Washington Capitals), sowie die neue Nummer 1 im Tor Jaroslav Halak (St. Louis Blues) belasten den Salary Cup mit rund 13,5 Millionen US-Dollar. Eine Investition, die sich bislang auszahlt, zumal auch die Leistungsträger wie John Tavares und Kyle Okposo mehr als überzeugen.

Ein vier Mannschaften umfassendes Mittelfeld der Division wird von den New Jersey Devils angeführt. Wie geht es weiter im Prudential Center im Jahr Eins nach Martin Brodeur? Kann Jaromir Jagr auch mit fast 43 Jahren nochmals so eine Saison abliefern, ähnlich der letzten Spielzeit, in der er 67 Scorerpunkte in die Teamwertung einbrachte? Derzeit sind diese Fragen noch unbeantwortet, acht Siege und acht Niederlagen reichen für einen Mittelfeldplatz. Unglücklicher Weise verletzten sich gleich zu Beginn der Saison mit Martin Havlat und Mike Cammalleri zwei der neuen Hoffnungsträger für die Offensive, inzwischen sind diese aber zurückgekehrt.

Punktgleich mit dem Nachbarn aus New Jersey liegen die New York Rangers derzeit auf Platz 4 der Tabelle. Allerdings hinkt das Team vom Broadway mit 18 Punkten aus 18 Spielen den eigenen Ansprüchen hinterher, haben die Rangers doch die zahlreichen Fans durch den Einzug in das letztjährige Stanley-Cup-Finale mächtig verwöhnt und gleichzeitig die Gier nach noch mehr geschürt. Insbesondere der Ausfall von Derek Stepan, nomineller Center der ersten Reihe, konnte in den ersten Saisonspielen nicht verkraftet werden. Auch der sonst so zuverlässige Henrik Lundqvist ist mit rund 2,7 Gegentoren pro Spiel und einer Fangquote von 91,0% noch nicht wieder auf dem Niveau der Vorsaison und speziell dem der Playoffs angekommen. Cam Talbot (3,5 Gegentore pro Spiel und 88% Fangquote) als Back-Up gelang es in den bisherigen Spielen nicht, Druck auf die Nummer 1 im Tor der Blueshirts auszuüben.

Hinter den Devils folgt mit den Washington Capitals ein Team, welches nur schwer einzuschätzen ist. Die Fragezeichen beginnen bei den Torhütern, hier rechnet sich auch der Deutsche Philipp Grubauer eine Chance zwischen den Pfosten aus. Michal Neuvirth wurde schon in der letzten Saison nach Buffalo abgegeben, dafür kam mit Justin Peters der Back-Up-Goalie von den Carolina Hurricanes. In der Abwehr verfügen sie mit Mike Green und John Carlson über ungewöhnliche Torgefahr, beide stehen aber auch für häufig unterirdische Plus/Minus-Werte. Die erste Angriffsreihe, insbesondere mit Nicklas Backstrom und Alexander Ovechkin, gehört zum Besten was die Liga zu bieten hat, aber was kommt danach? Viele offene Fragen für den neuen Trainer Barry Trotz am Potomac-River nach über 15 Jahren im beschaulichen Nashville.

Nur Platz 6 belegen in der engen Division aktuell die Philadelphia Flyers. Mit 16 Punkten aus 16 Spielen befinden sich die Flyers im Niemandsland der Tabelle. Für einige Fachleute durchaus zu erwarten, hat die Mannschaft mit dem Abgang von Scott Hartnell neben Torgefahr auch eine Menge an körperlicher Physis verloren. Der Start des Teams aus der Stadt der brüderlichen Liebe war ähnlich schwierig wie im vergangenen Jahr, konnte es doch erst im fünften Saisonspiel den ersten Sieg einfahren. Erfreulich aus Sicht der deutschsprachigen Hockey-Enthusiasten ist, dass sich mit dem Schweizer Mark Streit und dem Österreicher Michael Raffl zwei in den Alpenländern geborene Spieler im oberen Drittel der teaminternen Scorerwertung wiederfinden, leider hat sich Raffl kürzlich verletzt und droht bis Mitte Dezember auszufallen.

Die Columbus Blue Jackets befinden sich auf dem vorletzten Platz dieser Division. Mit nur 13 Punkten aus 17 Spielen läuft es alles andere als prächtig in Ohio. Letztes Jahr noch etwas überraschend in den Playoffs, ist das Team dieses Jahr (noch?) weit davon entfernt. Die Verletzung des Star-Torhüters Sergei Bobrovsky mit einem gebrochenen Finger war nicht zu kompensieren. Bei seiner Rückkehr wurden sogleich die San Jose Sharks bezwungen und Bobrovsky zum "First Star" gewählt. Abschreiben sollte das Team also noch niemand, verfügen sie in Columbus doch mit dem jungen Ryan Johansen über einen ungewöhnlich talentierten Center und mit Scott Hartnell über eine ungeheure Physis in der Offensive.

Die Carolina Hurricanes waren das NHL-Team der Saison 2014/2015, welches am längsten auf einen Sieg warten musste. Erst am 9. Spieltag konnte die Partie gegen die Arizona Coyotes gewonnen werden, aktuell steht die Mannschaft nach 16 gespielten Partien mit 13 Punkten auf dem letzten Platz der Metropolitan Division. Die Aussichten sind bescheiden in Raleigh, hat sich doch kaum etwas getan nach der verkorksten vergangenen Saison, als sie Drittletzter im Osten wurden. Dabei liest sich das Roster durchaus vielversprechend: Drei Staal-Brüder, Jeff Skinner, Alexander Semin im Sturm, John-Michael Liles und Tim Gleason in der Defensive, sowie der ehemalige Spitzen-Torwart Cam Ward zwischen den Pfosten. Durchaus Personal, welches schon zu Gefallen wusste. Einen spielerischen Hockey-Hurricane vermag aktuell aber niemand in Carolina auszulösen.

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