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Verletzt, zurück auf dem Eis und Matchwinne

Blue Jackets Matt Calvert wurde vom Puck getroffen, genäht und erzielte das Siegtor in Unterzahl

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Es war eine Szene für die Ewigkeit im Stanley Cup Finale 2003 zwischen den New Jersey Devils und den Anaheim Ducks. Die Serie stand 3-2 für die Devils, als es zu Spiel 6 nach Anaheim ging. Die Hausherren führten im zweiten Drittel mit 3-1, als der Puck führende Ducks Spieler Paul Kariya den herannahenden Gegner Scott Stevens in der neuralen Zone übersah und von ihm mit voller Wucht auf dem freien Eis gecheckt wurde.

Kariya blieb regungslos liegen und die Zuschauer befürchteten schlimmes. Nach minutenlanger Behandlung wurde der Stürmerstar in die Kabine geführt. Was jedoch nicht erwartet wurde, trat ein. Einige Minuten später kehrte Kariya auf die Bank zurück und Trainer Mike Babcock ließ ihn während einer Werbeunterbrechung unter dem frenetischen Jubel der Fans eine Runde drehen.

Elf Minuten nach seiner Bewusstlosigkeit legte Kariya allen aufgestauten Frust in einen Schuss, der hinter Torhüter Martin Brodeur zum 4-1 im Netz einschlug. Eines der größten Comebacks in der Geschichte der NHL war vollbracht. Die Ducks gewannen Spiel 6 mit 5-2, unterlagen allerdings in Spiel 7 und mussten den Devils den Stanley Cup überlassen.

Ganz so heroisch war die Tat von Matt Calvert beim Spiel seiner Columbus Blue Jackets gegen die New York Rangers in der vergangenen Nacht nicht, doch auch er trat erneut einen Beweis dafür an, wie tough NHL Spieler sind.

Calvert sah den Puck nicht kommen, der in seinem Gesicht einschlug und nach eigenen Angaben die davon getragene Platzwunde mit 30 Stichen genäht werden musste. Das war in der 30. Minute, als er einen Schlagschuss von Nick Holden unvermittelt abbekam.

Zu Beginn des dritten Drittels ging Calvert mit genähter Wunde und einem deutlich sichtbaren weißen Pflaster an der Stirn wieder auf das Eis, doch er wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er das Spiel entscheiden würde.

Video: NYR@CBJ: Calverts Shorthander bei 2-gegen-1

In Unterzahl sprinteten er und William Karlsson in der 52. Minute zu einem 2 auf 1 Konter. Calvert erhielt den Puck von seinem Mitspieler in Höhe der Mittellinie, zog schnell in die gegnerische Zone und schloss mit einem Schuss ab, der Rangers Torhüter Henrik Lundqvist durch die Arme rutschte.  

Die New Yorker fanden keine Antwort mehr auf die 3-2 Führung und die Blue Jackets konnten mit 4-2 ihren siebten Heimsieg in Folge feiern. "Ich denke wenn so etwas passiert, dann überwältigen dich die Emotionen", sagte Calvert anschließend. "Ich habe einen Schuss abgegeben. Es war toll zu sehen, dass er hinten ins Netz ging. Es war für mich zuletzt offensiv ein bisschen schwierig." Es war erst der zweite Saisontreffer für den 26-jährigen Kanadier. Zuvor blieb er zehn Partien ohne Torerfolg.

Trotzdem war Teamkollege Sam Gagner voll des Lobes über Calvert. "Er ist einfach nur ein unglaublicher Kollege", sagte er. "Er hat uns alle auf der Bank gepusht als er zurückkam. Man die Energie gesehen, die er reingebracht hat, wie er ins Forecheck ging. Es hat ihn in keiner Weise gebremst."

Insofern hat die Verletzung den Blue Jackets etwas gebracht und die Aussage von Gagner verdeutlich, welche Wirkung so ein Vorfall auf eine Mannschaft haben kann. Eine Außenstehende wird aber darüber weniger begeistert sein.

"Ich denke nicht, dass meine Frau über die Narbe sehr glücklich sein wird", scherzte Calvert im Anschluss. "Es ist eine Große."

Wie Frau Kariya im Jahr 2003 den Vorfall mit ihrem Mann empfand ist indes nicht überliefert.

 

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