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Martin Jones alleine kann es nicht richten

von Bernd Roesch / NHL.com

Die San Jose Sharks standen vor Beginn von Spiel 2 des Stanley Cup Finales 2016 gegen die Pittsburgh Penguins im Consol Energy Center schon gewaltig unter Druck. Mit einer 0-2 Niederlage im Gepäck wollten sie nicht die Heimreise nach San Jose antreten. Hoffnung schöpfen konnten sie auch durch einen Blick auf die Statistik. Die Penguins zählten in den vergangenen 18 Jahren zu ihren Lieblingsgegnern. Von den letzten 23 Aufeinandertreffen mit Pittsburgh in der regulären Saison gewannen die Kalifornier 17 und zogen dabei nur dreimal in der regulären Spielzeit den Kürzeren.

Auch wenn die Sharks das offensivstärkste Team in den Stanley Cup Playoffs 2016 sind, im Schnitt schossen sie 3,42 Tore pro Spiel, am Mittwochabend kam es für sie darauf an, das möglichst lange hinten die Null steht. Die Tampa Bay Lightning hatten es in Spiel 5 des Eastern Conference Finales zwar einmal geschafft einen Rückstand gegen Pittsburgh im dritten Spielabschnitt noch aufzuholen und in der Overtime die Begegnung für sich zu entscheiden, es sollte aber die einzige Ausnahme bleiben. Zehnmal gingen die Penguins in den Playoffs 2016 mit einer Führung in die zweite Drittelpause und neunmal verließen sie am Ende das Eis als Sieger.

Haben die Sharks die richtigen Konsequenzen aus ihrer Finalauftaktniederlage getroffen? Kamen sie diesmal mit den schnellen Angriffsreihen der Penguins besser zurecht?

In den ersten Spielminuten zeigten die Sharks Präsenz auf dem Eis, fuhren ihre Checks zu Ende und machten den Eindruck, dass sie die richtigen Schlüsse aus dem letzten Spiel gezogen haben. Das sollte sich jedoch im ersten Spielabschnitt schnell ändern, spätestens als sich Sharks Verteidiger Paul Martin nach knapp neun Spielminuten eine Strafe wegen Spielverzögerung, da er die Scheibe über die Plexiglasscheibe befördert hatte, einhandelte. Die Hausherren konnten zwar aus ihrer nummerischen Überlegenheit kein Kapital schlagen, übernahmen aber fortan das Kommando über das Spielgeschehen.

Die Sharks fielen wieder in ihr altbekanntes Muster aus Spiel 1 zurück, ließen Pittsburghs Angreifern zu viel Freiraum und verließen sich hauptsächlich auf ihren Schlussmann Martin Jones, der erneut eine herausragende Partie ablieferte. Immer wieder tauchten die schnellen Stürmer der Penguins gefährlich vor dem Kasten von Jones auf. Der 26-Jährige stand wie ein Fels in der Brandung und bügelte ein ums andere Mal Nachlässigkeiten seiner Vorderleute aus. Mit viel Geschick und elf Paraden rettete Jones das torlose Remis in die erste Drittelpause.

Dieses Konzept konnte für San Jose nicht lange gut gehen. Immer wieder ließen sich San Joses Defensivkräfte düpieren oder überlaufen. Weder ein Brent Burns, noch ein Marc-Edouard Vlasic, noch ein Martin bekamen ihre Gegenspieler in den Griff. Es war nur eine Frage der Zeit bis zum ersten Treffer. Erneut war es Pittsburghs HBK-Line, die einen Fehler von Brenden Dillon zur hochverdienten 1-0 Führung nutzte. Nach einem Puckverlust der Sharks im eigenen Drittel hatte Phil Kessel in der 29. Spielminute wenig Mühe die Vorlage von Nick Bonino einzunetzen. Pittsburghs torgefährlichste Sturmformation hätte in der letzten halben Stunde mehrmals den Sack zumachen können, doch entweder stand Jones oder der Pfosten im Weg und das sollte sich zunächst rächen, als knapp fünf Minuten vor Spielende mit Justin Brown ausgerechnet ein Defensivmann die Partie in die Overtime schoss.

Heiligt der Zweck die Mittel? In diesem Fall keineswegs. Auch wenn die Gäste bis zum Ertönen der Sirene die Oberhand bekamen und in der noch verbleibenden Zeit zweimal das Siegtor auf dem Schläger hatten, das was sie gezeigt haben, war erneut zu wenig.

Dementsprechend kritisch äußerte sich auch Vlasic nach der Partie: „Das war erneut zu wenig und wir dürfen einfach nicht so viele Torschüsse zulassen.“

Jones hätte mit seinen 29 Paraden zum Held des Abends werden können, doch nach 2:35 Minuten in der Verlängerung hatte er bei Conor Sheary's verdecktem Schuss keine Abwehrchance und die Penguins sind ihrem vierten Stanley Cup Triumph bis auf zwei Siege herangekommen.

San Jose muss vor seinen beiden Heimspielen im SAP Center in der Nacht von Samstag auf Sonntag und in der Nacht von Montag auf Dienstag um 2:00 Uhr MESZ Mittel und Wege finden, wie sie die schnellen Angriffsreihen der Penguins im Zaum halten können.

Jones alleine kann es nicht richten.

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