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Bundestrainer Marco Sturm äußert sich über NHL

Der ehemalige NHL-Stürmer schreibt in seiner exklusiven Kolumne über Leon Draisaitl, Philipp Grubauer uvm.

von Marco Sturm / exklusiv für NHL.com/de

Marco Sturm ist einer der erfolgreichsten deutschen Spieler in der NHL und hat mehr Spiele absolviert und Punkte geholt als je ein Deutscher vor ihm. Von 1997 bis 2012 war er in der NHL für sechs Mannschaften aktiv und hat 938 Spiele in der regulären Saison und 68 Playoff Spiele gespielt. Der heutige deutsche Bundestrainer wird in einer regelmäßigen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.

Hier die neueste Ausgabe:

Die reguläre Saison neigt sich dem Ende entgegen und die Spannung auf die fünfte Jahreszeit im Eishockey steigt auch in der NHL. Leider finden die Stanley Cup Playoffs trotz einer erneut überragenden Saison von Leon Draisaitl und Connor McDavid ohne die Edmonton Oilers statt. Es ist für einen jungen Spieler nie einfach eine überragende Saison, wie sie beide im vergangenen Jahr hatten, zu wiederholen, doch sie stellen in diesem Jahr trotz des Misserfolges der Mannschaft ihre Klasse unter Beweis und verdeutlichen, dass sie in der NHL ihren Platz gefunden haben.

Dass es trotzdem für die Oilers nicht gereicht hat, ist eine große Enttäuschung, sicher auch für Leon und McDavid persönlich. Aber es ist eine Erfahrung, die man mitnehmen und abhaken muss, um im kommenden Jahr neu anzugreifen.

Video: COL@EDM: Draisaitl legt McDavid zum OT-Sieg auf

Dass McDavid trotz der Umstände die Art Ross Trophy für den punktbesten Scorer gewinnen wird, zeigt, dass er derzeit einer der besten Spieler der Liga ist. Wenn ich Spiele der Oilers schaue, dann warte ich immer schon gespannt darauf, bis er wieder auf das Eis geht und zeigt, was er drauf hat. Es macht unheimlich Spaß ihm zuzusehen.

Auffällig ist, dass Leon letzte Saison mit 77 Punkten am Ende Achter der Scorerliste war und man in diesem Jahr damit nicht einmal unter den Top 20 landen wird. Es zeigt, wieviel Punkte mehr gemacht wurden und dass das Feld hinter der Spitze mit McDavids 103 Punkten dicht beisammen ist. Es fallen einfach mehr Tore und es spiegelt sich in den Ergebnissen wider, dass Eishockey in den vergangenen Jahren durch schnelle und athletische Spieler sehr viel attraktiver geworden ist. Egal wie gut man verteidigt, Spieler die mit Einzelaktionen, Geschwindigkeit und gutem Passspiel die Räume für Torszenen schaffen, sind unheimlich schwer zu verteidigen. Gerade die jungen Spieler, wie McDavid und Draisaitl haben auch den Mut solche Aktionen zu fahren und Vollgas zu geben. Das wirkt sich auf die Torbilanz positiv aus.

Es wäre für die Nationalmannschaft eine große Bereicherung, wenn Leon und die anderen deutschen NHL-Spieler bei der Weltmeisterschaft für Deutschland auflaufen würden. Ich stehe mit allen im laufenden Kontakt, aber ich warte immer die Saison ab, denn danach wird abgerechnet und es kann in jedem Spiel viel passieren. Außerdem sollen sie sich auf ihre Aufgabe dort voll konzentrieren können. Konkret werden von mir alle, die nicht in den Playoffs dabei sind, in der kommenden Woche angefragt, dann werden wir mehr wissen, wer letztendlich verfügbar sein wird.

Tweet from @RedBullMuenchen: Drei Tore im ersten Drittel - was f��r ein Start ins Playoff-Halbfinale. Dominik Kahun bringt die #redbulls wieder in F��hrung! Das ganze Spiel gibt's auf https://t.co/3AXlI7Utyi pic.twitter.com/BMYJDoCXqK

Erfreulich aus deutscher Sicht ist, dass Dominik Kahun vermutlich in die NHL wechseln wird. Zwar ist offiziell noch nichts fix, aber die Anzeichen verdichten sich. Mich freut es unheimlich für ihn, denn nach seinen zwei Jahren in Nordamerika wollte ihn keine NHL-Mannschaft haben und normal schaffst du mit bald 23 Jahren, wenn du einmal in Europa spielst, den Sprung nicht mehr so leicht. Ich finde, dass er sich in diesem Jahr weiter gesteigert hat. Das war schon beim Deutschland Cup zu bemerken und hat man dann bei Olympia richtig gesehen. Er ist konstanter in seinen Leistungen geworden und hat sich zu einem Führungsspieler in München und der Nationalmannschaft entwickelt. Dazu hat ihm im letzten Jahr noch ein wenig gefehlt. Jetzt hat er aber tolle Spiele gemacht und ich traue ihm den Sprung in die NHL auf alle Fälle zu.

Richtig gut spielt derzeit Torhüter Philipp Grubauer. Die Washington Capitals haben dadurch kurz vor den Playoffs ein Luxusproblem. Braden Holtby ist ein richtig starker Torhüter, der die vergangen Jahre diese Mannschaft getragen hat. Ich kenne die Krankenakte von Holtby nicht, wie stark er angeschlagen ist, und ob sie mitentscheidend sein wird, ob Philipp in den Playoffs seine Chance bekommt. Mich freut bei der ganzen Geschichte jedenfalls, dass jetzt alle erkennen können wie gut Grubauer in der Tat ist. Er bekommt seine Anerkennung für die harten Jahre und hoffentlich demnächst irgendwo seine Chance auf eine Nummer 1. Bei gelegentlichen Einsätzen ist es schwer, seine Klasse unter Beweis zu stellen, aber jetzt hatte er mehrere am Stück und hat gezeigt, was für ein überragender Torhüter er ist.

 

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Die Schlagzeilen zuletzt gehörten Scott Forster, der als sogenannter Notfall-Torwart für die Chicago Blackhawks auflaufen musste, weil sich beide Torhüter kurzfristig verletzten. Wenn du nie Profi-Eishockey gespielt hast und wie er 36 Jahre alt bist, dann ist das wie ein Traum. Fantastisch für ihn, dass er alle Torschüsse hielt. Ich habe das als Spieler nie erlebt, nur als ich vor ein paar Jahren in Florida zuschaute. Es sind Geschichten, die nur das Eishockey schreibt.

Ich dachte vor kurzem, dass es die Florida Panthers in die Playoffs schaffen würden, doch nach den Niederlagen kürzlich scheint der Zug für sie leider abgefahren. Die New Jersey Devils haben dem Angriff der Panthers gut Stand gehalten und ihrerseits die nötigen Siege eingefahren.

Spannend ist es noch in der Western Conference, aber eine Prognose, wer von den vier Teams Anaheim Ducks, Los Angeles Kings, St. Louis Blues und Colorado Avalanche am Ende in den sauren Apfel beißen muss, ist schwer zu sagen. Es werden Kleinigkeiten den Ausschlag geben. Doch es ist schon bitter, wenn eines dieser Teams mit um die 95 Punkte ausscheiden muss.

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