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Maple Leafs: Sehnsucht nach flusigen Bärten

von Axel Jeroma / NHL.com

Männer in verschwitzten blauen Ahornblatt-Leibchen, mit zerzausten Frisuren und flusigen Bärten, die auf dem Eis den 20 Kilo schweren Stanley-Cup in die Höhe stemmen. Nichts wünschen sich die Anhänger der Toronto Maple Leafs sehnlicher, als endlich wieder einmal diesen Moment abzulichten und sich einen Ausdruck davon an einem repräsentativen Platz daheim aufzuhängen.

Doch im Augenblick spricht wenig dafür, dass die Kufencracks aus der kanadischen Metropole ab April die Rasierapparate längere Zeit unbenutzt im Bad liegen lassen müssen, um sich einen Playoff-Bart stehen zu lassen.

In der Atlantic Division liegen die Maple Leafs nur auf dem vorletzten Platz. Immerhin: Mit zwei Siegen nach dem All Star Game (4-3 in Overtime gegen die Boston Bruins, 3-2 nach Penaltyschießen gegen die New Jersey Devils) gelang es dem Team von Coach Mike Babcock, sich im Klassement an den Buffalo Sabres vorbei zu robben.

Dennoch bleibt nur noch eine vage Chance zur Teilnahme an Playoffs. An den ersten Stanley-Cup-Triumph seit 1967 glauben dagegen nicht einmal die kühnsten Optimisten.

Torontos jahrzehntelang anhaltende Erfolglosigkeit überrascht, wenn man das finanzielle Potenzial des Klubs in Betracht zieht. Die Maple Leafs gelten als finanziell erfolgreichste Eishockey-Niederlassung der Welt. Fachleute taxieren den Wert der NHL-Franchise aus Toronto auf 1,3 Milliarden Dollar.

Doch es gelang in der Vergangenheit nicht, diese geballte Wirtschaftskraft in Titel umzumünzen. Regelmäßig scheiterten die Belegschaften in den vergangenen Jahren an dieser Vorgabe. Und so entschied sich Präsident Brendan Shanahan, zu Beginn dieser Serie einen Umbruch im Team einzuleiten und den Fokus auf junge Spieler und innovative Konzepte zu legen.

Für den Platz an der Bande verpflichtete Shanahan mit Mike Babcock einen der angesehensten Trainer der NHL und stattete ihn mit Arbeitspapieren für acht Jahre aus. Ein untrügliches Zeichen, dass bei den Maple Leafs langfristig gedacht und dem Übungsleiter die nötige Zeit eingeräumt wird, aus einem unerfahrenen Kader eine schlagkräftige und titelreife Truppe zu formen.

Babcock, der gegen die Devils sein 1000. Match als Head Coach an einer Bande dirigierte, legt sein Augenmerk dabei nicht nur auf die sportliche Kompetenzsteigerung der Akteure. "Mein Ziel ist es, aus ihnen zuallererst stärkere Persönlichkeiten zu machen und dann erst bessere Spieler", sagt der 52-jährige Kanadier.

Babcocks Art kommt an im Team. "Er ist ein extrem harter und aufrichtiger Arbeiter. Er sagt frei heraus, wie die Dinge sind und hat immer recht damit", erzählt Verteidiger Morgan Rielly. Und der erfahrene Angreifer Pierre-Alexander Parenteau, vor der Serie von den Montreal Canadiens nach Toronto gekommen, ergänzt: "Babcock ist ein starker Typ, der absoluten Respekt verlangt. Genau das kommt an in der Kabine."

Trotz des mäßigen Tabellenplatzes sind bei den Maple Leafs seit Babcocks Amtsübernahme einige Fortschritte unverkennbar. Vor allem im Abwehrverhalten. So lässt das Team im Schnitt weniger Schüsse aufs eigene Tor zu als in der vergangenen Saison (31,3/33,5). Das führte dazu, dass die Mannschaft weniger Tore kassiert als in der Spielzeit davor. Im Schnitt klingelte es bisher 2,7 Mal im Tor der Maple Leafs (Serie 14/15: 3,13). Goalie James Reimer steht in der Rangliste der Saves mit einem Anteil von 0,932 an zweiter Stelle der Liga.

In der Offensive überzeugte bislang Leo Komarov. Der finnische Nationalspieler bugsierte den Puck 17 Mal in 50 Partien ins gegnerische Netz. Dennoch bleibt der Angriff der Sorgenbereich. 2,3 erzielte Tore pro Match bedeuten momentan nur Platz 27 in der NHL. Zu allem Überfluss hat sich am 9. Januar auch noch Linksaußen James van Riemsdyk den Fuß gebrochen. Wann er zurückkehrt, ist derzeit völlig offen.

Die Abteilung Attacke könnte daher fraglos Unterstützung gebrauchen. Aber vermutlich wird sich heuer in diesem Bereich nicht mehr viel ändern. Zwar haben die Maple Leafs talentierte AHL-Kräfte wie William Nylander oder Kasperi Kapanen in der Hinterhand. Doch sie sollen nach Aussage der Verantwortlichen dieses Jahr noch nicht in die NHL hochgezogen werden.

In den nächsten zwei Wochen wird sich zeigen, ob sich der Aufwärtstrend aus den vergangenen beiden Partien bestätigt und wie weit es in der Tabelle noch nach oben gehen kann. Auf dem Spielplan stehen unter anderem die Partien bei den kanadischen Kontrahenten Ottawa Senators, Calgary Flames, Edmonton Oilers und Vancouver Canucks.

Klar ist: Nur mit einer üppigen Punktausbeute aus den Derbys bleibt die Hoffnung auf verschwitzte blaue Ahornblatt-Leibchen, zerzauste Frisuren und flusige Bärte nach Playoff-Spielen am Leben.

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