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Ein Blick auf Macht und Ohnmacht der Coaches

Der Einfluss der Trainer auf die Entwicklung der Teams ist auch in der NHL groß, doch Erfolg und Misserfolg sind schwer vorherzusagen

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

An jedem Montag der Spielzeit 2017/18 wird NHL.com/de an dieser Stelle nach Themen suchen, welche etwas abseits des täglichen Spielgeschehens liegen und die Themen beleuchten, welche den Puls der Liga im Hintergrund bestimmen. Sportliche Krisen, ein intensiverer Blick auf die aktuellsten Themen der NHL, grundsätzliche Entwicklungen welche die Diskussionen derzeit bestimmen. Wir sorgen dafür, dass nichts davon unbeachtet bleibt.

Heute geht es um die Rolle der Coaches in Hinsicht auf Erfolg und Misserfolg ihrer jeweiligen Teams.

Auch wer sich nicht jeden Tag mit der NHL beschäftigt, wird die grundsätzliche Bedeutung der Cheftrainer für ein Team höchstwahrscheinlich aus anderen Sportarten kennen. Hierzulande wird aktuell sehr intensiv über die Rolle von Peter Stöger diskutiert, welcher gestern als Übungsleiter des 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga von seinen Aufgaben entbunden wurde.

Nach sportlich herausragenden Erfolgen in den letzten vier Jahren riss seine Erfolgsserie überraschend zum Saisonstart. So wirklich vermag sich im Umfeld des Klubs noch niemand einen Reim darauf machen zu können, weshalb ihn das Glück so urplötzlich verlassen hat.

Ganz ähnlich läuft es in der NHL ab: Manchmal passt ein Trainer scheinbar perfekt zu einem Team und über Jahre hinweg sind positive Fortschritte zu erkennen. Irgendwann kippt die Entwicklung jedoch wieder genauso rasch und überraschend wie sie eingetreten war. Es fällt schwer solche Trendwenden vorherzusagen.

Wer sind, nachdem ein Viertel der Hauptrunde in der Liga absolviert ist, die aktuellen Erfolgs-Coaches, und wer liegt, aus welchen Gründen auch immer, mit seinen Jungs derzeit deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Schaut man sich die NHL-Tabellen an, dann kommen einem sofort die Namen Todd McLellan (Edmonton Oilers, 11-14-2), Gerard Gallant (Vegas Golden Knights, 16-9-1), Paul Maurice (Winnipeg Jets, 17-6-4) und auch Jon Cooper (Tampa Bay Lightning, 18-6-2) in den Sinn.

Vor allem McLellan liegt mit den Oilers noch immer arg hinter den Erwartungen zurück: Nachdem sich das Team im Frühjahr 2017 erstmals seit elf Jahren wieder für die Stanley Cup Playoffs qualifizieren konnte und dort in Runde Zwei unglücklich gegen die Anaheim Ducks scheiterte, wollten sie dieses Mal möglichst noch weiter in der KO-Runde kommen. Bisher sieht es jedoch nicht einmal nach einer Playoff-Qualifikation für die Westkanadier aus. 

Der 50-jährige Coach hat in seiner bisherigen Karriere eine gute Trainerbilanz vorzuweisen. In sieben Jahren als Cheftrainer der San Jose Sharks fuhr er 311 Siege ein. Auch die 103 gewonnenen Punkte in der Spielzeit 2016/17 sprechen für seine Qualitäten. 

In Edmonton wird aktuell darüber debattiert, ob die Balance im Kader stimmt oder ob der Neuaufbau falsch angepackt wurde, der Coach wird dabei weniger in Frage gestellt. Die Abwehr wird von Kritikern als zu schwach angesehen. Dem Trainer gibt das Umfeld noch am wenigsten die Schuld für die derzeitige Misere. Für die Zusammenstellung der Truppe ist McLellan begrenzt verantwortlich. Er kann nur mit dem Spielermaterial arbeiten, welches ihm vom Klub zu Verfügung gestellt wird.

Dave Hakstol von den Philadelphia Flyers (8-11-7) liegt nach inzwischen zehn sieglosen Spielen in Serie mit seinem Team weit außerhalb der Zielsetzung. In seiner dritten Saison bei den Flyers sieht der 49-jährige Coach recht alleingelassen aus, bei dem Vorhaben das Team wieder in die Playoffs zu führen.

Dadurch, dass einige Teams, wie die New Jersey Devils und die Jets, innerhalb weniger Monate in sportlicher Hinsicht an den Jungs aus Philadelphia vorbeigezogen sind, steht Philadelphias Cheftrainer derzeit nicht gut da. Hakstol braucht, wie alle seine Kollegen, regelmäßig Siege um nicht in den Mittelpunkt der zunehmenden Kritik zu rücken. Bleiben Erfolge über einen längeren Zeitraum aus, dann wächst zwangsläufig die Unruhe.

Gut erholt hat sich hingegen wieder das zuletzt leicht ramponierte Ansehen des Kollegen Barry Trotz bei den Washington Capitals (15-11-1). Auch an ihm wurde nach einer enttäuschenden Zwischenbilanz bereits deutlich öffentlich herumgemosert. 

Eine kleine Kaderverschiebung, Trotz führte Alex Ovechkin und Nicklas Backstrom wieder zusammen, gab seinem Team wieder einen zusätzlichen Kick, der zu drei Siegen in Serie, inzwischen vier Erfolgen aus den letzten fünf Spielen, führte. Der Coach steht weitestgehend aus der Schusslinie, was ihm wieder mehr Zeit für seine eigentliche Arbeit verschafft. So schnell geht das manchmal.

Das Beispiel zeigt, dass ein paar scheinbare Kleinigkeiten, verpackt mit ein wenig Glück und dem sprichwörtlichen Fingerspitzengefühl ausreichen, um ein vermeintlich schlingerndes Team zurück in die Spur zu führen.

Auf der Erfolgswelle eines guten Saisonstarts surfen aktuell die Kollegen Gallant, Maurice und Cooper. Gallant, der vergangene Saison von den Florida Panthers wegen Erfolglosigkeit, nach einem schlechten Saisonstart, vorzeitig von seinen Aufgaben entbunden wurde, ist das beste Beispiel, dass eine Trennung nichts über die Qualitäten eines Trainers aussagt. 

In Las Vegas zeigt Gallant auf sehr beeindruckende Art und Weise, wie herausragend er frisch zusammengewürfelte Teamkader zu einer schwer zu schlagenden Einheit formen kann. Stellt sich natürlich die Frage, warum ihm das in Florida nicht mehr gelungen war? Eine Antwort darauf gibt es nicht.

Maurice und Cooper hatten im Vorjahr noch mit Enttäuschungen zu kämpfen. Sie schafften es nicht die Jets und die 'Bolts' in die zuvor erhoffte Endrunde zu führen. Nur ein paar Monate später, haben sie es wieder geschafft aus ihren Kadern ein Team mit Ambitionen zu schmieden. Die ihnen entgegengebrachte Geduld scheint sich auszuzahlen.

Wirkliche Unterschiede in der Herangehensweise sind für Außenstehende nicht zu erkennen. Manchmal reichen kontinuierliche Arbeit und etwas Geduld aus - doch Verlass darauf gibt es nicht. 

Solche Trendwenden einigermaßen verlässlich vorherzusagen ist in einem Mannschaftssport schlicht nicht möglich. Für niemanden. Ein Blick in die Vergangenheit bestätigt dies. Und, wenn wir ehrlich sind, das macht ja auch ein großes Stück weit den Reiz an der Sache für uns alle aus.

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