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Drahtseilakt zwischen Profisport und Familienleben

Henrik Lundqvist und Henrik Sedin meistern den NHL-Zirkus und finden dennoch genug Zeit für ihre Familien

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Wenn sich die NHL-Stars im Herbst zur Vorbereitung auf die kommende Saison wieder auf das glatte Eis begeben, wird ihr Terminplan schlagartig enger. Hatten sie in den Sommermonaten noch genügend Zeit, sich ausgiebig mit privaten Belangen zu beschäftigen, so stehen in der kalten Jahreszeit regelmäßige Trainingseinheiten und mehrtägige Auswärtsreisen auf dem Programm.

Vor allem für die älteren Spieler hat dies zur Folge, dass sie weniger Freizeit mit ihrer Familie verbringen können.

"Als ich jünger war, da realisierte ich gar nicht, wie viel Zeit ich überhaupt ins Eishockey investiere, wie viel Fokussierung es von mir abverlangt", erinnerte sich New York Rangers Torhüter Henrik Lundqvist gegenüber Janne Bengtsson von NHL.com International.

Mittlerweile ist Lundqvist 35 Jahre alt. Er geht nun in seine dreizehnte NHL-Saison für das Team aus Manhattan. Zusammen mit seiner Frau Therese hat Lundqvist zwei junge Töchter.

"Jetzt habe ich Kinder die Zeit und Aufmerksamkeit benötigen. Da wird mir erst richtig bewusst, wie sehr mich das Eishockey einspannt", erzählte Lundqvist.

Der Schwede weiß jedoch ganz genau, dass ihm sein Job keine andere Wahl gibt.

"Es ist ein Teamsport und ich bin nicht mein eigener Boss. Wenn ich einen Individualsport machen würde, dann wäre es für mich viel schwerer, all diese Entscheidungen zu treffen", führte er aus.

"Nun bin ich aber Mitglied eines Teams und es geht immer darum, sich für die Aufstellung zu beweisen. Die Spiele, das Reisen und das Training, man muss alles mitmachen" erzählte er.

Brett Hull sagte einst, dass er die Liebe zum Eishockey verloren habe. Aufgrund der Medien und des Reisens fing er allmählich an, den Sport zu hassen. Für Lundqvists schwedischen Landsmann Henrik Sedin ist der ganze NHL-Zirkus jedoch kein Grund dafür, missmutig zu werden.

"Sicherlich ist es schwer, so lange von der Familie weg zu sein und in Hotels zu leben", erzählte Sedin. "Aber wir haben ein tolles Team und es macht Spaß, mit den Jungs unterwegs zu sein. Es macht mir immer noch jeden Tag Spaß, auf dem Eis zu stehen."

Weder Lundqvist noch Sedin sind an dem Punkt angekommen, an dem sie die Schlittschuhe aufgrund ihrer Familie an den berühmten Nagel hängen wollen. So erfolgreiche Karrieren sie auch hinlegten, beiden fehlt ein Pokal, für den sie all die Opfer bringen.

Henrik spielt zusammen mit seinem Bruder Daniel seit 17 Jahren für die Vancouver Canucks, dem Team, das sie im Jahr 1999 draftete. Ihre Kinder sind an der kanadischen Westküste geboren und ob sie nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn in ihre Heimat zurückkehren werden, steht noch in den Sternen.

Für die Sedin-Zwillinge wie auch für Lundqvist steht fest, dass sie den Stanley Cup mit der Organisation gewinnen möchten, die sie lieben. Keiner von ihnen würde die Abkürzung über einen Teamwechsel nehmen.

"Ich fühle mich meiner Organisation sehr verbunden", erzählte Lundqvist. "Ich würde lieber spielen bis ich 44 bin, um endlich den Cup zu holen, als dass ich zu einem anderen Team wechsele."

Und Lundqvist ist erfahren genug, um zu wissen, wie man den Drahtseilakt zwischen Profisport und Familienleben meistert.

"Man nutzt die Zeit so gut es geht", erklärte Lundqvist. Man trainiert und geht heim. Man sitzt nicht mehr so lange mit den Teamkollegen zusammen, unterhält sich und trinkt Kaffee. Meine jüngere Tochter kann das alles vielleicht noch nicht so gut verstehen, aber Charlise ist fünf Jahre alt. Sie weiß, dass Eishockey für ihren Vater viel bedeutet."

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