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Drei Torhüter trotzen dem Offensivtrend in der NHL

Connor Hellebuyck, Mike Smith und Robin Lehner brachten die gegnerischen Stürmer zuletzt mit über 50 Saves zur Verzweiflung

von Alexander Gammel @NHLde / NHL.com/de Freier Autor

Sportler betonen gerne, dass es nicht auf den einzelnen Spieler, sondern in erster Linie auf die Mannschaft ankommt. Manchmal lässt sich jedoch nicht leugnen, dass eben doch ein Akteur mit überragender Leistung den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausgemacht hat. 

Das wird besonders deutlich, wenn es um einen Torwart geht. Auf keiner anderen Position werden Fehler so unbarmherzig bestraft, dafür stechen Glanztaten jedoch auch besonders heraus. Einen Abend voller solcher Glanztaten lieferte am Sonntag Robin Lehner für die Chicago Blackhawks ab.

Am Ende blieben die zwei Punkte gegen die Toronto Maple Leafs im United Center in Chicago, doch der Ausgang des Spiels war lange Zeit alles andere als gewiss. "Das war ein hartes Spiel, aber wir haben stark zusammen gekämpft und die zwei Punkte am Ende geholt", war Lehner nach dem Duell erleichtert. Für einen großen Teil dieses Kampfes beim 5:4-Sieg war er selber mit 53 Saves verantwortlich.

Lehner kam im vergangenen Sommer von den New York Islanders, mit denen er im Vorjahr eine Traumsaison feierte. In 46 Spielen kam er auf eine Statistik von 25-13-5. 93 Prozent Fangquote, 2,13 Gegentore pro Spiel und sechs Shutouts. Dafür landete er im Finale um die Vezina Trophy für den besten Torwart der Saison.

"Wow, er war heute echt unfassbar", schwärmte Blackhawks-Stürmer Patrick Kane nach dem Spiel gegen die Maple Leafs. "Ab dem zweiten Drittel hat er einige unglaubliche Saves gezeigt. Wenn man 4:1 führt, ist man natürlich recht zufrieden. Da müssen wir vor ihm aber besser spielen, den Puck kontrollieren, weitermachen wie in den ersten 20 Minuten und dürfen den Fuß nicht vom Gas nehmen."

Dank Lehners Paradeabend kam am Ende ein Sieg für seine Mannschaft heraus. 

Um seine Leistung besser einordnen zu können: 

Kein Team der NHL kam in dieser Saison auf mehr als 35,6 Torschüsse pro Spiel (Los Angeles Kings) und kein Team kassiert im Durchschnitt mehr als die 36,8 Torschüsse pro Spiel der Blackhawks. 

40 Schüsse sind also bereits deutlich über dem Durchschnitt. 50 Torschüsse kommen selten vor. Die Wahrscheinlichkeit mehr als 50 Torschüsse zu kassieren und dabei noch zu gewinnen, ist demnach verschwindend gering. 

So gering, dass Lehner erst der vierte Torhüter im Blackhawks-Trikot ist, der mehr als 50 Saves in einem Spiel verbuchte, seit Torschüsse statistisch erfasst werden (1955/56). 

In der laufenden Saison ist er damit allerdings nicht alleine.

In den ersten zehn Tagen des Novembers ist Lehner bereits der dritte Torwart, der sein Team mit mehr als 50 gestoppten Schüssen zum Sieg führte. 

Am ersten November gelang das Connor Hellebuyck bei einem 3:2-Auswärtssieg der Winnipeg Jets gegen die San Jose Sharks, am zweiten November Mike Smith bei einem 2:1-Sieg der Edmonton Oilers bei den Pittsburgh Penguins. Beide Torhüter brachten es auf 51 Saves.

"Heute hatte ich natürlich einiges zu tun", scherzte Smith nach dem Spiel, in dem Leon Draisaitl die Oilers in der Verlängerung zum Sieg schoss. "Du weißt vorher nie, was dich erwartet. Heute sind sie gegen uns angerannt und haben uns zunächst in die Ecke gedrängt. Wir sind drangeblieben und haben einen Weg gefunden zwei wichtige Punkte zu holen."

Vor dem erfolgreichen Trio kassierten vier andere Torhüter in der laufenden Saison mindestens 50 Torschüsse in einem Spiel. Lediglich Anders Nilsson hielt auch mehr als 50, allerdings verloren seine Ottawa Senators trotz seiner 52 Saves mit 2:3 nach Penaltyschießen gegen die Vegas Golden Knights. 

Vergangene Saison wurde in 17 Spielen ein Torhüter mit wenigstens 50 Schüssen konfrontiert. Fünf Mal kamen wenigstens 50 Saves heraus und vier Mal führten diese Paraden zum Sieg. 

Hellebuyck ist der einzige der drei Tohüter mit mindestens 50 Saves in dieser Saison, der bereits in der vergangenen Spielzeit ein Spiel mit so vielen Torschüssen erlebte. Damals parierte er 48 von 53 Schüssen und die Jets verloren mit 2:5 gegen die Montreal Canadiens. Anfang November hielt er dem Beschuss durch die Sharks erfolgreicher stand.

"Ehrlich gesagt sollten wir heute nur über Connor Hellebuyck sprechen", stellte Jets-Trainer Paul Maurice bei der Pressekonferenz nach dem Sieg fest. Hellebuyck liegt mit 2,28 Gegentoren pro Spiel auf Platz acht der Liga, mit acht Siegen auf Rang sechs und mit 93,3 Prozent Fangquote auf Rang drei. Dennoch war die Partie gegen die Sharks für ihn alles andere als alltäglich.

"Es gab eine Phase, in der ich schon ein bisschen gebetet habe", gab er zu, wollte die Verantwortung für die Vielzahl an Saves aber nicht alleine übernehmen. "Meine Mitspieler haben großartige Arbeit geleistet, um mir freie Sicht zu verschaffen. Heute ist der Puck für mich auch einfach glücklich gelaufen."

Die NHL wird immer schneller und offensiver. Offensichtlich legen die Torhüter mit dieser immer größer werdenden Bedrohung konfrontiert aber nach. Nach weniger als einem Viertel der Saison gab es beinahe halb so oft mindestens 50 Torschüsse in einem Spiel wie in der vorherigen Saison. Es fehlen nur noch zwei Leistungen wie die von Lehner, Smith und Hellebuyck, um den Stand der gesamten vergangenen Saison zu egalisieren. 

Die schnellere und offensivere Spielweise erfreut Fans mit mehr Toren. Wenn man jedoch nach der ersten Phase der Saison geht, dann darf man sich als Zuschauer bis zu den Playoffs auch noch genauso auf einige weitere spektakuläre Leistungen der Solisten zwischen den Pfosten freuen.

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