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Wenn alte Hasen die Schläger kreuzen

Munteres Treiben beim Alumni Game entzückt Eishockeyfans in Winnipeg

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Winnipeg -- Im Investors Group Field, wo üblicherweise die Spieler der Winnipeg Blue Bombers ihre Heimspiele in der Canadien Football League austragen und einem eiförmigen Ball hinterherjagen, wich der sattgrüne Kunstrasen einer 26 mal 31 Meter großen Eisfläche.

Keine in engen Hosen, dicken Schulterpolstern und vergitterten Helmen gekleideten Hünen werden an diesem Wochenende gen Endzone sprinten. Kein Stollenschuh kommt ins Stadion, nur Schlittschuhe sind geduldet.

Die Manege ist bereitet für das 2016 Tim Hortons Heritage Classic zwischen den Winnipeg Jets und den Edmonton Oilers, das am Sonntag, den 23. Oktober stattfinden wird. In einem ersten Test wurde bereits am Samstag um 16 Uhr Ortszeit auf dem kühlen Nass bei 8 Grad Celsius, Sonnenschein und bestem Eishockeywetter im Investors Group Field dem kanadischen Nationalsport gefröhnt. Vor knapp 35.000 frenetischen Zuschauern wurde im Vorfeld des NHL-Hauptrundenspiels das 2016 Tim Hortons Heritage Classic Alumni Game ausgetragen. Diese Partie war nicht nur ein Vorgeschmack auf das Heritage Classic am Sonntag, sondern ein Spektakel für sich. Legendäre Teams der Winnipeg Jets und der Edmonton Oilers kreuzten die Schläger. Und auch wenn das Durchschnittsalter auf dem Eis teilweise über 50 lag, wurde großer Sport geboten. Keineswegs sah das begeisterte Publikum altersschwache Rentner, die in ihren Rindslederhandschuhen und Hartplastikpopkornschüsseln kaum einen Puck führen konnten. Im Gegenteil: Die Herrschaften hatten in den teilweise über 20 Jahren Abstinenz vom Eishockeysport nichts verlernt. Sie mischten die Scheibe mit ihren Ahornholzschlägern immer noch gekonnt und flitzten teilweise engelsgleich über das gefrorene Wasser.

Herausragend beispielsweise Teemu Selanne, der das Alumni Team der Winnipeg Jets anführte. Obwohl er zwischen 1992 und 1996 lediglich vier Jahre in Winnipeg aktiv war, wird ihn kein Jetsfan je vergessen haben. Erlebte er in Manitoba doch seine erfolgreichste NHL-Saison überhaupt. Ein ums andere Mal lies er am Samstag aufblitzen, weshalb er in seiner Rookiesaison für die Jets 1992-93 in 84 Spielen 132 Punkte (76 Tore und 56 Assists) erzielte. So auch in der fünften Spielminute, als er mit dem 1-0 den Torreigen eröffnete. Ausgefuchst verlud der weit angereiste Finne Bill Ranford im Kasten der Oilers per Foulpenalty mit der Rückhand. Ob sich Ranford hierbei jedoch nur zu Showzwecken kugelte oder das Spielgerät tatsächlich fangen wollte, bleibt sein Geheimnis. In seiner aktiven Zeit bei den Oilers von 1988 bis 1996 rollte er sich nie in derartiger Form durch seinen Torraum. Den Torschützen stimmte es jedenfalls glücklich:

"Die ganze Woche hier war klasse. Hierherzukommen und die ganzen Leute zu treffen, die ich seit 20 Jahren nicht gesehen habe und gegen dieses Team aus Edmonton zu spielen war toll. Die Gelegenheit zu so einem Freiluftspiel erhält man nicht alle Tage. Das ist etwas ganz Besonderes."

Auf der Gegenseite erwies sich vor allem Mark Messier als treffsicherer Schütze. Der zweitbeste NHL-Scorer aller Zeiten und langjähriger Teamkollege von Wayne Gretzky -- dem allseitsbekannten besten NHL-Scorer allerzeiten -- nagelte das Spielgerät gleich mehrmals punktgenau ins Netz und lies die Fans an die goldenen Jahre der Edmonton Oilers zurückerinnern. Wie damals wirbelte er auch beim Alumni Game neben Gretzky, Paul Coffey und dem extra aus Übersee eingeflogenen Jari Kurri.

Der 55-jährige Messier durfte sich sodann als erster Oilersspieler auf dem Ergebnistableaut eintragen. In der 15. Spielminute, als die Hausherren bereits mit 3-0 führten, schnappte er sich wie es sich für einen Center der alten Schule gehörte in der eigenen Zone die Scheibe um sodann den Angriff einzuleiten. Als Spielführer suchte er dann den Abschluss höchst selbst und verwandelte aus gefühlt 18 Metern zielsicher per Handgelenkschuss. Diese Zielsicherheit musste er sich jedoch lange hart antrainieren.

Für Messier, der sich noch gut daran erinnert, wie er 1979 sein erstes Profilspiel in Winnipeg absolvierte, bedeutete das Alumni Game ausgesprochen viel: "Es gibt diese unglaubliche Leidenschaft in ganz Kanada. Egal wo du hinkommst oder wo du spielst. Ich erinnere mich gut daran, was es in Winnipeg für eine Faszination für diesen Sport gibt. Den Sportlern wird viel Respekt entgegengebracht. Das heutige Spiel bedeutet so viel mehr als nur der Sport selbst. Die Beziehung zwischen Fan und Spieler ist sehr wichtig. Die Entwicklung von damals, als ich für die Indianapolis Racers meinen ersten Wechsel machte zu heute, wo solche Stadien gefüllt werden, ist der Wahnsinn."  

Am Sonntag, wenn dieses Stadion erneut gefüllt wird, wird sich eine ganz andere Generation von Sportlern gegenüberstehen. Die Legenden haben das Feuer in den Fans und die Leidenschaft für Eishockey entfacht. Patrik Laine, Connor McDavid, Leon Draisaitl und Co werden es zum Lodern bringen.  

Das Alumni Game endete übrigens mit 6-5 für die Gastgeber. Drei Sekunden vor dem Abpfiff schoss der finnische frechdachs Selanne Curtis Joseph die Scheibe per Penalty zwischen die Hosenträger. Wie er in der abschließenden Pressekonferenz ausdrücklich betonte, hat er jedoch keinen eigenen Beitrag zum Drehbuch geleistet.

 

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