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Lange Amtsdauern von NHL-Trainern werden seltener

Mit Gerard Gallant wurde in dieser Saison schon der fünfte, mit seinem Team bereits erfolgreiche Coach entlassen

von Stefan Herget @NHLde / NHL.com/de Freier Chefautor

Entsprechend der Ereignisse der zurückliegenden Wochen und Monaten in der NHL im Zusammenhang mit Trainern und ihren Entlassungen dürften Jon Cooper von den Tampa Bay Lightning, Paul Maurice von den Winnipeg Jets und Claude Julien von den Montreal Canadiens eher schlechter schlafen. In der Tat wird es natürlich nicht so sein. Cooper und Maurice müssen sich ohnehin keine Sorgen machen, denn beide stehen aktuell mit ihren Mannschaften auf einem Qualifikationsplatz für die Stanley Cup Playoffs und liegen deswegen im Soll.

Na gut, weit abgeschlagen sind die Vegas Golden Knights nun auch nicht. Sie liegen punktgleich mit den beiden durch die Winnipeg Jets und Vancouver Canucks eingenommenen Wildcard-Plätzen immerhin auf Tuchfühlung. Trotzdem füllten die Golden Knights am Mittwoch mit der unerwarteten Schlagzeile die Gazetten, dass sie ihren bisherigen Erfolgscoach Gerard Gallant entlassen und durch Peter DeBoer ersetzt haben. Eine eher ungewöhnliche Maßnahme, für die sicher noch andere Gründe ursächlich sind, die nie an die Öffentlichkeit dringen werden. 

 

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"Wissen Sie, es war nicht ein spezifischer Block von Spielen oder ein spezielles Spiel", suchte Vegas General Manager Kelly McCrimmon nach einer Begründung für die Entlassung von Gallant. "Es ist schwer es in Worte zu fassen, ich schätze, bis man selbst diese Arbeit macht. Es geht mehr um das Gefühl, das man hat, ein Wechsel könnte nötig sein. Ich wünschte ich könnte konkreter sein als das, aber das ist es, wie es uns ging. Wir haben viel darüber nachgedacht. Es war natürlich nichts, dass wir in Hast erledigt haben oder etwas, das mit den jüngsten vier Spielen zu tun hat. Es war eine Entscheidung, die über die Zeit gereift ist." 

Gallant war mit den Golden Knights weitgehend sehr gut, wenn nicht außergewöhnlich gut, unterwegs. Er wurde am 13. April 2017 als erster Trainer der neu gegründeten Franchise angeheuert und half mit seinem Fachwissen im NHL Expansion Draft 2017 dazu, eine komplett neue Mannschaft äußerst erfolgreich aufzubauen.

In seiner Zeit in Las Vegas erreichte er eine Bilanz von 118-75-20 und schaffte in beiden Jahren den Einzug in die Stanley Cup Playoffs. In der ersten Saison 2018 wurde die Divisions- und Conference-Meisterschaft errungen und die Reise endete sensationell erst nach fünf Spielen im Stanley Cup Finale gegen die Washington Capitals. Gallant gewann den Jack Adams Award für den besten Trainer der Saison.

Doch wieder einmal zeigt sein Fall, dass die Erfolge der Vergangenheit im Trainergeschäft nicht viel zählen, wenn es schlecht läuft und ein Sündenbock gebraucht wird. Die Golden Knights haben vier Spiele in Folge verloren und sechs der jüngsten zehn. Mit einer Bilanz von 24-19-6 nehmen sie den fünften Platz in der Division ein, liegen aber durch das ungemein enge Feld trotzdem nur drei Punkte hinter dem Spitzenplatz, den die Arizona Coyotes innehaben.

Bestätigt werden aber auch die Skeptiker, die vielen Trainern nachsagen, dass sie zwar kurz- oder im Idealfall mittelfristigen Erfolg bringen können, aber das Talent und die Fähigkeit, langfristig über Jahre hinweg eine Mannschaft zum Siegen zu führen und das Beste aus 20 und mehr Individualisten herauszuholen, ist nur sehr wenigen gegönnt.

Joel Quenneville wird in diesem Zusammenhang häufig genannt, denn er hat in seinen zehn Jahren von 2008 bis 2018 bei den Chicago Blackhawks drei Mal in 2010, 2013 und 2015 den Stanley Cup gewinnen können. Er führte die Blackhawks gleich zu Beginn seiner Zeit erstmalig nach fünf vergeblichen Versuchen wieder in die Playoffs und anschließend weitere acht Spielzeiten in Folge. Doch nach dem Verpassen der Playoffs 2018 und einem anschließend schlechten Saisonstart in 2018/19 riss der Geduldsfaden des Managements sehr schnell. Gebracht hat es bisher wenig, denn Chicago kam auch unter Nachfolger Jeremy Colliton 2019 nicht in die Endrunde und bleibt selbst diese Saison hinter den Möglichkeiten, so dass eine Besserung fraglich ist.  

Doch auch Quenneville hatte zuvor eine Station, an der es eben nicht geklappt hatte. Mit der Colorado Avalanche konnte er zwar in seinen drei Jahren zwei Mal die zweite Runde der Playoffs erreichen, doch dann war für ihn Endstation. Allerdings steht für ihn insgesamt die beeindruckende Statistik, dass er mit seinen Teams St. Louis Blues (1996-2004), Colorado (2005-2008) und Chicago (2008-2018) in 20 Jahren 18 Mal die Playoffs erreichte. Vielleicht kann er dieses gute Ergebnis mit seinem neuen Team Florida Panthers weiter ausbauen?

Auch die in dieser Saison entlassenen Mike Babcock (Toronto Maple Leafs), DeBoer (San Jose Sharks), Peter Laviolette (Nashville Predators), John Hynes (New Jersey Devils), und Gallant hatten mit ihren Teams Erfolge gefeiert. Alle haben mindestens einmal den Playoff-Einzug gefeiert und drei haben ihre Mannschaften in das Stanley Cup Finale geführt. Babcock (351), DeBoer (361), Laviolette (451), Hynes (354) und Gallant (213) waren im Durchschnitt 346 Spiele an der Macht, eine Zahl, die nur drei aktive Trainer übertreffen: Cooper (554), Maurice (492) und Julien (395).

Letzterer muss sich am ehesten Sorgen machen, dass er das nächste Opfer sein könnte, nachdem derzeit besonders ansprechende Konkurrenz auf dem Markt verfügbar ist. Seine Canadiens drohen im dritten Jahr hintereinander unter Juliens Führung die Playoffs zu verpassen. Ein Gau für die erfolgsverwöhnten Kanadier. Er wäre das nächste prominente Beispiel, das letztendlich beweist, nur Erfolge zählen. Meist ist der Trainer schuld, aber selten fehlt den vom General Manager geholten Spielern die Qualität.

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