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Landeskoging – letzter Schrei in Colorado

von Adam Kimelman / NHL.com

Dank der sozialen Medien ist ein neuer Hype entstanden, der sich um einen jungen Profisportler aus Denver dreht und jeden Tag populärer wird. Diesmal hat es nichts mit Tim Tebow zu tun.

Fans in der ganzen Mile High City frönen dem letzten Schrei: Landeskoging.

"Ich finde das ziemlich witzig", so der Verursacher des Hypes, der Rookie der Colorado Avalanche, Gabriel Landeskog, gegenüber NHL.com. "So zeigen unsere Fans, wie innovativ sie beim Erfinden lustiger Dinge und wie involviert sie sind. Das ist echt zum Totlachen. Denver ist dank der Fans, den sozialen Medien und seines Umfelds eine großartige Sportstadt."

Landeskog sagte, dass die Pose – Gesicht nach unten auf dem Eis, Beine in den Knien angewinkelt und Hände schützend vor dem Gesicht zu Fäusten geballt – zufällig entstanden ist.

Wie ist es dazu gekommen: Am 12. März beim Spiel gegen die Anaheim Ducks war zunächst seine Aufstellung aufgrund einer Grippeinfektion gefährdet. In der Nachspielzeit hielt Landeskog einen Angriff der Ducks in deren eigenem Drittel auf, bekam den Puck von seinem Mitspieler Matt Hunwick zurück, skatete in den linken Bullykreis und feuerte einen Schlagschuss ab, der vom Goalie der Ducks, Jonas Hiller, nicht gehalten werden konnte und den Avs einen 3:2-Sieg bescherte.

"Ich hatte einfach keine Kraft mehr", so Landeskog. "Als ich dann das Tor erzielt hatte, war ich so erleichtert, dass ich aufs Eis niedersank. Einer der Fans fotografierte diesen Moment und entwarf hierfür den Begriff "Landeskoging" als das neue Tebowing."

Landeskog gefiel dieses Bild so gut, dass er seine 22.000-köpfige Twitter-Fangemeinde aufforderte, ihm die besten Landeskoging-Bilder zu zusenden.

"Eines davon zeigte Landeskoging auf einem Pferd, ziemlich beeindruckend", so Landeskog. "Und ein anderes, bei dem die Hälfte eines Körpers in einem Trockner war, aus dem nur die Beine heraus schauten, war auch ganz witzig. Einige Aufnahmen waren echt kreativ. Einige wurden auf dem Eis anderer Hallen geschossen oder auf dem Boden diverser Räume. Das hat echt Spaß gemacht, diese ganzen Bilder durchzusehen."

Die Teamkameraden von Landeskog wurden von diesem Hype noch nicht angesteckt, aber es war in der Umkleidekabine zu merken, dass sie genau wissen, worum es geht.

"Die haben's mir ganz schön gezeigt. Auf witzige Weise natürlich", so Landeskog.

Neben dem Spaß an der Pose war aber vor allem eines das Wichtigste: die zwei Punkte, die Denver unbedingt brauchte, um sich die Chancen auf einen der Playoffplätze in der Western Conference zu bewahren.

Mit fünf Siegen in den letzten sieben Spielen sind die Avs nun Achter der Konferenz und mit 81 Zählern punktgleich mit dem Siebten, den Phoenix Coyotes. Allerdings lauern direkt dahinter mit nur einem Punkt Abstand San Jose, Calgary und Los Angeles.

Trotz dieser knappen Konstellation in der Western Conference meint Landeskog, dass er nicht jeden Tag auf die Tabelle schaut.

"Nein, überhaupt nicht", sagte er. "Da bin ich nicht der Typ für. Die Tabelle schaue ich mir nur auf dem Weg ins Stadion an. ... Ich bin mir sicher, dass einige Jungs jede Veränderung akribisch verfolgen, mit Sicherheit die Trainer und ein paar andere Leute ... aber das ändert nichts an unserer Spielstrategie. Von jetzt an müssen wir jede Partie gewinnen und so viele Punkte mitnehmen wie möglich. Das ist unser Ziel, nämlich jedes Spiel zu gewinnen. Einzig und allein das bringt uns voran."

Landeskog bemüht sich intensiv darum, sein Team so weit wie möglich nach vorne zu bringen. Der 19-jährige linke Flügelspieler, 2011 als Zweiter gedraftet, führt die Torstatistik der Avalanche mit 20 Treffern an und ist mit 46 Scorerpunkten zweitbester Akteur im Team. Mit Plus-19 hat er die beste +/-Statistik des Teams inne. Bei  allen 72 Partien, die er bestritt, bekam er durchschnittlich 18:28 Minuten Eiszeit und belegt damit Rang drei unter den Stürmern.

Obendrein ist er der beste Rookie-Torschütze der Liga, gleichauf mit Adam Henrique von den New Jersey Devils. Bei der Plus/Minus-Bewertung, den Powerplaytoren und als Schütze von spielentscheidenden Treffern belegt er Platz Zwei. Kein anderer Rookie-Stürmer bekam mehr Eiszeit als Landeskog. Durch diese statistischen Fakten zählt er als aussichtsreicher Kandidat für den Gewinn der Calder Trophy.

Landeskog gab jedoch an, diese Spekulationen vorerst zu ignorieren.

"Es ist nicht leicht, das auszublenden", sagte er. "Uns bleiben noch neun Spiele, um uns einen Playoffplatz zu sichern. Das steht im Vordergrund. ... Ich möchte am Saisonende auf Erfolge zurückblicken können, und dabei geht es vornehmlich um die Playoffs. Das ist unser Hauptziel als Team und auch mein individuelles. Wir wollen in die Playoffs einziehen und möglichst lange um den Titel mitkämpfen. Das ist uns am Wichtigsten."

Diese Einstellung hat Landeskog bei seinen Mitspielern schnell beliebt gemacht.

"Er ist eigentlich ein Rookie, spielt auf dem Eis aber wie ein alter Hase" so Verteidiger Shane O'Brien gegenüber NHL.com. "Er agiert wie ein erfahrener Spieler. Mit ihm haben wir ganz sicher einen guten Fang gemacht."

"Er ist so ein toller Typ. Kam als Neuling, konnte auftrumpfen und arbeitet noch immer hart an sich. Der lässt sich den Erfolg überhaupt nicht zu Kopf steigen", sagte Linemate Ryan O'Reilly zu NHL.com. "Das ist riesig und hilft dem Team enorm. Er hat die ganze Saison über phänomenal gespielt."

Nach eigener Aussage verdankt Landeskog den Großteil seines Erfolges in dieser Saison O'Reilly, dem besten Scorer des Teams.

"Wir sind zwei Männer, die hart arbeiten und immer versuchen, besser als unsere Gegner zu sein", sagte Landeskog. "Wir waren in der glücklichen Situation, bereits seit dem Trainingslager mit Ausnahme von zwei Partien immer zusammengespielt zu haben. Das war toll für uns beide und hat echt viel Spaß gemacht. Wir bemühen uns, durch Spaß am Spiel erfolgreich zu sein. Wir sind beide noch jung und haben nichts zu verlieren. Gehen einfach raus auf das Eis, stellen uns dem Gegner und schauen, wie weit wir kommen."

Es ist kein Zufall, dass Landeskog und O'Reilly auf einer Wellenlänge sind, da sich ihre sportlichen Biographien ähneln: Beide waren Stars in der Ontario Hockey League und wurden dann mit 18 Jahren auf einen der vorderen Plätze in die NHL gedraftet.

"Sportlich ist unsere Karriere fast gleich verlaufen", so Landeskog. "Aber O'Reilly ist mental weiter als ich, allein wie er sich auf und abseits des Eises bewegt, wie er sich auf die Spiele vorbereitet und all solche Dinge. Ich bewundere ihn und schaue zu ihm auf, und das obwohl er nur zwei Jahre älter ist als ich. Für mich ist er eine Art Mentor."

O'Reilly hat sich auch beratend zu der ganzen Landeskoging-Sache geäußert.

"Wir haben es am nächsten Tag nach seinem Tor auf Twitter gesehen. Die Jungs hatten ihren Spaß mit Landy", so O'Reilly. "Das war schon echt komisch, wie er nach dem Treffer zu Boden ging. Ein paar der Jungs meinten sogar, er solle das von nun an bei jedem Tor machen, aber ich weiß nicht, ob er das tut, denn solch ein Vorsatz stört doch ein wenig die Konzentration."

Landeskog ist ebenfalls der Meinung, dass die Fans das ruhig machen könnten, aber von ihm keine Wiederholungen erwarten sollten.

"Es war ja nicht so, dass ich das absichtlich gemacht habe", sagte er. "Alle wollten, dass ich das auch beim nächsten Spiel in Buffalo praktiziere."

Sollte er jedoch den entscheidenden Treffer erzielen, das den Avs einen Playoff-Platz sichert, dann...

"Man weiß ja nie", sagte er. "Bei so einem wichtigen Tor überlege ich mir das nochmal. Versprechen kann ich jedoch nichts."
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