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Kris Russell traf mitten ins Herz der Canucks

NHL.com @NHL

Sportbegeisterte Kanadier lieben Lacrosse, lieben Curling und sie lieben vor allem eines - Eishockey! Die Stanley Cup Playoffs gelten im Mutterland des Eishockeys als fünfte Jahreszeit.

Mittlerweile liegt der letzte Titelgewinn eines kanadischen NHL-Teams 22 Jahre zurück: Die Montreal Canadiens holten sich 1993 den begehrten Cup. Seitdem erreichten die Calgary Flames (2004), die Edmonton Oilers (2006), die Ottawa Senators (2007) und die Vancouver Canucks (2011) ein Stanley Cup Finale. Der große Wurf, den Stanley Cup 'nach Hause' zu bringen, blieb ihnen jedoch verwehrt.

Im vergangenen Jahr qualifizierten sich die Canadiens als einzige kanadische Mannschaft für die Playoffs, doch in diesem Jahr schicken sich gleich vier Franchises an, die Eishockeynation ins Playofffieber zu versetzen. Pikanterweise kommt es sowohl in der Eastern, wie auch in der Western Conference bereits in der ersten Playoffrunde zu innerkanadischen Derbys.

Auch wenn man aus europäischer Sicht, angesichts von 676 Kilometern Luftlinie, die Vancouver und Calgary trennen, kaum von einer räumlichen Nähe sprechen kann, die Rivalität zwischen beiden Teams ist ebenso groß, wie die zwischen den Canadiens und Senators.

Bereits beim ersten Aufeinandertreffen heute Nacht brannte die Luft - auf den Rängen und auf dem Eis.

In der Rogers Arena von Vancouver sahen die gastgebenden Canucks lange Zeit wie der Sieger aus.

Sie hatten deutlich mehr Spielanteile als die Flames und sie kontrollierten über weite Strecken das Spiel. Die Flames hatten es vor allem ihrem Schweizer Torhüter Jonas Hiller zu verdanken, dass sie zur Mitte des dritten Drittels nur mit 0-1 zurücklagen. Schon in der regulären Saison traten die Flames häufig so auf, als gäbe es für sie nichts zu verlieren.

Auch von Rückschlägen ließ sich die junge Truppe von Headcoach Bob Hartley nicht aus der Bahn werfen und sicherte sich mit dieser kämpferischen Einstellung überraschend einen Playoffplatz.

Hätten die Canucks nicht gewarnt sein müssen? Die Flames holten in 41 Prozent ihrer 34 Spiele, in denen sie zur zweiten Drittelpause zurücklagen, noch mindestens einen Punkt, zehn Partien davon gewannen sie sogar. Heute Nacht profitierten die Flames von zwei Unachtsamkeiten der Canucks:

Beim 1-1 Ausgleichstreffer schafften es Verteidiger Yannick Weber und Radim Vrbata nicht den Puck aus der Gefahrenzone zu bringen, die Scheibe kam wieder zurück ins Drittel und David Jones schloss mit einem sehenswerten Schuss ins obere Toreck ab. Mitten ins Herz der Canucks traf schließlich Kris Russell.

Auf dem Videowürfel standen noch 29,6 Sekunden, als Jannik Hansen den Verteidiger der Flames aus den Augen verlor und dieser kurz hinter der blauen Linie abzog. Durch Freund und Feind hindurch fand die schwarze Hartgummischeibe auch noch den Weg an Schlussmann Eddie Lack vorbei ins Tor.

Damit ist den Gästen erneut ein Comeback im dritten Drittel gelungen!

Ein sichtlich frustrierter Hansen gab sich nach der Partie kämpferisch:

"Wenn wir ein Tor mehr geschossen hätten, dann hätten wir das Spiel in der Tasche gehabt. Wir sind aber auch nicht davon ausgegangen, dass wir diese Serie in vier Spielen gewinnen werden. Ob sie nun Rookies sind oder erfahren, sie sind gute Eishockeyspieler und sie sind ein gutes Team, mit dem wir heute mehr als nur mithalten konnten. Eine Niederlage ist nicht schön, doch es war nur die erste Partie."

Für sieben Stürmer der Flames war es sogar die erste NHL-Playoffpartie in ihrer noch jungen Karriere. Zwei hiervon, der 18 Jahre junge Sam Bennett und der 22-jährige Michael Ferland, bekamen ein Sonderlob ihres Trainers:

"Er [Bennett] hat mich wirklich beeindruckt. Wir wussten, dass der Junge Mumm hat, aber was er heute auf dem Eis gezeigt hat, das war phantastisch. Er ist ein klasse Schlittschuhläufer und er ist ein mutiger Spieler. Er ist wie für die Playoffs gemacht."

Auch von Ferlands Leistung war Hartley angetan:

"Er hat ein Kämpferherz. Er hat alles aus sich herausgeholt, wenn er auf dem Eis stand und er ging auch dahin, wo es weh tut."

Die jungen Stürmer der Flames belohnten sich für ihre klasse Vorstellung selbst durch die ersten Playoff-Assists in ihrer NHL-Karriere. Wir können uns sicher sein, dass wir auch in den nächsten Playoffpartien noch viel Positives von ihnen sehen und hören werden. Freuen wir uns auf Spiel 2, das in der Nacht von Freitag auf Samstag erneut in der Rogers Arena ausgetragen wird!

Bei den Canucks heißt es bis dahin die Wunden zu lecken, die nicht nur wegen des späten Treffers von Russell, tief sind:

Seit dem fünften Spiel des Stanley Cup Finals 2011 gegen Boston, hat Vancouver sieben Playoff-Heimpartien in Folge verloren.

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