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Nun streben sie nach oben

Die Kräfteverhältnisse dürften sich nach den NHL Drafts und Spielertransfers verändert haben

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Obwohl die Free Agent Periode, in der die Verhandlungen jener Spieler beginnen, deren Verträge am 1. Juli auslaufen werden, noch gar nicht richtig begonnen hat, zeichnet sich schon jetzt, nachdem der NHL Draft an diesem Wochenende abgehalten wurde, ab, dass manches der 30 NHL-Teams aus der Vorsaison in der kommenden Spielzeit und den folgenden Jahren eine andere Rolle einnehmen wird als in der vergangenen Saison.

Die Vegas Golden Knights trugen während des Expansion Drafts am vergangenen Mittwoch, bei dem sie von jeder bestehenden Franchise einen Spieler auswählen konnten, und durch diverse Trades, wodurch sie sich reichlich Draft Picks sichern konnten, das Ihrige dazu bei die NHL-Landschaft zu verändern.

Die neue in Las Vegas beheimatete Franchise wird 2017/18 als achtes Team in der Pacific Division antreten und könnte das Zünglein an der Waage spielen, wenn es für die anderen sieben darum geht sich einen Playoffplatz zu ergattern. Es ist nicht zu erwarten, dass sich die neuformierte Mannschaft umgehend für die Playoffs qualifizieren wird, alles andere als ein letzter oder vorletzter Platz in der engen Division wäre schon eine Überraschung, doch es ist davon auszugehen, dass sie ihre Chance in jedem Spiel suchen werden. Der ein oder andere Punkt den sie einfahren werden, könnte ihren Gegnern in der Endabrechnung teuer zu stehen bekommen.

Mittelfristig sieht die Zukunft der Golden Knights schon wesentlich goldener aus. Beim NHL Draft 2017, der am vergangenen Wochenende im United Center von Chicago stattfand, kam Vegas insgesamt zwölfmal, dreimal alleine in der ersten Draftrunde zum Zuge. Ihre Chancen stehen nicht schlecht, dass die von ihnen ausgewählten Nachwuchstalente spätestens in zwei, drei Jahren in der NHL Fuß fassen werden. Laut quanthockey.com schafften 86,67% der Draft Picks von 2014 den Sprung in die Liga, von 2015 waren es 80% und vom Draft des vergangenen Jahres waren es immerhin auch schon 30 Prozent der frisch Ausgewählten, die in der Spielzeit 2016/17 zum Einsatz kamen. Warum sollten nicht Center Cody Glass, Vegas Draft Pick Nr.6, oder ein Nick Suzuki, Draft Pick Nr.13, schon für die kommende Spielzeit   bereit sein. Spätestens in zwei Jahren dürfte auch der schwedische Verteidiger Erik Brannstron, Vegas Draft Pick Nr. 15, NHL-Luft geschnuppert haben.

An der Spitze der Pacific Division wird für die drei kalifornischen Franchises, die Anaheim Ducks, San Jose Sharks und Los Angeles Kings die Luft noch dünner werden, denn die junge Mannschaft der Edmonton Oilers, angeführt von dem frisch gekürten Hart Trophy Gewinner Connor McDavid sowie dem deutschen Ausnahmestürmer Leon Draisaitl, wird die Erfahrungen aus der vergangenen Saison, als sie zum ersten Mal seit elf Jahren wieder in die Stanley Cup Playoffs einziehen konnten, in die neue Saison mitnehmen können und weiter gereift sein, während zum Beispiel die Topspieler der Sharks und Ducks langsam aber sicher in die Jahre kommen. Fünf der sechs Topscorer der Sharks aus 2016/17 sind mindestens 32 Jahre alt und bei den Ducks haben ihre drei punktbesten Stürmer bereits das 32. Lebensjahr überschritten.

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Ein Wörtchen üm die oberen Tabellenplätze möchte auch das Team von Tobias Rieder, die Arizona Coyotes, mitreden. Nachdem sie fünf Jahre in Folge die Playoffs verpasst hatten, entschied sich General Manager John Chayka für einen kräftigen Umbau. Die Coyotes trennten sich nicht nur von ihrem Cheftrainer sondern waren in der vergangenen Woche eine der aktivsten Mannschaften auf dem Transfermarkt. Mit Verteidiger Niklas Hjalmarsson von den Chicago Blackhawks und Stürmer Derek Stepan sowie Torwart Antti Raanta von den New York Rangers verpflichteten die Coyotes drei gestandene NHL-Spieler, die sie schon im kommenden Jahr ihrem obersten Saisonziel Playoffteilnahme ein Stück näher bringen könnten.

Doch nicht nur in der Western Conference dürften sich die Kräfteverhältnisse verschieben. Die New Jersey Devils, in der vergangenen Saison Tabellenletzter der Metropolitan Division sicherten sich beim NHL Draft 2017 mit ihrem ersten Zugrecht die Dienste des Schweizer Centers Nico Hischier. Nach Linksaußen Taylor Hall, 25, haben die Devils nun einen zweiten jungen Nummer 1 Draft Pick in ihrem Kader. Hinzukommt, dass die Devils beim diesjährigen Draft weitere neun Mal zum Zuge kamen. Kyle Pamieri, zusammen mit Hall Devils bester Scorer in der vergangenen Saison, ist ebenfalls erst 26 Jahre alt. General Manager Ray Shero ist dabei in Newark eine schlagkräftige, wettbewerbsfähige Truppe aufzubauen, die bereits in der kommenden Saison manchem stärker eingeschätzten Rivalen das Leben schwer machen wird, eventuell sogar den Rangers, ihrem 'großen' Nachbarn aus Manhattan.

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Alles andere als eine Playoffqualifikation ihrer geliebten 'Blueshirts' käme im Big Apple nicht in Frage. Doch der Spagat zwischen Verjüngung der in den letzten Jahren so erfolgreichen Mannschaft und trotzdem mit den Spitzenteams in der Eastern Conference mithalten zu können, wird immer schwieriger. Wer wird in New York den Abgang eines Stepan ersetzen können? Werden wir in der kommenden Saison schon einen Lias Andersson, ihr Nummer 7 Draft Pick der ersten Runde 2017 oder einen Filip Chytil (1. Runde, Nr. 21) auf dem Eis des Madison Square Garden sehen? Wird der Abstand der Rangers auf die im letzten Jahr vor ihnen platzierten Teams aus Washington, Pittsburgh und Columbus noch weiter anwachsen?

Sowohl in der Western wie auch in der Eastern Conference wird die Schere zwischen den besseren Teams, die sich für die Playoffs qualifizieren konnten und den schlechter platzierten Mannschaften nicht weiter auseinandergehen. Keine Mannschaft, was sie auch immer in der Vergangenheit erreicht hat, hat ein Abonnement auf einen Spitzenplatz oder kann sich auf dem Erreichten ausruhen. Keine Veränderung oder Stillstand ist im Leistungssport häufig gleichbedeutend mit einem Rückschritt.

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