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Körperspiel und viele Checks als Markenzeichen der Playoffs

Die Teams lassen es in der ersten Runde auf dem Eis richtig krachen und die Gründe dafür sind vielschichtig

von Christian Göbel @NHLde / NHL.com/de Freier Autor

Wenn es in den Stanley Cup Playoffs um alles geht, dann werden die Spiele enger und umkämpfter. Besonders in Bezug auf die körperliche Spielweise zeigt sich genau das auch in der diesjährigen K.o.-Runde. Die harte Spielweise scheint ein Mittel zu sein, das die Mannschaften für die entscheidende Phase der Saison aufgespart haben. Gerade die vermeintlich technisch unterlegenen Teams versuchen durch Checks und Kampfgeist den Nachteil auszugleichen, den sie zu haben scheinen.

Schon die erste Playoff-Partie zwischen den Boston Bruins und den Washington Capitals am Samstag bot einen Vorgeschmack auf das, was im Titelkampf zu erwarten ist. Washington dominierte mit 51 Checks körperlich, doch auch Boston konnte die Kontrahenten 41 Mal in harte Zweikämpfe verwickeln. Nachdem im ersten Aufeinandertreffen die Duftmarken gesetzt wurden, verringerte sich die körperliche Spielweise im zweiten Match merklich. Washington setzte 36 Checks, Boston nur 30. Immer mit vorne dabei für die Capitals, wenn es um Checks geht ist Angreifer Michael Raffl. Der Österreicher setzte in den beiden Partien bisher zehn Hits und führt sein Team damit an.

Der Preis für die meisten Checks geht bislang an die New York Islanders, die im ersten Spiel gegen die Pittsburgh Penguins 72 Mal krachen ließen. Die Kontrahenten wussten mit 47 Hits nur wenig entgegenzusetzen und unterlagen, trotz ihrer Favoritenrolle, mit 3:4 nach Verlängerung. Bemerkenswert war besonders Leo Komarov, der 14 Checks austeilte und so die Verteidiger der Penguins immer wieder zu Fehlern zwang. Auch im Duell zwischen Islanders und Penguins verringerte sich der körperliche Anteil in der zweiten Partie. Zwar waren die Islanders mit 46 zu 37 Checks noch immer überlegen, konnten die Penguins jedoch nicht mehr so unter Druck setzen. Im Ergebnis sorgte Pittsburgh mit dem 2:1-Erfolg für den Ausgleich in der Serie.

Mike Sullivan beschrieb den Druck durch die anfliegenden Forechecker sehr deutlich und erklärte, dass der erste Pass dadurch eine größere Bedeutung bekommt. Dadurch erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit die eigene Zone mit kontrolliertem Puckbesitz zu verlassen. Gerade im zweiten Spiel sei das seinem Team durch gute Zusammenarbeit gelungen.

Besonders hart ging es bislang zwischen den Vegas Golden Knights und den Minnesota Wild zugange. Mit den Wild und den Golden Knights stehen sich zwei der vier Mannschaften gegenüber, die im Playoff-Schnitt über 50 Checks pro Partie austeilen. In beiden Duellen ging am Ende das Franchise als Sieger hervor, das auch körperlich überlegen war. Am Sonntag entschied Minnesota das erste Match mit 1:0 nach Verlängerung für sich und verbuchte 71 Checks, 14 mehr als die Golden Knights. Am Dienstag drehte das Team aus Vegas die Statistik zu seinen Gunsten und setzten 63 Hits, gegenüber 46 der Wild. Mit dem daraus resultierenden 3:1-Sieg glich Vegas die Serie aus.

Für Dean Evason, den Trainer der Wild, war das harte Matchup zwischen seiner Mannschaft und den Golden Knights zu erwarten. "Sie sind ein zähes Team, genau wie wir. Wir wollen alle Checks zu Ende fahren. Es macht keinen Unterschied, ob es das erste Spiel der regulären Saison ist oder ein Playoff-Match", erklärte Evason. Die Aussage überrascht doch etwas, da die Wild in der regulären Saison mit 969 Checks die drittwenigsten der Liga austeilten. Spitzenreiter in der Kategorie waren die Montreal Canadiens, die am Donnerstag in die Playoffs starten, mit 1585 Hits.  

Mehr über die spielerische Klasse versuchen die amtierenden Titelträger, die Tampa Bay Lightning, ihre Playoff-Spiele zu gewinnen. Der Erfolg gegen die Florida Panthers zeigt sich in einer 2:0-Serienführung. Mit Nikita Kucherov und Steven Stamkos kamen für die Lightning, pünktlich zu Playoff-Beginn, zwei wichtige Leistungsträger zurück. Beide sorgten mit Punkten für die richtigen Resultate. Im zweiten Match gegen Florida verteilte Stamkos sogar fünf Checks und konnte war damit nicht unerheblich an den 42 Hits seiner Farben beteiligt.

Im anderen Duell der Discover Central Teams konnten sich die Carolina Hurricanes in Spiel 1 gegen die Nashville Predators durchsetzen. Auch Carolina verschaffte sich durch eine harte Spielweise den entscheidenden Raum beim 5:2-Erfolg. Besonders Warren Foegele war in die aus den 56 Hurricanes-Hits entstehenden Scharmützel häufig involviert. "Ich versuche hart zu spielen", beschrieb er seine Zielsetzung in der Partie. "Wir stehen füreinander ein."

Die Gründe für die größere Anzahl an Checks sind, da ist sich Jon Cooper, der Trainer der Lightning, sicher, vielschichtig. Zum einen sei durch die Rückkehr der Fans in die Arenen die Intensität gestiegen. Er sei sich zudem sehr sicher, auch wenn ihm keine Statistiken dazu vorlägen, dass das besonders im ersten Drittel der Partien einen Effekt habe. Ein weiterer Grund für den Chefstrategen ist der Fakt, dass sich die Mannschaften nach den vielen Aufeinandertreffen in der regulären Saison umso besser kennen. "Die Team haben sich in dieser Spielzeit viel öfter gegenübergestanden. Wir haben immer gegen die gleichen sieben Mannschaften gespielt. Wenn man gegen einen unbekannten Gegner antritt, dann erwartet man andere Dinge und agiert dadurch etwas passiver, um ein Gefühl für das Match zu bekommen."

Gerade nach einer verkürzten Saison scheint es auch so, als ob die Akteure noch viel Energie haben, die sie jetzt in den Playoffs aufs Eis bringen wollen. Durch die Entwicklung stellt sich die Frage, ob die physische Spielweise ein entscheidender Faktor sein könnte. Auch für den Vorrunden-Sieger, die Colorado-Avalanche, dürfte das die entscheidende Frage sein. Mit nur 16 Checks stellen sie bislang den Negativwert in den Playoffs und müssen noch beweisen, dass sie auch gegen härtere Teams als die St. Louis Blues (21 Checks) bestehen könnten.

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