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Knapp die Sensation verpasst

von Bernd Roesch / NHL.com

Nach acht Jahren Wartezeit war es von Ende August bis Mitte September 2004 endlich wieder einmal so weit:

Die damals sieben stärksten Eishockeynationen der Welt plus die DEB-Auswahl, die über eine Wildcard teilnehmen durfte, schickten ihre besten Akteure aufs Eis um 14 Tage lang beim zweiten World Cup of Hockey den Champion zu ermitteln.

Selbstverständlich wurde auch bei diesem Turnier nach NHL-Regeln gespielt.

Es gab eine Nordamerika- und eine Europa-Gruppe mit jeweils vier Mannschaften. Die deutsche Nationalmannschaft befand sich als krasser Außenseiter in der Europa-Gruppe zusammen mit den Schweden, Tschechen und den Finnen, von denen noch zu reden sein wird.

Beim 96er World Cup of Hockey war den Deutschen in der Gruppenphase noch ein Paukenschlag gelungen, als sie in Garmisch-Partenkirchen das tschechische Team, das mit allen seinen NHL-Cracks angetreten war, 7-1 bezwingen konnten. 2004 sollte ihnen ein solches Kunststück verwehrt bleiben. Einer 2-5 (1-1/1-4/0-0) Niederlage im Globen von Stockholm folgte ein 0-3 (0-1/0-1/0-1) gegen Finnland in der mit knapp 13000 Zuschauern gut gefüllten Köln Arena.

Der damalige deutsche Nationaltrainer Franz Reindl zeigte sich zufrieden mit der Vorstellung seiner Mannschaft:

"Ich muss meinen Spielern trotz der Niederlage ein großes Kompliment aussprechen. Es hat mir sehr gut gefallen, wie sich die Jungs reingekniet haben. Wenn man aber kein Tor erzielt und selbst ein 5 gegen 3 Überzahlspiel nicht nutzen kann, dann darf man sich am Ende nicht beschweren."

Der Spielmodus, nach dem der Gruppenvierte auf den Gruppenersten im Viertelfinale erneut traf, machte es möglich, dass die Deutschen die Chance auf eine Revanche bekamen. Nach der deutlichen 2-7 (0-0/0-5/2-2) Schlappe in der Sazkia Arena von Prag belegte Deutschland ohne Punktgewinn den vierten Platz in der Europa-Gruppe.

Finnland beendete die Gruppenphase punktgleich mit den Schweden als Tabellenerster.

In der Hartwall Arena von Helsinki galt das DEB-Team als krasser Außenseiter.

Die Deutschen präsentierten sich, wie vier Tage zuvor in Köln, auch in der finnischen Hauptstadt defensiv gut eingestellt. Sie machten geschickt die Räume eng und ließen die spielerisch wesentlich stärker einzuschätzenden Gastgeber ideenlos aussehen. Dementsprechend ging es mit einem torlosen Unentschieden in die erste Drittelpause. Nach Wiederbeginn hatten die deutschen Gäste eine Drangperiode in der Klaus Kathan, Daniel Kreutzer und Marco Sturm den finnischen Schlussmann Miikka Kiprusoff prüfen konnten.

Nach einer guten halben Stunde profitierte der Favorit von einem Powerplay und ging durch Niklas Hagman auf Vorarbeit von Sami Kapanen mit 1-0 in Front. Wer jetzt dachte, dass der Knoten bei den Hausherren geplatzt sei, sah sich getäuscht. Olaf Kolzig im Tor der Deutschen ließ sich bis zur zweiten Pause kein zweites Mal bezwingen.

Auch im Schlussabschnitt war kein Leistungsunterschied zu bemerken. Nur die mangelnde Effektivität bei Überzahl konnte man Reindls Truppe ankreiden. Als noch gut fünf Minuten auf der Uhr standen gelang dem deutschen NHL-Legionär Marco Sturm tatsächlich noch der Ausgleich. Von Marcel Goc in Szene gesetzt, kam Sturm von links auf das Tor zu und ließ bei seinem Schuss ins lange Eck Kiprusoff keine Abwehrchance.

Für die deutsche Auswahl sollte es aber kein Happy End geben, da 200 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit Mikko Eloranto einen Schlagschuss von Kimo Timmonen zum 2-1 abfälschen konnte.

Dieses Eishockeyspiel, von dem in Deutschland kaum noch jemand spricht und an das sich nur wenige Anhänger erinnern werden, hatte wieder einmal gezeigt wie nah im Sport Freud und Leid zusammen hängen. Es hat nicht viel gefehlt und Franz Reindl hätte anstatt der Finnen mit seinem Team die Reise nach Nordamerika antreten dürfen, wo im Xcel Energy Center von St. Paul und im Air Canada Centre von Toronto die Halbfinale ausgetragen wurden.

Finnland setzte sich im ersten Halbfinale gegen die USA mit 2-1 durch und lieferte sich schließlich am 14. September 2004 ein spannendes und knappes Finale gegen Team Canada, das mit 3-2 Toren, dank des Siegtreffers von Shane Doan in der ersten Minute des Schlussabschnitts, die Oberhand behielt und die heimischen Fans jubeln ließ.

Auch beim World Cup of Hockey 2016 wird Franz Reindl als Präsident des Team Europe mit von der Partie sein und wird sich, wie zwölf Jahre zuvor, "glücklich schätzen an einem Turnier mit Spielern einer solchen unglaublichen Qualität" teilnehmen zu können.

Freuen auch wir uns darauf!

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