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Anführer auf dem Eis und in der Kabine

Ein Kapitän muss in der NHL viele Eigenschaften auf sich vereinen, aber nicht unbedingt der beste Spieler sein

von Christian Treptow @NHLde / NHL.com/de Freier Autor

NHL.com/de beleuchtet jeden Dienstag der regulären Saison 2019/20 aktuelle Trends in der Liga und Storylines. In dieser Ausgabe geht es um die Kapitäne.

Es ist bei den Fans eine der wichtigsten Fragen rund um ein Eishockeyteam: Wer ist der Kapitän? Nun, in der Regel ist das kein Amt, das von Saison zu Saison neu vergeben werden muss. Denn Kapitäne genießen in der Regel so eine Art Bestandsschutz. Sie werden nicht einfach getradet. Es sei denn, sie wollen es. Doch was macht einen guten Kapitän aus? Was macht ihn so beliebt - bei Teamkollegen und Fans? Wie bekommt er den Respekt - von Trainer, Management und Gegnern?

Der Kapitän soll zunächst mal ein Vorbild sein, sowohl auf dem Eis als auch abseits davon. Ein Kapitän muss mit gutem Beispiel voran gehen. Er muss Selbstvertrauen haben und in kritischen Situationen Verantwortung übernehmen. Wenn es kurz vor Schluss. Unentschieden steht, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Trainer seinen Kapitän auf dem Eis haben will. Dort scheut er in der Regel keinen Zweikampf, geht dahin, wo es weh tut.

Nein, ein Kapitän muss nicht immer der beste Spieler eines Teams sein. Er muss in den Scoringlisten nicht zwingend ganz vorne stehen. Er muss ein Anführer sein - auf dem Eis und in der Umkleidekabine. Das Musterbeispiel eines solchen Spielertyps ist ohne Frage Steve Yzerman. Er hatte nicht umsonst Spitznamen wie "The Captain" oder "Captain Detroit". Er war 21 Jahre jung, als er 1986 zum ersten Mal das C auf der Brust seines rot-weißen Trikots der Detroit Red Wings trug. Bis zu seinem Rücktritt 2006 sollte er es nicht ablegen. Damals war er damit der am längsten amtierende Kapitän, und zwar bezogen auf alle vier großen Sportarten in den USA - American Football, Baseball, Basketball und Eishockey. "Er war das Gesicht der Detroit Red Wings in den vergangenen 20 Jahren und wird in Erinnerung bleiben als einer der besten Spieler und Anführer, die es jemals im Eishockeysport gab." Das sagte kein Geringerer als Wayne Gretzky über Yzerman, als dieser im Juli 2006 sein Karriereende bekanntgab.

Yzerman hinterließ natürlich ein schweres Erbe. Nicklas Lidstrom trat es an. Er war der erste in Europa geborene Kapitän, der sein Team zum Stanley Cup führte. Siebenmal gewann er die Norris Trophy als bester Verteidiger. Er war ein anderer Kapitän als Yzerman, aber er war genauso respektiert - bei Mitspielern, Gegnern und Schiedsrichtern gleichermaßen. 

Die Treue zu einer Franchise ist selbstverständlich einer der wichtigsten Faktoren, wenn es um das Amt des Kapitäns geht. Er soll das Gesicht der Franchise sein. Zdeno Chara ist zum Beispiel seit der Saison 2006/07 bei den Boston Bruins in der Verantwortung. Ein Jahr später übernahm Sidney Crosby bei den Pittsburgh Penguins das Amt. 2008/09 wurde Jonathan Toews Kapitän der Chicago Blackhawks. 2009/10 übernahm Alex Ovechkin die Rolle des Anführers bei den Washington Capitals. Sie alle sind auch heute noch in Amt und Würden. Und natürlich haben sie prominente Vorgänger. Die können zum einen Vorbilder sein. Allerdings können die alten Haudegen auch

eine Belastung sein. Denn in der Regel werfen sie immer noch einen langen Schatten. Es ist für den neuen Kapitän schwierig, aus diesem herauszutreten, eigene Akzente zu setzen. Wenn man an einen Kapitän bei den Boston Bruins denkt, fällt einem spontan zuerst Ray Bourque ein. 15 Jahre lang trug er das C, ist damit bis heute der am längsten amtierende Kapitän der Bruins. In jeder Spielzeit, die er für das Team aus Massachusetts auflief, erreichte er auch die Playoffs. Seinen einzigen Stanley Cup gewann er allerdings nicht mit den Bruins. Für zwei Spielzeiten wechselte er 2000 nach Denver. In seiner letzten Saison holte er mit den Colorado Avalanche noch den Cup. 
Womit man nahtlos zu einem weiteren großen Kapitän überleiten kann. Denn dieser nimmt traditionell aus den Händen des Comissioners den Stanley Cup in Empfang und stemmt ihn auch als erster Spieler seines Teams in die Höhe. Doch nach dem entscheidenden Sieg gegen die New Jersey Devils 2001 übergab Joe Sakic ohne Umschweife den Pokal an Bourque. 

1992 übernahm Sakic das Kapitänsamt bei den Quebec Nordiques. Er zog mit dem Team um nach Denver, gewann 1996 und 2001 den Stanley Cup und behielt das C des Kapitäns bis zu seinem Karriereende 2009. Und das, obwohl die Nordiques, respektive die Avalanche, in diesen 17 Jahren viele Anführer hatten, zum Beispiel Peter Forsberg. "Es ist eine Ehre, aber es ist auch eine große Verantwortung. Als Kapitän ist man irgendwie ein Mediator zwischen den Trainern und den Spielern. Man verbringt viel Zeit damit, Nachrichten in beide Richtungen zu übermitteln", beschrieb Sakic die Pflichten eines Kapitäns einmal. 

 

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Er betonte auch, dass kein Kapitän gleich sei. "Jeder hat seinen eigenen Stil. Ich habe immer versucht, ich selbst zu sein. Ich war eher der Typ, der mit gutem Beispiel vorangegangen ist", meinte Sakic. Eine gewisse Demut gehört also auch dazu, Kapitän eines Eishockeyteams zu sein. "Wenn sie einen zum Kapitän ernennen, machen sie das aus einem bestimmten Grund. Sie mögen es, wie man das Spiel angeht, was du beisteuerst", erläuterte Sakic.

Peter Chiarelli, 2006 General Manager der Boston Bruins, sagte damals zu der Ernennung von Zdeno Chara: "Er geht mit gutem Beispiel voran, auf dem Eis und abseits des Eises. Er hat den Respekt von jedem in der Umkleidekabine verdient. Er erkennt die Führungsqualitäten seiner zwei Stellvertreter und der anderen Spieler an. Und er erkennt, dass jeder Spieler Stärken hat, die er ins Spiel bringt. Und diese Stärken sind enorm wichtig für den Erfolg."

Ebenfalls zur Saison 2006/07 hätte auch Sidney Crosby Kapitän werden sollen - jedenfalls, wenn es nach dem Willen der Verantwortlichen bei den Pittsburgh Penguins gegangen wäre. Doch Crosby, der damals gerade seine Rookie-Saison absolviert hatte, lehnte das zu nächst ab. Ein Jahr später, mit der Hart Trophy und dem Lester B. Pearson Award in der Tasche, akzeptierte er das Angebot und ist seitdem der Anführer der Penguins. 

Das sind alles verschiedene Spielertypen. Doch gibt es den ultimativen Kapitän? Dem Ideal am nächsten kommt wohl Mark Messier. In Sachen Führungsqualitäten war er damals schon über jeden Zweifel erhaben. Messier war Kapitän bei gleich drei Teams: Vancouver Canucks, Edmonton Oilers und New York Rangers. Mit den Oilers und den Rangers gewann er den Stanley Cup. 1994 schoss er im Finale gegen die Vancouver Canucks das entscheidende Tor, das bei den Rangers eine 54 Jahre währende Durststrecke in Sachen Gewinn des Stanley Cups beendete.

Da war es fast schon logisch, dass die NHL einen Award nach Mark Messier benannte: den Mark Messier Leadership Award. Er wird dem Spieler verliehen, der eine herausragende Führungspersönlichkeit auf dem Eis und abseits des Eises ist. Der Award wurde in der Saison 2006/07 zunächst monatlich vergeben. Ab 2007 dann jährlich. Und unter den Preisträgern befinden sich einige namhafte.

Führungspersönlichkeiten, etwa Chris Chelios, Mats Sundin, Shane Doan, Jarome Iginla und Daniel Alfredsson. Es ist kein Zufall, dass viele der Preisträger auch Kapitäne bei ihren jeweiligen Teams waren. 

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