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Kanada will dritten Titel in Folge

Nach Goldmedaillen in 2015 und 2016 träumt das Mutterland des Eishockeys vom nächsten Turniersieg

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Vor nun ziemlich genau sieben Jahren brachte die deutsche Eishockeynationalmannschaft die Arena auf Schalke zum Beben. Vor 77.803 Zuschauern in der Heimspielstätte von Schalke 04 besiegte das Team vom damaligen Bundestrainer Uwe Krupp die haushohen Favoriten aus den Vereinigten Staaten. Die Eishockeyweltmeisterschaft 2010 in Deutschland avancierte zu einem wahren Sommermärchen.

"Es ist etwas ganz besonderes, erneut in Köln auf heimischem Eis zu spielen", freute sich Nationalspieler Justin Krüger in einem Interview mit der IIHF. "Die Fans waren beim letzten Mal großartig. Ich hoffe, sie werden alle wieder kommen. Die Fans haben uns sehr gut unterstützt und waren sehr laut. Das gab uns Energie und wir hatten auch abseits des Eises eine großartige Atmosphäre. Ich hoffe, dass uns ganz Deutschland unterstützen wird. Nicht nur im Fußball sondern auch ein Wenig im Eishockey."

Die deutsche Vertretung spielte sich in den folgenden WM-Wochen 2010 in einen wahren Rausch und erst im Halbfinale erreichte sie gegen Russland ihre persönliche Endstation. In der ausverkauften Lanxess Arena zu Köln machte Deutschland dem amtierenden Titelverteidiger das Leben mehr als nur schwer. Erst 1:50 Minuten vor dem Ende brach kein Geringerer als Pavel Datsyuk höchstpersönlich das 1-1 Unentschieden und besiegelte das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft.

Datsyuk war nicht der einzige Starstürmer der beim Turnier 2010 seine Visitenkarte abgab. Im Viertelfinale biss sich selbst die blutjunge Kanadische Vertretung am Eishockeyballett der Sbornaja ihre Zähne aus. Insgesamt konnte Kanada im Jahr 2010 nur drei von insgesamt sieben Spielen siegreich gestalten.

Doch für die nun bevorstehende Ausgabe der IIHF Eishockeyweltmeisterschaft der Herren sehen die Vorzeichen vollständig anders aus. Kanada ist der unangefochtene Topfavorit auf den Titel. Zweimal sammelte das von John Cooper gecoachte Team Weltmeisterschaftsgold in Serie. Nun soll die dritte goldene Medaille folgen.

Nur einen einzigen Test absolvierte Team Kanada im Vorfeld des Turniers und diesen meisterte es mit Bravour. Am Dienstag setzte Kanada in Genf mit einem 4-1 Sieg gegen die Schweizer Nati ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz.

Matt Duchene von den Colorado Avalanche, der übrigens bereits 2010 als 19-jähriger Jungspund an Bord war und sieben Punkte (vier Tore, drei Assists) sammelte, und Ryan O'Reilly von den Buffalo Sabres sind die einzigen Akteure des 22-Mann Aufgebots für die Vorrunde, die bei den beiden jüngsten Titelgewinnen mitwirkten.

General Manager Ron Hextal wählte für sein WM-Aufgebot ausschließlich Spieler aus der nordamerikanischen Eliteliga NHL aus. Kein anderes Team kann auf einen solchen Fundus von begabten Spielern zurückgreifen. Dennoch rechnet sich auch die Konkurrenz berechtigte Chancen auf dem begehrten Pokal aus.

Vor allem im Lager der USA ist man sich einig: Der erste WM-Titel seit 1960 soll endlich fällig sein.

Buffalo Sabres Stürmer Jack Eichel, der schon 2015 die Bronzemedaille holte, machte auf der Homepage von USA-Hockey deutlich: "Ich denke, wir sind alle hungrig, zu gewinnen und es uns selbst zu beweisen. Wir sind alle hochmotiviert und ich denke, das ist eine gute Sache."

Auch von den teilweise ernüchternden Resultaten der Vergangenheit ließ sich die Führung von Team USA nicht von ihrem Konzept abbringen und schickt erneut eines der jüngsten Teams überhaupt ins Rennen. 19 von 23 Spielern sind 25 Jahre oder jünger. Nur Detroit Red Wings Torhüter Jimmy Howard (33), sein Teamkollege Danny DeKeyser (27) und Islanders Stürmer Anders Lee (26) sind älter.

Doch auch wenn die USA auf den ersten Blick nicht über den Erfahrungsschatz eines potentiellen Titelanwärters verfügt, das Team ist trotz seines niedrigen Altersdurchschnitts erfahren und hochdekoriert. 19 Spieler sammelten zusammen 38 Medaillen (davon 19 goldene) für ein US-Nationalteam.

"Ich denke, es ist sehr wichtig für uns als junges Team, dass schon viele die USA bereits zuvor vertreten haben", sagte Eichel, der von 2012 bis 2014 im U.S. National Team Development Program war. "Wir sind alle sehr stolz darauf, dieses Trikot überzustreifen."

Doch nicht nur die USA, die am Freitag zur Primetime um 20:15 gegen die deutsche Nationalmannschaft ins Turnier starten wird, rüttelt am Thron von Team Kanada.

Mit beispielsweise David Pastrnak (Tschechische Republik), William Nylander (Schweden), Nikita Kucherov (Russland) oder Jesse Puljujarvi (Finnland) ist auch die Konkurrenz mit hervorragenden Jungspielern besetzt.

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