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Josi wie einst im Wilden Westen

Suche nach neuem kongenialen Partner gestaltet sich schwierig - Lob für Matt Irwin

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

Roman Josi dürfte sich derzeit in Nashville manchmal in den Wilden Westen zurückversetzt fühlen. Wenn damals einem Sheriff sein Deputy oder einem Cowboy sein Pferd abhanden kam, gerieten sie oft in essenzielle Schwierigkeiten.

Dem Schweizer geht es genauso. Seit sein kongenialer Partner Shea Weber bei den Predators nicht mehr an seiner Seite steht, ist Josi nicht mehr derselbe Verteidiger der vergangenen Jahre.

Die gesamte Spielzeit ist ein einziges Auf und Ab. Zuletzt lief es wieder unbefriedigend für den Zuarbeiter vom Dienst. Nur zwei Punkte aus den letzten acht Begegnungen und ein Wert von -3 in der Plus/Minus-Statistik der letzten drei Partien standen für ihn vor dem Match gegen die New Jersey Devils zu Buche. Das ist nicht der Anspruch, den Josi an sich selbst stellt. In der vergangenen Saison hatte er nach 81 Hauptrunden-Matches mit 61 Punkten (14 Tore, 47 Vorlagen) eine neue persönliche NHL-Bestleistung aufgestellt. Den besten Plus/Minus-Wert hatte er ein Jahr davor mit +15 erzielt, ebenfalls nach 81 Einsätzen.

Während Weber bei den Montreal Canadiens wie gewohnt auftrumpft, blieb der für ihn im Tausch gekommene P.K. Subban bei den Predators bislang hinter den hohen Erwartungen zurück. Als Partner an der Seite von Josi funktionierte er überhaupt nicht. Die deutsche NHL-Legende Uwe Krupp erläuterte vor kurzem gegenüber NHL.com/de, warum die beiden Superstars nicht miteinander harmonieren. "Subban und Josi sind von den Spielanlagen her zu ähnlich. Außerdem haben sie die gleichen Stärken und Schwächen. Josi scheint mir am besten aufgehoben neben einem gradlinigen und harten Verteidiger." Sein Defensivverhalten basiert laut Krupp auf einem starken Stellungsspiel ohne besondere körperliche Präsenz. "Weber war die perfekte Ergänzung für Josi: hart, kompromiss- und schnörkellos, mit einem guten ersten Pass und einem gewaltigen Schuss von der blauen Linie ausgestattet", sagte der ehemalige deutsche Nationaltrainer weiter. Er sieht Josis Qualitäten eindeutig im Spiel nach vorne.

Video: COL@NSH: Josi trifft nach Johansens Vorlage

Welche unzertrennliche Einheit Weber und Josi bei den Predators bildeten, verdeutlicht folgender Fakt: Von 2010 bis 2016 standen sie über 75 Stunden als Verteidiger-Duo auf dem Eis, Unter- und Überzahlspiele nicht eingerechnet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Routinier Weber großen Anteil am Aufstieg eines Partners Josi zu einem der besten Verteidiger der NHL hatte. Der Schweizer räumt freimütig ein, dass ihm sein alter Nebenmann fehlt - nicht nur als Sportkamerad. "Wir haben auf vielen Ebenen harmoniert, auch abseits des Eises. Gerade deswegen war Shea wichtig für meine Entwicklung. Er war wie ein großer Bruder für mich", sagte der gebürtige Berner. Man müsse Weber nur beobachten, um besser zu werden. Er sei ein Spieler mit unglaublichen Führungsqualitäten, vor dem jeder Respekt habe - in jeder Hinsicht ein Vorbild eben.

Doch Josi möchte sich nicht länger mit der Trauerarbeit aufhalten, sondern blickt nach vorne. In den vergangenen Partien bildete er mit Ryan Ellis das Top-Defensivpaar. Vorausgegangen waren einige Experimente von Predators-Coach Peter Laviolette. Insgesamt vier verschiedene Akteure stellte er Josi an die Seite.

Einer davon war Matt Irwin. Der Kanadier war im Sommer nach seinem Vertragsende bei den Boston Bruins als Free Agent zu den Predators gestoßen. Zunächst kam er beim Farmteam der Franchise, den Milwaukee Admirals, zum Einsatz. Noch im Oktober beorderte ihn die sportliche Leitung nach Nashville, wo er mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machte.

Das findet auch Josi, der den 29-Jährigen in den höchsten Tönen lobt. "Seit er hochgezogen wurde, hat er einen tollen Job gemacht. Er ist ein cleverer Bursche, spricht viel und setzt sowohl defensiv als auch offensiv Akzente. Es macht Spaß mit ihm zu spielen", sagte der Schweizer in dieser Woche einem Reporter. Man konnte beinahe den Eindruck gewinnen, als handele es sich bei dieser Aussage um den berühmten Wink mit dem Zaunpfahl. So als habe da jemand einen neuen dicken Freund gefunden -wie mancher Sheriff oder Cowboy früher im Wilden Westen nach einem herben Verlust.

 

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