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Josi und seine Predators vor Spiel 4

von Bernd Roesch / NHL.com

Die Nashville Predators liegen nach drei Spielen in der ersten Playoffrunde gegen die Chicago Blackhawks mit 1-2 im Hintertreffen, und das, obwohl sie in allen drei Partien mehr Torschüsse für sich verbuchen konnten als ihr Gegner. Vor dem dritten Aufeinandertreffen stellte sich die Frage, ob es ihnen gelingen wird den Ausfall ihres Kapitäns Shea Weber zu kompensieren. Er hatte sich in Spiel 2 verletzt und war erst gar nicht die Reise nach Chicago angetreten. Nach Spiel 3, das sie im United Center mit 2-4 verloren, lautete die Antwort erneut Nein. Weber verpasste in den letzten zwei Jahren nur acht Spiele für seine Predators, gewinnen konnten sie ohne ihn nur eines (1-5-2).

Weber bildete zusammen mit dem Schweizer Roman Josi eines der besten, wenn nicht sogar das stärkste Verteidigerduo in der NHL. In Spiel 3 stellte Peter Laviolette Seth Jones an die Seite von Josi. Die beiden jungen Blueliner, Josi ist 23 und Jones 20 Jahre alt, spielten bereits in der regulären Saison dreimal miteinander. Gegen die Top-Angriffsreihen der Blackhawks machten sie jedoch keine besonders gute Figur. Sie standen sowohl bei Andrew Desjardins Führungstor im ersten Drittel, wie auch bei den ersten zwei Treffern der Hausherren im Mittelabschnitt von Jonathan Toews und Brandon Saad, gemeinsam auf dem Eis.

Vor der Partie zeigte sich Jones noch sehr zuversichtlich: "Man kann Shea Weber nicht ersetzen, doch ich werde mein Bestes geben. Ich möchte ein solides Spiel abliefern. Es ist einfach neben Roman zu spielen. Dementsprechend freue ich mich auf diese Herausforderung."

Im dritten Aufeinandertreffen der Best-of-seven Serie wurde erneut deutlich wie wichtig es für ein Team ist, ein eingespieltes Verteidigerpaar in seinen Reihen zu haben. Weber und Josi spielen seit drei Jahren Seite an Seite - zwischen beiden stimmt die Chemie. Noch vor dem Playoffstart hatte es Weber in einem Interview erklärt: "Man versucht immer miteinander zu sprechen, sich gegenseitig zu helfen, doch wenn du über einen längeren Zeitraum mit jemanden zusammen spielst, dann kommst du an den Punkt, wo du genau weißt was der andere vorhat und er es dann auch umsetzt."

Ein weiteres Beispiel für mangelndes Verständnis im Defensivverhalten war das vierte Tor der Blackhawks, dem ein grober Schnitzer von Victor Bartley vorangegangen war. Der neu ins Team gerückte Verteidiger lief vom Bullykreis an die Bande, um den puckkontrollierenden Andrew Shaw zu bedrängen. Es sollte sich als fatale Fehleinschätzung der Situation herauskristallisieren: Verteidigerkollege Cody Franson war bereits bei Shaw in der gleichen Ecke, schließlich landete die Scheibe hinter dem Tor bei Jonathan Toews. Toews bediente den am Bullykreis freistehenden Brent Seebrook, der nicht lange fackelte und den sich ihm bietenden Freiraum nutzte, um Pekka Rinne zum vierten Mal zu bezwingen.

In Nachbetrachtung der Niederlage vermisste Roman Josi Kapitän Shea Weber, ließ aber den Kopf nicht hängen und zog auch positive Rückschlüsse: "Shea ist ein großartiger Spieler, er fehlt uns zweifelsfrei. Dennoch glaube ich, dass wir ein ziemlich gutes Spiel abgeliefert haben. Es hätte auch anders ausgehen können. Wir hatten viele ungenutzte Torgelegenheiten. Selbst im zweiten Drittel waren wir nicht schlecht, auch da hatten wir unsere Chancen, sie [die Blackhawks] waren jedoch effektiver."

Selbst wenn man als neutraler Beobachter eventuell anderer Meinung in der Analyse des Spielverlaufs ist, als der Schweizer Verteidiger, er unterstrich damit das von ihm gegenüber nhl.com Gesagte, über die optimistische Grundeinstellung, die bei den Predators vorherrscht: "Playoffs sind eine Berg- und Talfahrt von Gefühlen. Man muss versuchen die Balance zu finden. Was auch immer in den Playoffs passiert, ob man gewinnt oder verliert, wichtig ist, dass die Emotionen nicht überhand nehmen. Eine Serie hat manchmal sieben Spiele und man strebt danach vier zu gewinnen. Man muss erhobenen Hauptes dem nächsten Spiel entgegensehen und den eigenen Weg gehen."

Ganz ohne Vorwürfe an seine Vorderleute, sondern lobend, äußerte sich Schlussmann Pekka Rinne nach der bitteren Niederlage: "Unsere Defensive hat einen guten Job gemacht. Natürlich ist er [Weber] ein Weltklassespieler und für jedes Team wäre er ein herber Verlust. Insgesamt haben wir aber genauso gute Verteidiger wie jede andere Mannschaft in der Liga."

Für die Predators wird es nun, ohne ihren Kapitän und mit einem 1-2 Rückstand in der Serie, ein ganz steiniger Weg werden, den sie nur gemeinsam erfolgreich beschreiten können. Ihr Spielsystem beruht schon die gesamte Saison über auf offensivausgerichtete Defensivkräfte - Nashvilles Verteidiger kamen in dieser Saison auf insgesamt 193 Scorerpunkte. Gefragt sind nun auch ihre erfahrenen Stürmer, wie ein James Neal oder Paul Gaustad, die ihre jungen Verteidiger noch stärker im Spiel nach hinten unterstützen müssen.

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