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In Nashville spielt die Musik auch hinten

Angeführt von einem überragenden Roman Josi ist die Defensive Nashvilles Paradestück

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Hinten spielt die Musik und wenn sie auch noch vorne einen Marsch bläst, dann springt selbst gegen die Nummer 1 der Western Conference ein Weiterkommen heraus. Die Nashville Predators beendeten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit einem 4-1 Sieg die Erstrundenplayoffserie gegen die Chicago Blackhawks. Mit einem Sweep (4-0 Siege) als Höchststrafe einer Best-of-7 Serie, schickte Nashville die Spieler des 6-fachen Stanley Cup Champion in den Sommerurlaub und zog, als achtplatzierte Mannschaft des Westens nach der regulären Saison, in die zweite Runde ein.

'Sweep' skandierte die Mehrzahl der gut 17.000 Zuschauer in der Bridgestone Arena von Nashville im Staccato nachdem Viktor Arvidsson 108 Sekunden vor Spielende mit einem Empty Netter den Vorsprung der Predators erneut auf drei Tore ausgebaut hatte. In der Summe der vier Partien lautete das Torverhältnis 13-3 zu Gunsten des Außenseiters aus der 'Music City'.

Eine solche Dominanz über einen Gegner, bei dem in der regulären Saison sechs verschiedene Spieler mehr als 20 Tore geschossen haben und der unter den elfbesten Scorern der Liga durch Patrick Kane und Artemi Panarin zweimal vertreten war, ist nur möglich, wenn ein Team perfekt darauf eingestellt wurde, was sie zu erwarten hat. Das Kompliment geht an Nashvilles Trainergespann unter Führung von Headcoach Peter Laviolette! Die Spieler müssen solche Vorgaben aber auch erst einmal auf dem Eis umsetzen können. Ein Da capo an jeden Einzelnen im Kader des Siegerteams!

Video: CHI@NSH, Sp4: Josi schließt mit seinem zweiten Tor ab

Es dürfte nur schwer möglich sein, noch beeindruckender eine Playoffserie zu gestalten als es die Predators vorgemacht haben. Ein besonderes Lob verdient dabei Nashvilles Defensivabteilung, angeführt von einem überragenden Roman Josi. Der Schweizer Verteidiger bekam die meiste Eiszeit aller Spieler der Predators. Pro Spiel stand Josi 27:14 Minuten auf dem Eis. Er blockte die zweitmeisten Schüsse (11) nach Verteidigerkollege Ryan Ellis (13) und er schoss so häufig wie kein anderer Akteur seines Teams auf das gegnerische Tor (13). Am Donnerstagabend war dem 26-jährigen Berner auch das Schussglück hold. Beim 1-0 Führungstor packte er an der rechten Bande stehend einen sehenswerten Hammer aus, der Chicagos Schlussmann Corey Crawford durch die Hosenträger rutschte. Beim vorentscheidenden 3-0, als noch knapp 9 1/2 Minuten auf der Uhr standen, war Josi an vorderster Front zu finden und musste nach einer wunderschönen Kombination über Austin Watson und Colton Sissons nur noch den Schläger hinhalten.

"Das ist definitiv ein unglaubliches Gefühl", beschrieb Josi das Weiterkommen - übrigens zum ersten Mal in der Franchisegeschichte der Predators mit einem Sweep. Er holte noch weiter aus und vergaß dabei auch nicht den Gegner positiv zu erwähnen: "Ich glaube, dass wir eine überragende Serie gespielt haben. Wir haben eine großartige Mannschaft. Sie haben ein tolles Team und wir zollen ihm Hochachtung. Sie haben Weltklassespieler und ich glaube, dass wir in den vier Aufeinandertreffen ganz gut ausgesehen haben."

Die ersten zwei Verteidigerpaare der Predators mit Josi, Ryan Ellis, P.K. Subban und Mattias Ekholm brachten es in den vier Partien zusammen auf zehn Scorerpunkte. Damit gelangen Nashvilles Defensivabteilung mehr Punkte als allen Blackhawks zusammen. Unterstützung erhielten Josi & Co. auch von den Angriffsreihen. Kein Stürmer war sich zu schade, um nicht auch nach hinten mitzuarbeiten. So wurde es möglich, dass Schlussmann Pekka Rinne in dieser Serie zwei Shutouts feiern konnte und ihm zum dritten in Spiel 4 nur 5:28 Minuten fehlten.

"Zu Beginn [einer Serie] planst du keinen Sweep. Du sitzt nicht da und planst mit einem Shutout. Du stellst einen Plan auf wie du rausgehst und wie du spielen möchtest. Ich denke unsere Jungs haben das ziemlich gut hinbekommen", erklärte Laviolette die Herangehensweise.

Video: CHI@NSH, Sp4: Josi versenkt Onetimer gegen Crawford

Rinne lobte nach dem überraschend schnellen Weiterkommen seine Vorderleute gegenüber NHL.com: "Wir haben unsere Chancen genutzt und wir waren in der Verteidigung großartig gestanden. Das hat in dieser Serie sicherlich den Unterschied ausgemacht." Sein Blick richtete sich aber auch schon wieder nach vorne: "Wir kennen diese Situation. Dreimal bin ich in der ersten Runde weitergekommen. Das bedeutet gar nichts. Es ist ein gutes Gefühl und es ist auch nicht leicht die zweite Runde zu erreichen, doch man muss weiter Gas geben, konzentriert und hungrig bleiben."

Nach ein paar Tagen Pause treffen die Predators im Western Conference Halbfinale auf den Sieger der Serie zwischen den St. Louis Blues und den Minnesota Wild.

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