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Carlson setzt neue Maßstäbe für Offensiv-Verteidiger

Der Verteidiger der Washington Capitals erzielte in 30 Partien so viele Punkte wie vor ihm nur MacInnis, Potvin und Orr

von Bernd Rösch @NHLde / NHL.com/de Freier Chefautor

Carlsons 2. Tor im 1. Drittel

WSH@LAK: Carlson tanzt Quick zu schönem Tor aus

John Carlson lässt Jonathan Quick aussteigen und kann den Puck zu seinem zweiten Tor im 1. Drittel und dem 2:0 einschießen

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"Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll. Er ist der heißeste Typ da draußen. Man konnte von ihm erneut zwei Highlight-Tore sehen, und er ist gut", Alex Ovechkin zollte einem seiner Teamkollegen bei den Washington Capitals Respekt. Er lobte nicht einen der hochbegnadeten Stürmer im Kader. Es war nicht die Rede von Evgeny Kuznetsov oder von Nicklas Backstrom, die wie Ovechkin selbst, zu den üblichen Verdächtigen zählen, die mannschaftsinterne Scorerwertung anzuführen.

John Carlson heißt der Mann der Stunde bei den Capitals, und er ist seines Zeichens Verteidiger. Er war es auch, der am Mittwoch mit seinen Treffern in der 5. und 14. Spielminute zur 2:0-Führung beim 3:1-Sieg gegen die Los Angeles Kings Ovechkin in Verzückung versetzte.

Der Mann mit der Nummer 74 auf dem Rücken luchste Trevor Lewis die Scheibe weg, nahm vom eigenen Drittel ausgehend an der rechten Bande Fahrt auf und schweißte auf Höhe des Bullykreises das Spielgerät, an Kings-Schlussmann Jonathan Quick links vorbei, unhaltbar ins Netz. Mit seinem zehnten Saisontor und dem 100. seiner NHL-Karriere gab sich Carlson jedoch nicht zufrieden. Einen hatte er noch im Köcher! Lars Eller spielte den Puck aus der Rundung zu T.J. Oshie, der den in den Freiraum laufenden Carlson sah. In bester Vollstrecker-Manier zog dieser nicht gleich ab, sondern umtanzte Quick und schob den Puck von hinter der Torlinie ins Netz.

"Ja, es hat Spaß gemacht, ihm zuzusehen, ganz sicher. Die Gegner würden ihm gerne das Leben schwer machen, und vieles ist zu seinen Gunsten gelaufen. Abgesehen davon hat er es sich hart erkämpft, er hat dafür gearbeitet und er hat es sich verdient. Es ist nicht nur seine Offensivqualität. Er blockt Schüsse und leitet früh Gegenangriffe ein. Er kann offensichtlich alles", freute sich Washingtons Coach Todd Reirden über die Leistung seines besten Verteidigers.

Carlson war in 30 Saisonspielen bereits an 42 Treffern (11 Tore, 31 Assists) der Capitals beteiligt, er ist mit Abstand ihr punktbester Mann vor Ovechkin (20 Tore, 11 Assists), er führt die Punktwertung der Verteidiger in der NHL an und er weckt Erinnerungen an die ganz großen Offensiv-Verteidiger, nicht nur in der Historie der Capitals, sondern in der Ligageschichte.

Rechnet man Carlsons Punkteschnitt von 1,40 auf die gesamte Saison hoch, landet er bei rund 115 Punkten. Eine Marke, die nur zwei Verteidiger überboten haben: Bobby Orr in den Jahren 1970/71 (139 Punkte), 1974/75 (135), 1973/74 (122), 1969/70 (120) sowie 1971/72 (117) und Paul Coffey in den Spielzeiten 1985/86 (138), 1983/84 (126) und 1984/85 (121).

In die Riege der 100-Punkte-Verteidiger reihen sich weitere Male Orr (1972/73: 101) und Coffey (1988/89: 113; 1989/90: 103) sowie Al MacInnis (1990/91: 103), Brian Leetch (1991/92: 102) und Denis Potvin (1978/79: 101) ein. 

Video: WSH@CHI: Ovechkin nutzt Carlsons Pass gegen Crawford

Es in den ersten 30 Partien einer Saison auf 42 Punkte zu bringen, gelang vor Carlson nur MacInnis (1990/91), Potvin (1975/76) und Orr (1969/70). Carlsons Ausbeute von der aktuellen Saison konnte nur Orr in 1974/75 (56), 1973/74 (53), 1970/71 (48) und 1971/72 (45) toppen.

In der ersten Dekade nach der Jahrtausendwende kamen Nicklas Lidstrom (2000/01: 71; 2005/06: 80), Sergei Zubov (2005/06: 71) und Mike Green (2008/09: 73; 2009/10: 76) auf über 70 Punkte. Im laufenden Jahrzehnt trumpften ein Brent Burns (2015/16: 75; 2016/17: 76; 2018/19: 83), ein Erik Karlsson (2011/12: 78; 2013/14: 74; 2015/16: 82; 2016/17: 71), ein Victor Hedman (2016/17: 72) und ein Mark Giordano (2018/19: 74) auf.

Doch Carlson legt nach seiner 70-Punkte-Saison im Vorjahr die Messlatte für Top-Blueliner noch um ein deutliches Stück höher.
Für Oshie gibt es keinen Zweifel, Carlson ist der beste Verteidiger in der NHL.

"Wir sagen das, was wir jeden Tag sagen. Johnny für Norris. Es gibt nichts anderes, worüber man wirklich reden kann. Er ist definitiv einer unserer Anführer und er trägt eine Menge Verantwortung. Er spielt in allen Situationen und er bekommt viel Eiszeit. In den wichtigen Minuten steht er auf dem Eis. Es wird viel über seine Punkte und seine Tore gesprochen, die wirklich erstaunlich sind, aber auch darüber, wie gut er in der Defensive steht. Er ist ein solider Fels in der Brandung und er erledigt seine Arbeit jeden Abend."

In 13 Partien der laufenden Saison beließ es Carlson nicht nur bei einem Scorerpunkt. Die nächste Gelegenheit das Punktekonto auszubauen, bekommt der 29-jährige US-Amerikaner am Freitag, wenn sich seine Capitals bei den Anaheim Ducks die Ehre geben (Sa 4:00 MEZ; NHL.tv).

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