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Besser als Gretzky? Jagr traut McDavid 100 Tore zu

Leon Draisaitl hilft Edmontons Superstar bei der Jagd auf den Rekord

von Christian Rupp / NHL.com/de Autor

Der Auftritt von Connor McDavid verzückte nicht nur die Fans im Rodgers Place, sondern auch Mit- und Gegenspieler. Der 20-jährige Superstar der Edmonton Oilers erzielte alle drei Treffer beim 3:0-Heimsieg gegen die Calgary Flames. Damit stellte er sogar Oilers-Legende Wayne Gretzky in den Schatten. Macht der Mittelstürmer nun sogar Jagd auf den Tore-Rekord des "Great One"? 

McDavid ist erst der fünfte Spieler in der NHL-Geschichte, dem ein "Natural Hat Trick" (drei Tore in Folge) in einem Saison-Auftaktspiel gelang. Vor ihm schafften dieses Kunststück nur Bert Corbeau (1919), Billy Boucher (1924), Ray Getliffe (1937) und Radim Vrbata (2013). Wayne Gretzky, der beste Hockeyspieler aller Zeiten, gelang dieser Streich nie.

"Ich schätze, es war ein guter Start", übte sich McDavid in Bescheidenheit und gab das Lob an seine Mitspieler weiter: "Unsere Defensive war heute großartig, sie hat die Pucks an die Stürmer verteilt, sodass wir das machen konnten, wofür wir bezahlt werden." Mit einem Cap Hit von aktuell noch 925.000 US-Dollar im Jahr (Einstiegskontrakt) ist McDavid dabei noch ein echtes Schnäppchen. Erst in ab der Saison 2018/19 gilt sein neuer Achtjahresvertrag mit 12,5 Millionen Dollar Jahresgage.

Ein McDavid in der aktuellen Form wird dennoch jeden Cent wert sein. Mit seinem Torinstinkt, seiner Dynamik und seiner Schnelligkeit verblüffte der Center Mit- und Gegenspieler. "Ich weiß genau, wie sich Calgarys Verteidiger fühlen", sagte Edmontons Abwehrmann Oscar Klefbom, der als einziger Spieler sogar mehr Torschüsse abgab (neun) wie McDavid (sieben). "Er kann dich mit seiner Schnelligkeit und seiner Puckkontrolle tölpelhaft aussehen lassen." Das galt insbesondere für den Treffer zum 2:0, als McDavid an der eigenen Grundlinie startete, unaufhaltsam zum Tor sprintete und seine Gegner dabei stehen ließ wie Slalomstangen. "Wenn er Platz und Zeit hat, dreht er auf", staunte Flames-Goalie Mike Smith. Und auch Routinier Jaromir Jagr, der erst kürzlich in Calgary unterschrieb und beim Auftakt noch nicht auf dem Eis stand, zeigte sich beeindruckt: "Wow! Ich habe in meinem Leben noch nichts Vergleichbares gesehen, dass ein Spieler mit seiner Geschwindigkeit derart dominiert."

Video: CGY@EDM: McDavid trifft ins leere Tor

Jagr muss es wissen, immerhin geht der 45-Jährige in seine 24. NHL-Saison. Der Tscheche traut McDavid sogar zu, den Gretzky-Rekord von 92 Toren in einer Spielzeit aus dem Jahr 1981/82 zu knacken. "Was soll ich sagen? Er ist einfach zu gut, ein großartiger Spieler. 100 Tore in einer Saison sind möglich. Sogar 150, wenn er lernt, bei Alleingängen noch häufiger zu treffen." Eine gewagte These von Jagr, der die Erklärung gleich hinterher schickt: "Vielleicht waren Wayne Gretzky und Mario Lemieux ähnlich stark, aber damals konntest du sie noch greifen oder mit dem Schläger festhalten. Die neuen Regeln sind deshalb perfekt für McDavid. Ich würde mich nicht wundern, wenn er 100 Tore erzielt und den Rekord bricht. Es ist möglich."

Hierfür wird McDavid allerdings auch Hilfe brauchen. Diese kommt bevorzugt von Reihenkollege Leon Draisaitl, der Edmontons Tormaschine regelmäßig mit genialen Pässen füttert. So auch beim Auftakt gegen Calgary, als der Deutsche die Scheibe vor dem 1:0 mit viel Übersicht und Präzision durch den Torkreis und auf die Kelle von McDavid schickte. Oder beim 3:0, als Draisaitls Rückhandpass den Weg zum Empty-Net-Treffer bereitete. Der 21-jährige Kölner spielt also eine Hauptrolle bei McDavids Rekordjagd.

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