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Islanders - nicht perfekt, aber faszinierend

von Bernd Roesch / NHL.com

New Yorker NHL-Fans schauen nach Brooklyn. Zweifelsfrei haben die New York Rangers in der bevölkerungsreichsten Stadt der Vereinigten Staaten eine größere Anhängerschaft als die New York Islanders, die erst im vergangenen Jahr von Uniondale nach Brooklyn gezogen sind. Doch es lohnt sich auch für eingefleischte Rangers Fans einen Blick über den East River zu wagen, denn dort wird wieder richtig spektakuläres Eishockey geboten.

Cheftrainer Jack Capuano hat zusammen mit General Manager Garth Snow, der am Ende seiner aktiven Karriere von 2001 bis 2006 fünf Jahre lang für die Islanders im Tor gestanden war, eine Mannschaft zusammengestellt, die in den Stanley Cup Playoffs für Furore sorgt.

Die Spielweise der Islanders ist keineswegs perfekt, aber faszinierend für jeden Eishockeyliebhaber.

In den Playoffs legen die Teams normalerweise viel mehr Wert auf eine kompakte Defensive als in einem regulären Saisonspiel. Bei den Islanders ticken die Uhren zeitweise anders und sie sind damit erfolgreich. In der ersten Stanley Cup Playoffrunde gegen die Florida Panthers konnten sie zwei von drei Partien, Spiel 1 mit 5-4 und Spiel 3 mit 4-3, für sich entscheiden, in denen ihr Gegner drei oder mehr Tore erzielen konnte. Am Ende entschieden sie die Serie gegen den Tabellenersten der Atlantic Division mit 4-2 Siegen für sich.

Die Islanders zogen zum ersten Mal seit 1993 in die zweite Runde der Stanley Cup Playoffs ein. Damit geben sich die Islanders aber noch lange nicht zufrieden. Das mussten am Mittwoch auch die Tampa Bay Lightning in der heimischen Amalie Arena feststellen. Dabei hatte für die Hausherren die Begegnung ganz nach Wunsch begonnen: Es waren gut drei Minuten gespielt, als sie Ondrej Palat in Front bringen konnte. Einen Fehler sollte man jedoch nicht begehen, sich mit den Islanders auf einen offenen Schlagabtausch einlassen.

Bis zum Ende des Spielabschnitts zogen die Islanders auf 3-1 davon, und als die Lightning im Mittelabschnitt den Druck noch einmal erhöhten, wurden sie bei Unterzahl von Gästekapitän John Tavares eiskalt erwischt.

Tavares hatte nach dem Weiterkommen in der ersten Runde schon angekündigt, dass das noch nicht ihr letztes Ziel gewesen sei. Der 25-jährige Center geht mit gutem Beispiel voran und präsentiert sich als Leader. Mit elf Scorerpunkten in sieben Playoffpartien führt er aktuell die Playoff-Scorerwertung der NHL an, mit sechs Treffern ist er zusammen mit Lightnings Rechtsaußen Nikita Kucherov der erfolgreichste Torschütze der Liga. Von allen Stürmern der acht Mannschaften, die sich noch im Rennen um den Stanley Cup befinden, steht Tavares durchschnittlich am längsten auf dem Eis (24:36 Minuten).

Ganz sachlich und nüchtern bleibt er bei der Spielanalyse: "Es war gut, dass wir das Blatt wenden konnten und es ist wichtig, dass wir uns weiterhin auf diese Serie konzentrieren." Vorbildlich ist Tavares Einsatz, mit dem er auch seine Mitspieler zu Höchstleistungen anspornt.

Der erst 23-jährige Shayne Prince hat in den sieben Playoffpartien bereits dreimal getroffen, nachdem ihm in der regulären Saison nur sechs Tore in 62 Partien gelungen waren. Mit Travis Hamonic und Cal Clutterbuck trugen sich in Tampa zwei Spieler in den Spielberichtsbogen ein, die bisher in den Playoffs noch kein einziges Mal als Torschützen in Erscheinung getreten waren. Sie alle verfolgen das gleiche Ziel, das Prince beim Namen nannte: "Unser ultimatives Ziel ist der Gewinn des Stanley Cup, dabei müssen wir alle an einem Strang ziehen." Der junge Stürmer aus der dritten Reihe der Islanders fügte noch hinzu: "Einen Beitrag leisten zu können ist wichtig, denn jeder von uns muss sein Bestes geben."

Es ist aus deutscher Sicht sehr erfreulich, dass auch Islanders Schlussmann Thomas Greiss etwas beitragen kann - und das nicht zu wenig. Der deutsche Torhüter in Diensten der Islanders hat es angesichts der offensiven Spielweise seiner Vorderleute nicht immer leicht, steht aber seinen Mann, wenn es darauf ankommt. In der Schlussphase der gestrigen Partie, in der er es auf insgesamt 33 Paraden gebracht hatte, konnte er mit einer Wahnsinnsrettungstat, bei der er den linken Schoner rausfuhr, den Anschlusstreffer von Jonatha Drouin verhindern.

Greiss strahlt durchwegs eine ungemeine Ruhe aus und bleibt, auf seine guten Leistungen angesprochen, immer bescheiden: "Es ist doch selbstverständlich, dass man hart kämpft, alles gibt. Man möchte niemals ein Tor zulassen, da spielt es keine Rolle, ob du mit drei Treffern oder mit einem Treffer vorne liegst. Man möchte einfach jeden Schuss halten."

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