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Seattle will es Las Vegas nachmachen

Im Nordwesten der USA bringen Investoren ein 32. NHL-Team auf den Weg, das den Golden Knights nacheifern möchte

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

An jedem Montag der Spielzeit 2017/18 wird NHL.com/de an dieser Stelle nach Themen suchen, die etwas abseits des täglichen Spielgeschehens liegen und die Themen beleuchten, die den Puls der Liga im Hintergrund bestimmen. Sportliche Krisen, ein intensiverer Blick auf die aktuellsten Themen der NHL, grundsätzliche Entwicklungen welche die Diskussionen derzeit bestimmen. Wir sorgen dafür, dass nichts davon unbeachtet bleibt.

Heute beschäftigen wir uns näher mit den aktuellen Bemühungen um ein Expansion-Team in Seattle.

Die Vegas Golden Knights haben es vorgemacht. Als jüngstes, 31. Team der Liga nahmen diese im vergangenen Herbst offiziell den Spielbetrieb in der NHL auf und bis zum heutigen Tage begeistern sie in der Premierensaison mit ihrem Erfolg auf und neben dem Eis die Massen weltweit.

Das Franchise aus Nevada dient somit als ideale Blaupause für ein mögliches 32. Team, das sich auf den Weg macht, das nächste Team der Liga zu werden. Als Heimatstadt soll diesem die Stadt Seattle im Nordwesten der USA dienen. Die Messlatte liegt durch den Erfolg der Golden Knights für alle zukünftigen Franchises, die um Aufnahme in die NHL ersuchen, jedoch so hoch, wie wohl noch nie zuvor in der über hundertjährigen Geschichte der Liga.

Darüber, dass in Seattle die notwendige Begeisterung dafür herrscht, gibt es grundsätzlich keine nennenswerten Zweifel mehr. Die Einwohner der Stadt und Umgebung sind zweifelsohne motiviert und willens ein eigenes NHL-Team zu begrüßen. Wie es zu solch einer frühen Erkenntnis kommt? Zwischen Donnerstagmorgen und Freitagnachmittag vergangener Woche kamen stolze 33.000 Vorabreservierungen für zukünftige Saisonkarten zusammen. Wohlgemerkt für eine Mannschaft, die erst zur Saison 2020/21 überhaupt am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen könnte.

Einen größeren Beweis für das grundsätzlich riesige Potential, ein NHL-Team zu beherbergen, kann es für einen Standort gar nicht geben. Die Verantwortlichen stoppten den Reservierungsprozess sogar an dieser Stelle vorzeitig, weil die neue Heimstätte des Teams lediglich gut 17.000 Fans Platz bieten soll. Eine Warteliste wird erstellt werden müssen.

Das Prozedere einer offiziellen Jahreskartenreservierung stellt einen weiteren Schritt des erforderlichen Weges dar, wenn sich ein Investor um ein Expansion-Team bei der NHL bemüht. So sehen es die offiziellen Regularien der Liga vor. Damit möchte die NHL die grundsätzliche Größe und Tragfähigkeit des vorgesehenen Marktes im Vorfeld überprüfen. Wenn es nach den reinen Zahlen geht, dann hat Seattle diese Hürde in der Vorwoche tatsächlich mit großer Bravour gemeistert.

Der neue Bewerber übertrifft damit übrigens die aktuell als Muster-Expansionfranchise daherkommenden Golden Knights bei weitem. Las Vegas startete die Reservierungsfrist im Februar 2015 und kam in zwei Tagen auf 5.000 Reservierungen. Nach einem Monat lag die Organisation dann bei deren 9.000. Seattle muss sich also nicht hinter Vegas verstecken, was das Interesse der potenziellen Zuschauer betrifft.

Der neueste Bewerber kam alleine in den ersten 12 Minuten (!!!) schon auf 10.000 verbindliche Zusagen von Interessenten, die jeweils zwischen US$ 500 und 1000 in das angedachte Team investieren sollten. Was für ein beeindruckendes Statement von den Eishockeyfreunden der Region!

Hinter dem Vorhaben an der Westküste steht übrigens ein Konsortium an dem unter anderem Hollywood-Produzent Jerry Bruckheimer (u.a. TV-Serie 'CSI') und einige lokale Wirtschaftsvertreter beteiligt sind. Dieses hatte erst im vergangenen Dezember von der Liga grundsätzlich 'Grünes Licht' für ihr Vorhaben erhalten. 

Tim Leiweke gab sich stellvertretend für die Investorengruppe nach dem Ende der Reservierungsfrist regelrecht begeistert vom guten Start der Dinge. "Wir sind sogar etwas geschockt, ehrlich gesagt. Das ist wirklich beeindruckend. Ich denke, dass dieser Verlauf auch die NHL überrascht hat. Auf die angenehme Art natürlich. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, doch die Aussage ist klar und deutlich. Ein wirklich guter Tag, auch für die Liga."

Insgesamt soll ein mögliches 32. Team die Interessenten eine Einlage von US$ 650 Millionen bei der NHL kosten. Zum Vergleich: Bill Foley hatte für seinen Traum in Las Vegas damals 'nur' rund US$ 500 Millionen investieren müssen.

In Punkto Wirtschaftlichkeit sind die Befürworter eines Teams im Nordwesten der USA sehr zuversichtlich, schielen aufgrund der Nähe zu Kanada auch ein klein wenig in Richtung der Grenze im Norden, wollen teilweise Eishockeyfans aus der Nachbarschaft ansprechen und über die Grenze zu sich ziehen. Dies dürfte tatsächlich ein Vorteil gegenüber dem Standort Las Vegas sein, wo viele Bedenkenträger vor dem Start der Golden Knights eher skeptisch waren, da Nevada nicht gerade als klassischer Eishockeystandort daherkam. Dies sieht im Großraum Seattle aufgrund der Nähe zum Eishockeymutterland Kanada natürlich ganz anders aus.
 
Die 'Oak View Group', wie die Investorengruppe offiziell firmiert, baut für seine zukünftige Mannschaft in der Stadt allerdings keine komplett neue Arena, wie es damals in Las Vegas bei den Golden Knights der Fall war, wo die dortige T-Mobile Arena frisch aus dem Wüstenboden gestampft wurde. 

In Seattle wollen sie die vorhandene KeyArena für beachtliche gut US$ 600 Millionen renovieren. Hierbei handelt es sich übrigens um die Halle, die einst noch den Seattle Supersonics aus der Basketballliga NBA mit dem deutschen Spieler Detlef Schrempf als Heimat diente. 

 

[Ähnliches: Seattle bewirbt sich als Expansionsteam]

 

Mit der Fertigstellung der frisch umgebauten Spielstätte kann im Jahre 2020 gerechnet werden. Zukünftig soll diese dann bereitstehen, um den Sportarten Eishockey und Basketball auf Spitzenniveau als moderner Austragungsort zu dienen. 

Auch wenn die NHL dem Plan letztendlich noch final zustimmen muss, Eishockey auf Top-Niveau wäre in Seattle, wenn es denn mit den Planungen erfolgreich weitergeht, nicht gänzlich unbekannt. Die 'Seattle Metropolitans' gewannen den Stanley Cup bereits im Jahre 1917. In den Jahren 1915 bis 1924 war die Stadt ein Standort in der damaligen 'Pacific Coast Hockey Association'.

Die Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Eishockeyteam auf Weltklasseniveau scheinen hier also zumindest ebenso gut zu stimmen wie jüngst in Las Vegas. Ob sich der sportliche Erfolg dann in der Premierensaison des bisher namenlosen Teams aus der Grunge-Metropole ebenso rasch einstellen würde, das wäre erst einmal abzuwarten. Aber bis zur Saison 2020/21 sind es auch noch ein paar Tage. 

Die ersten Meter des langen Weges sind jedenfalls von Jerry Bruckheimer & Co. sehr erfolgreich beschritten worden. Das Interesse ist geweckt und die Eishockeywelt von der ersten Welle der Begeisterung in Seattle stark beeindruckt. Darauf kann aufgebaut werden in den nächsten Monaten und Jahren.

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