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In Kalifornien entstanden Eishockeyhochburgen

von Bernd Roesch / NHL.com

Was verbinden sie mit Kalifornien? Denkt man an Kalifornien, denken manche an die Beach Boys, andere denken an die Eagles und einen ihrer Hits oder manch einem erscheint David Lee Roth vor dem inneren Auge, wie er am Strand von Venice Beach seinen Song California Girls trällert. Assoziationen, die sich über Jahrzehnte gehalten haben, doch die große kalifornische Musik spielt in diesen Tagen auf dem ganz glatten Parkett des Staples Center, des Honda Centers und des SAP Centers, wo zum Tanz auf dem Eis eingeladen wird.

Kalifornien hat sich mit seinen drei Franchises zu einer Eishockeyhochburg entwickelt. Lange vorbei sind die Zeiten der California Seals (später Oakland Seals und California Golden Seals) denen es zwischen 1967 und 1976 nicht gelungen war, ausreichend Zuschauerzuspruch zu generieren, um in der NHL bestehen zu können. Mangelnder sportlicher Erfolg, siebenmal verpassten sie in den neun Jahren die Playoffs, taten ihr Übriges dazu.

Und heute? Ausverkaufte Eishockeyarenen sind keine Seltenheit mehr unter der Sonne Kaliforniens. Die Los Angeles Kings, die Anaheim Ducks und die San Jose Sharks dominieren die Pacific Division. 14 Punkte beträgt der Vorsprung der Sharks auf die viertplatzierten Arizona Coyotes. Ausgerechnet die drei Teams aus dem Mutterland des Eishockeys, die Edmonton Oilers, Calgary Flames und Vancouver Canucks zieren das Tabellenende dieser Division, in der die Kalifornier das Sagen haben.

In den vergangenen neun Jahren ging der Stanley Cup dreimal an ein Team aus dem Golden State. Die Ducks waren 2007, nachdem sie vier Jahre zuvor im Stanley Cup Finale noch an den New Jersey Devils gescheitert waren, die erste Mannschaft aus Kalifornien, die den begehrten Pokal in die Höhe hieven durfte. 2012 und 2014 wiederholten die Kings den Triumph ihrer Nachbarn. Auch die San Jose Sharks versuchen sich regelmäßig in den Playoffs. Seit 2003 qualifizierten sie sich elf Mal hintereinander für die Postseason und zogen dreimal (2004, 2010, 2011) in das Western Conference Finale ein. Die drei Teams brachten es seit dem Jahrtausendwechsel zusammen auf vier Conferencetitel und zehn Divisionstitel (Anaheim 2007, 2013-2015; San Jose 2002, 2004, 2008-11).

Welche kalifornische Franchise am Ende der kommenden Woche den ersten Platz in der Pacific einnehmen wird, steht noch nicht fest. Nur drei Punkte trennen die momentan erstplatzierten Kings von den Sharks, die schon ein Spiel mehr absolviert haben. Gute Aussichten auf den Divisionstitel haben die Ducks. Ihr Rückstand auf die Kings beträgt nur einen Zähler und sie haben sogar noch ein Spiel mehr in der Hinterhand als Los Angeles.

Wer auch immer von diesen zwei das Rennen machen wird, die Aufgabe in der ersten Stanley Cup Playoffrunde wird keine leichte werden. Der Erstplatzierte wird vermutlich auf die Nashville Predators, die aktuell den ersten Wildcard Platz innehaben, aus der starken Central Division treffen.

Samstagnacht unterlagen die Kings auf heimischen Eis den Dallas Stars mit 2-3 Toren, obwohl sie zweimal in Führung gegangen waren und zur zweiten Pause noch mit 2-1 in Front lagen. Kings Verteidiger Rob Scuderi wies, darauf angesprochen, ob sie vielleicht gar nicht als Divisionserster in die Playoffs einziehen möchten, diese Vermutung von sich. "Wir kümmern uns nicht darum gegen wen wir [in der ersten Playoffrunde] spielen. Wir sollten eher beunruhigt sein, wie wir spielen. Das ist zu diesem Zeitpunkt des Jahres wichtiger. Wir haben zu viele Chancen und Torschüsse zugelassen."

Nur knapp 50 km vom Ort dieses Geschehens leistete sich Anaheim 24 Stunden zuvor eine Analogie der Ereignisse. Die Canucks, für die die Saison bereits gelaufen ist, gastierten am Freitag in Orange County. Die Hausherren gingen zweimal in Führung. Neun Minuten vor Spielende stand es 2-1 für die Ducks, ehe ein Doppelschlag der Canucks die Gastgeber am Ende mit leeren Händen dastehen ließ und sie um die Tabellenführung brachte. Aus der Luft gegriffen wäre auch hier die Vermutung, dass der Divisionstitel zu einer zu schweren Bürde in den Playoffs führen würde.

Als Tabellenzweiter der Pacific hat man sich dann zwar ebenso das Heimrecht in der ersten Playoffrunde gesichert, muss aber vermutlich gegen die Sharks antreten, die in dieser Saison mit einer positiven Bilanz in der Fremde von 27-10-3 auf sich aufmerksam machten und mit 233 geschossenen Toren über die zweitstärkste Offensive in der Western Conference verfügen. Gegen sie anzutreten ist wahrlich kein Vergnügen.

Wer auch immer in der ersten Playoffrunde aufeinandertreffen wird, mindestens eine Mannschaft aus dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA wird in die zweite Stanley Cup Playoffrunde der Western Conference einziehen – vor über 30 Jahren hätte darüber noch jeder Eishockeyfan ungläubig den Kopf geschüttelt.

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