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Henrik Sedin geht nicht auf Abschiedstournee

Vancouver Canucks Kapitän will seine Mannschaft in die Erfolgsspur zurückführen und sich für einen neuen Vertrag empfehlen

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Dass Profisportler nicht immer den richtigen Zeitpunkt für den Absprung finden, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Über sämtliche Sportarten hinweg existieren Paradebeispiele dafür, dass Athleten ihren körperlichen Verfall leugnen und durch ernüchternde Leistungen in den späten Jahren ihrer Karriere munter ihre mitunter großartigen Erfolge trüben.

Erst vor wenigen Wochen wurden Sportfans auf der ganzen Welt Zeuge, wie Usain Bolt bei der Leichtathletik Weltmeisterschaft in London seine größte persönliche Niederlage einlief. Der einstige Goldjungen, der die Sprintdisziplin über eine Dekade lang dominierte, erlebte sein größtes persönliches Debakel. Nachdem er über die 100 Meter den Amerikanern Justin Gatlin und Christian Coleman den Vortritt ließ, gab es keine weitere Ehrenrunde. Stattdessen erlebte die Sportöffentlichkeit einen traurigen und niedergeschlagenen Exchampion.

Womöglich hatte Bolt den richtigen Zeitpunkt für sein Karriereende verpasst. Ein Szenario, das Henrik Sedin von den Vancouver Canucks unbedingt vermeiden will. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Daniel wurde er seit seinem Ligabeitritt im Jahr 2000 zu einem der größten Stars der Liga. Mittlerweile ist er 37 Jahre alt und steht immer noch im Diensten des Teams, das ihn einst in der ersten Runde (Nummer 3, 1999) draftete.

Obwohl Sedin in 2016-17 keines der 82 Hauptrundenspiele verpasste, fuhr er lediglich 15 Tore und 35 Assists (50 Punkte) ein und erreichte damit den schlechtesten Punkteschnitt seit der Saison 2002-03. Nicht nur persönlich war die vergangene Spielzeit eine Schlappe für Henrik. 

Auch für seine geliebte Franchise lief es nicht Rund und am Ende scheiterte sie kläglich im Rennen um die Playoffs. Seit die Canucks die Sedinzwillinge im NHL Draft 1999 auswählten, verpassten sie nur fünfmal den Playoffeinzug und so stellt sich einem unweigerlich die Frage, ob die abgelaufene Spielzeit nun das Ende oder der Anfang des Leidenstunnels war.

Henriks Vertrag in Vancouver läuft nur noch für eine weitere Spielzeit. Er ist sich sicher, dass er keine mit 7 Millionen Dollar dotierte Abschiedstournee starten wird.   

"Wir sind noch keine 42", erklärte Henrik in einem auf der Players' Tribune veröffentlichten Brief an die Canucks-Fans. "Wir sind davon überzeugt, dass wir zurückkommen und gute Spieler sein können. Wir wollen die Canucks dazu bringen, mit uns zu verlängern."

Die Sedinzwillinge gehören zu den wenigen Topstars der Liga, die noch keine Meisterschaft feiern durften. Für sie ist dies jedoch kein Makel, der unbedingt behoben werden muss. 

"Wir sind mit unserer Karriere sehr zufrieden", erzählte Henrik NHL.com International. "Wir haben den World Cup gewonnen und die Olympischen Spiele. Wir haben das Beste aus uns herausgeholt und das Beste aus unserem Talent gemacht. Wir haben nie betrogen und waren immer so gut, wie wir sein konnten."
Dennoch, auch wenn Sedin sich über seine bisherige Karriere nicht beklagen möchte, vollkommen genügsam ist er noch nicht. Er denkt noch gar nicht daran, seine Schlittschuhe an den berühmten Nagel zu hängen. Auch wenn der Körper hin und wieder zwickt, er sieht sich dazu im Stande, die Canucks wieder in die Erfolgsspur zurückzuführen.

"Natürlich fühlt sich der Körper heute etwas anders an, als noch zu Beginn meiner Karriere, aber in den vergangenen beiden Jahren lief es eigentlich gut", erinnerte sich Henrik. "Ich hatte ein schweres Jahr mit Problemen mit der Hüfte und dem Rücken, aber die vergangenen zwei Jahre waren gut. Man lernt, mit den Gebrechen zu leben, die man hat und man soll nicht so viel darüber nachdenken. Knie, Rücken... so läuft es eben. Natürlich habe ich meinen Körper in den vergangenen fünf, sieben Jahren mehr gespürt. So läuft es eben."

Und tatsächlich stehen die Chancen für die Canucks und damit auch für die Sedins, sich für einen neuen Vertrag zu empfehlen, in der bevorstehenden Saison nicht schlecht. Mit beispielsweise den Überzahlfähigkeiten von Sam Gagner und Thomas Vanek können die Canucks womöglich ein konkurrenzfähiges Powerplay stellen und das erklärte Ziel Stanley Cup Playoffs in Angriff nehmen.

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