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Lundqvist in der Negativspirale

Der Torhüter der New York Rangers sinkt immer tiefer in eine echte persönliche Krise hinein

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Der Druck auf ihm war schon vor dem jüngsten 6:7-Heimdebakel gegen die Dallas Stars riesig gewesen. New Yorks Goalie Henrik Lundqvist, hatte bekanntlich bereits in den letzten fünf Spielen 19 Tore kassiert. Das Spiel gegen die Stars sollte für ihn nun wieder die Wende zum Positiven bringen.

Der Zeitpunkt dafür schien grundsätzlich ideal. Dallas lag dem Schweden in der Vergangenheit. Seine Statistiken gegen diesen Gegner machten allen Beteiligten Mut, die zuletzt angesammelten Negativerfahrungen vergessen machen zu können, gegen die, gerade auch im Vergleich mit den Teams aus dem Osten ungewöhnlich auswärtsschwachen Stars, endlich mal wieder eine wirklich überzeugende Defensivleistung, ja besonders eben auch eine tolle Torhüterleistung feiern zu können, gerade auch jetzt, wo Backup Antti Raanta für rund zwei Wochen ersetzt werden muss.

Zwar startete Lundqvist so notgedrungen bereits in seinem siebten Spiel in Serie, was seine längste ununterbrochene Einsatzserie der Saison darstellt, doch konnte er gegen Dallas bisher auf eine Bilanz von 8-4-0 zurückblicken, lag sein Gegentorschnitt bei diesen Spielen lediglich bei durchschnittlich 1,93, seine Savepercentage bei 93,6%. Im letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams im November sicherte man sich zudem einen Shutout, also ein Spiel komplett ohne Gegentreffer. Und um ganz sicher zu gehen die negativen Erlebnisse hinter sich lassen zu können, griff der erfahrene Schwede sogar auf eine Art Aberglaube zurück, ließ sich bereits im Training vor der Partie im MSG mit einem komplett neuen Parr Blocker blicken, wollte so auch optisch einen Neustart wagen.

Was konnte also schiefgehen, sollte man meinen. Doch es kam anders, wie wir jetzt wissen. So ist das eben häufig im Sport. Berechenbar ist grundsätzlich nichts. Und vieles ist und bleibt einfach auch Kopfsache. Und gerade hier scheint es derzeit bei Lundqvist zu hapern.

Video: DAL@NYR: Sharp schießt sein Zweites per Bauerntrick

Denn Leistungstechnisch konnte man ihm im Spiel gegen Dallas am Dienstag zunächst eigentlich keinen Vorwurf machen. Ohne selber besonders viele Aktien bei einem Gegentreffer zu haben, lagen die Rangers, nach zunächst eigener 1:0-Führung, rasch mit 1:3 zurück. Dass dann auch der Kopf so langsam wieder in die alten, eigentlich hinter einem gelassen zu glaubten Muster verfällt, dass sollte jedem klar sein, der schon einmal aktiv Sport betrieben hat.

Und spätestens nach dem 1:4 zu Beginn des Mitteldrittels war dann auch die Partie gegen die zuvor so auswärtsschwachen Gäste aus Texas in die jüngste Serie an Negativerlebnissen für den Torhüter eingedrungen. Die Körpersprache zeigte entsprechende Wirkung. Der Frust zeigte sich. Nach drei Treffern in Serie stand es nach zwei Dritteln sage und schreibe 7:3 für die Gäste.

Zwar gaben die Rangers auch in diesem Spiel bis zum Ende nicht auf, hielt ihre starke Offensive sie, mit drei Treffern im Schlussdrittel zumindest auf dem Papier noch im Spiel, doch sind die letztendlich an diesem Abend kassierten sieben Gegentore eines Henrik Lundqvist, der nach zwei Dritteln des Spiel dann doch noch vom Coach erlöst wurde, nach 40 Minuten doch noch gegen Backup Magnus Hellberg ausgewechselt wurde, natürlich grundsätzlich unwürdig.

Mal davon abgesehen, dass sieben Tore für die Stars auch gleichzeitig einen neuen Saisonrekord dargestellt haben. Dies war ihnen zuvor seit Oktober noch nicht einmal gelungen. Und das nun ausgerechnet auswärts im MSG in Manhattan.

Zudem macht eine solch gigantische Anzahl von Gegentoren, wie sie die Rangers zuletzt gleich mehrfach mit dem erfahrenen Schweden im Kasten kassierte haben, das Siegen einem Team eben automatisch entsprechend schwer. Selbst einem durchgehend so gut besetztem NHL-Team wie den NY Rangers.

Es wird aus Sicht der New Yorker also wahrlich höchste Zeit, dass Lundqvist zu seiner gewohnten Form zurückfindet, seine aktuelle Negativspirale endlich durchbrechen kann.

Wie das allerdings konkret geschehen kann bzw. soll, das ist derzeit unklar. Zumal er eben eigentlich alle möglichen Tricks und Kniffe, bis hin zum Tausch der Ausrüstung, schon ausprobiert hat. Ohne durchschlagende Wirkung, wie der gestrige Abend gezeigt hat.

Nächste Chance für den Schweden dann vermutlich schon am Donnerstag. In Toronto. Auch nicht gerade ein Rangers-Pflichtsieg…

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