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Heatleys Punkte im Fokus in Minnesota

von Sean Gentille / NHL.com
Die Minnesota Wild haben einen linken Flügelspieler, der groß ist und etwas kann, der in seinem Team führt was Tore und Punkte angeht, der für Puckbesitz sorgt und dies alles gegen starke Gegner zeigt.
 
Das Problem ist, dass mit diesem Flügelspieler Dany Heatley gemeint ist. Er wurde vor der Saison von den San Jose Sharks geholt, mit dem erklärten Ziel, seine 40-Tore-Form auch in einer neuen Saison fortzuführen. Nach einem tollen Start, der die Wild noch im Dezember an die Spitze der Western Conference führte, sind die Wild mittlerweile sang- und klanglos aus dem Playoffplätzen verschwunden.
 
Heatley, 31, ist nach einem Eins gegen Eins Spielertausch mit den Sharks, bei dem der rechte Flügelspieler Martin Havlat nach San Jose geschickt wurde, in Minnesota angekommen. In seiner zweiten Saison bei den Sharks schoss er 26 Tore, die Saison ging mit einem verlorenen Finale in der Western Conference zu Ende. Heatley bemühte sich danach sehr, wieder an seine Form vergangener Tage mit zwei 50-Tore-Spielzeiten hintereinander bei den Ottawa Senators 2005/2006 und 2006/2007 anzuknüpfen.
 
Heatley, der in Deutschland geboren wurde, als sein Vater dort als Profi spielte, ging davon aus. Die Wild gingen davon aus.
 
„Als Torschütze und als Spieler möchte man einfach dieser Typ sein und die Erwartungen erfüllen“, erklärte Heatley Reportern nach dem Spielertausch.
 
In der Saison 2010/2011 plagten ihn verschiedene Verletzungen. Trotz einer gebrochenen Hand blieb er länger als einen Monat im Kader seines Teams.

 
„Letztes Jahr war für mich echt nicht so berauschend, aber ich freue mich darauf, bald wieder in Form zu sein“, so Heatley.
 
Der GM der Wild, Chuck Fletcher, erwarb Heatley zusammen mit dem Flügelspieler Devin Setoguchi, der in einem separaten Tausch aus San Jose kam, um den Sturm schlagkräftiger zu machen, weil dieser Mannschaftsteil in der Saison 2010/2011 einfach nicht oft genug den Puck ins gegnerische Netz brachte.
 
„Unsere Schwäche beim Toreschießen ist allseits bekannt. Unsere Unfähigkeit, den Puck zu schießen, ist allseits bekannt“, so Fletcher nach dem Tausch. „Wir haben nun zwei Spieler erworben, die gut zu den Spielern in unserem Team passen.“
 
Obwohl Heatley nicht gerade schlecht war – 20-Tore-Stürmer mit guten statistischen Werten wachsen nun nicht gerade auf den Bäumen – hat er die offen geäußerten Erwartungen von Fletcher dennoch nicht erfüllt.
 
Nach wie vor produziert Minnesota zu wenige Torschüsse, der Erfolg des Teams zu Saisonbeginn bleibt ein Rätsel. Als Heatley am 1. März sein 20. Saisontor erzielte, waren die Wild wieder an der Stelle wie in den Vorjahren angelangt: Letzter bei den Toren und Letzter bei den Torschüssen.
 
Das Problem kommt für jemanden, der Heatleys Karriere verfolgt hat, nicht von ungefähr: In welchem Maße trägt er persönlich die Schuld am Desaster seines Teams? In der Vergangenheit stellte sich diese Frage etwas anders. Bei den Sharks und Senators erhoffte man von ihm Titel, zumindest in einigen Bereichen. Bei den Wild wurde von ihm erwartet, das Team zum ersten Mal seit 2008 wieder in die Playoffs zu schießen. Aber trotz der volatilen Natur des Tabellenbildes in der Western Conference wird das 2012 nicht passieren.
 
Heatleys Schwäche beim Erzielen von Toren in dieser Saison liegt hauptsächlich an einem geringen Torschussprozentsatz. Seine 9,7 stellen den niedrigsten Wert seiner Karriere dar und bilden die Fortsetzung eines Abwärtstrends, der schon 2007/2008 bei den Senators begann, als sein Prozentsatz vom Topwert seiner Karriere 18,3 auf 15,1 sank. Und so ging's weiter: von 15,1 auf 13,9 in seiner ersten Saison bei San Jose, nachdem er einen Wechsel forderte. Dann von 13,9 auf 12,0.
 
Die Wild lassen Heatley aber gegen wesentlich schwierigere Konkurrenten antreten als die Sharks, die andere Stürmer wie Joe Pavelski und Logan Couture gegen bessere Gegner auf das Eis schickten.
 
Laut der Corsi QualComp-Statistik von behindthenet.ca, die Torschüsse auf das gegnerische Tor abzüglich der Torschüsse des Gegners auf das eigene Tor misst, sah sich Heatley ungefähr der zweitstärksten Konkurrenz unter den Stürmern Minnesotas ausgesetzt und der zwanzigstärksten Konkurrenz aller regulären NHL-Stürmer in der Saison 2011/2012.
 
In seiner letzten Saison bei den Sharks war Heatleys QualComp-Rang der sechste unter den Stürmern von San Jose und insgesamt sogar nur der 280. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass Heatley mehr Torschüsse als jeder andere Spieler der Wild produziert, bleibt er objektiv ein nützlicher Spieler und war in dieser Saison in einigen Bereichen besser als in der letzten.
 
Trotzdem ist er von seinem im Herbst erklärten Ziel, Tore auf höchstem Niveau zu erzielen, weit entfernt. Denn seinem Jahreseinkommen auf höchstem Niveau über 7,5 Millionen Dollar - sein Vertrag läuft bis zur Saison 2013/2014 und ist mit vier anderen der siebte höchstdotierte Vertrag in der NHL - sollten auch Leistungen auf höchstem Niveau gegenüberstehen.
 
„Ich mag es nicht, so zu reden, ‚Ich bin ja sooo motiviert‘“, sagte Heatley gegenüber Reportern der Minneapolis Star Tribune Anfang Oktober. „Man sieht es im Fernsehen immer wieder, wie der Boxer sagt ‚Ich bin so motiviert und in der Form meines Lebens‘, und dann wird er von seinem Gegner in der ersten Runde k.o. geschlagen.“
 
„Aber ja, in mir drin sieht es ganz sicher so aus. Ich möchte es allen zeigen, meinen neuen Teamkameraden, meiner neuen Stadt und den Fans, dass ich immer noch zu den Besten gehöre.“
 
Heatley ist möglicherweise nicht mehr der Spieler, der er einmal war. Die Frage, die sich den Wild stellt, ist jedoch, ob der Spieler, zu dem er geworden ist oder zu dem sie ihn gemacht haben, ausreicht.
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