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Turbulente Zeiten bei den Kölner Haien

Nach überraschender Draisaitl-Entlassung soll Lacroix das Team in Playoff-Form bringen

von NHL.com/de Autor @nhlde / Marc Rösch

Willkommen bei Outside the NHL. Während der Saison 2018/19 wird euch NHL.com/de jeden Samstag mit Einblicken und Stories über die Eishockey-Welt außerhalb der NHL versorgen. In dieser Ausgabe geht es um die Kölner Haie und den Wechsel hinter der Bande.

Es war ein völlig unerwarteter Schritt: Am Montag verkündeten die Bosse der Kölner Haie einen Trainerwechsel. Peter Draisaitl, der seit November 2017 die Geschicke hinter der Bande leitete, wurde von seinem Amt entbunden und an seiner Stelle Dan Lacroix verpflichtet. 

Auch weil sie so unverhofft kam, füllte die Meldung die Schlagzeilen. Immerhin waren die Haie doch vermeintlich voll im Soll: Der solide fünfte Platz in der DEL-Tabelle und die damit verbundene ziemlich sichere Playoff-Teilnahme dürften kaum den Ausschlag gegeben haben, dass die Haie-Verantwortlichen die Reißleine zogen.

"Wir sind davon überzeugt, dass ein Trainerwechsel in der jetzigen Situation und im Hinblick auf den Hauptrunden-Endspurt und die anstehenden Playoffs notwendig war, um das Team, trotz der ordentlichen Tabellensituation, sportlich weiterzuentwickeln", so der Tenor von Sportdirektor Mark Mahon in der offiziellen Pressemeldung. 

Die als "Weichenstellung" titulierte Maßnahme soll den Club sportlich mittel- bis langfristig in sichere Fahrwasser führen. Nicht auf ein Rangier- oder Abstell- sondern auf ein Hochgeschwindigkeitsgleis soll die umgelegte Weiche den Verein aus der Domstadt führen. 

Dass der neue Mann jedoch nur mit einem kurzfristigen Vertrag bis zum Saisonende ausgestattet wurde und parallel noch das litauische Nationalteam leitet, spricht nicht unbedingt für eine mittel- oder gar langfristige Lösung.

"Die Mannschaft braucht eine positive Ansprache, von der wir wissen, dass sie Dan Lacroix ans Team richten wird", führte Mahon in einem Nebensatz aus. "Dan Lacroix wird viel Wert auf Struktur in Training und Spiel sowie Kommunikation legen."

 

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Mahon unterstreicht vor allem Attribute, die generell zur Grundausstattung und Kernkompetenz eines modernen Trainers gehören sollten. Ein Seitenhieb also gegenüber dem scheidenden Ex-Coach Draisaitl, der mit einer förmlichen Grußformel verabschiedet wird. 

"Wir danken Peter Draisaitl ausdrücklich für seine erbrachten Leistungen und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute." - Ohne Aussage über die Qualität der erbrachten Leistungen. Ein Arbeitszeugnis also mit dem Prädikat ausreichend bis mangelhaft.

Doch unter Draisaitl war keinesfalls alles schlecht: Die Erinnerungen an die NHL Global Series am 3. Oktober, als die Haie vor 18.400 Zuschauern die Edmonton Oilers um Leon Draisaitl und Connor McDavid an den Rande einer Niederlage brachten und erst in der Verlängerung mit 4:3 verloren, bleiben unvergessen. 

Sicherlich war Draisaitl kein Garant für spektakulären Sport in der Rhein-Metropole. Es war kein schillerndes Eishockey, das der ehemalige deutsche Nationalspieler spielen ließ. Nur 108 erzielte Tore zeugen von einem nüchternen System der Marke ergebnisorientiert. Weniger Torerfolge hatten bis zum Zeitpunkt der Draisaitl-Entlassung nur die Kellerkinder Schwenningen, Wolfsburg und Berlin verbucht.

Dass die Haie dann auch noch beim DEL Winter Game 2019 40 Minuten lang erschreckend schwach spielten und dem ewigen Rivalen aus Düsseldorf unterlagen, war da nur Öl im Feuer.

Insoweit sollte der Trainerwechsel schon erste Früchte tragen. Immerhin sorgte Lacroix bei seinem Einstand am Donnerstag für einen nervenaufreibenden und spektakulären Eishockey-Abend. Die Kölner Lanxess Arena tobte, als die Haie einen frühen 0:3-Rückstand gegen die Pinguins Bremerhaven drehten und mit 5:4 nach Verlängerung gewannen. Es war Sport von jener Sorte, wie er lange von den Haie-Fans ersehnt wurde. 

"Zu Beginn waren wir sehr nervös und haben zu viel nachgedacht", erklärte Lacroix nach seiner Premiere. "Bremerhaven kam sprichwörtlich aus der Kabine geflogen, hat perfekt begonnen und wir waren 0:2 hinten bevor wir richtig auf dem Eis standen.

Am Sonntag geht es für Lacroix, der zuvor im Trainerteam der Montreal Canadiens, New York Rangers und Tampa Bay Lightning in der NHL tätig war, ins Sauerland. Dann gastiert er mit den Haien bei den Iserlohn Roosters.

Es wird für ihn und seine Spieler der zweite Versuch unter Wettbewerbsbedingungen, das neue System auszuprobieren. Vor allem schneller, offensiver und mit mehr Spielwitz als das von Draisaitl soll dieses sein.

"Er will ein etwas offensiveres System sehen. Wir waren mehr in der offensiven Zone, haben das Spiel sehr schnell gedreht, wollten so wenig wie möglich in der eigenen Zone sein", erklärte Stürmer Sebastian Uvira nach der Partie gegen Bremerhaven gegenüber dem Express. "Er ist sehr strukturiert, er hat sehr viel Tempo im Training, sehr viele Zweikämpfe, was ich sehr an ihm schätze."

Ein System, das den Spielern und Fans ein Lächeln aufs Gesicht zaubert und die Haie in den anstehenden Playoffs zum Erfolg führen soll.

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