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Gulutzan als ein Hoffnungsträger der Flames

von Bernd Roesch / NHL.com

Calgary ist eine eishockeyverrückte Stadt. Von September bis Mitte Juni sind die Calgary Flames das Tagesgespräch in der Millionenmetropole Albertas. Doch sobald in der National Hockey League der Stanley Cup Champion gekürt ist, beginnt auch bei vielen Fans der Flames die Vorfreude auf die Calgary Stampede, der größten Rodeo-Show der Welt, die jährlich ab dem ersten Freitag im Juli, gleich gegenüber dem Scotiabank Saddledome, der Heimspielstätte der Flames, ausgetragen wird.

In diesem Jahr sorgten zu Beginn der eishockeyfreien Zeit noch einmal die Flames für Schlagzeilen im Süden Albertas. Am vergangenen Freitag gab das Management der Flames bekannt, dass sie Glen Gulutzan zu ihrem 16. Chefcoach in ihrer Franchisegeschichte ernannt haben. Die Flames waren bis dahin das einzige Team in der NHL gewesen, das noch keinen Trainer unter Vertrag genommen hatte, nachdem sie am 3. Mai Bob Hartley seines Amtes enthoben hatten.

Die Spielzeit 2015/16 verlief für die Flames einem Rodeoritt gleich. Einigen Auf und Ab folgte mit dem Verpassen der Playoffs der endgültige Abwurf. Den sportlich Verantwortlichen blieb kaum eine andere Wahl, als auf ein neues Pferd zu setzen.

Drei Jahre lang hatten Management und Anhänger Geduld mit ihrer jungen Mannschaft gehabt, die sich in einem Umbruch befand. Als Hartley im Mai 2012 das Amt übernahm, hatte sich Calgary dreimal hintereinander nicht für die Playoffs qualifizieren können. Auch unter Hartley, der seinen größten Erfolg als Trainer 2001 bei den Colorado Avalanche mit dem Gewinn des Stanley Cup feiern konnte, blieben die Erfolge zunächst aus. Er sollte eine Mannschaft aufbauen, die erst in zwei, drei Jahren soweit sein sollte, dass sie wieder eine gewichtige Rolle in der Western Conference spielt.

Nach zwei 13. Plätzen im Westen in der Saison 2012/13 und 2013/14 zogen die Flames am Ende der regulären Spielzeit 2014/15 als achtplatzierte in die Stanley Cup Playoffs ein, wo sie erst in der zweiten Runde den Anaheim Ducks in fünf Spielen unterlagen. Diese erfolgreiche Saison weckte Hoffnungen, die im letzten Jahr nicht erfüllt werden konnten.

Hartley hatte junge Spieler, wie Center Sean Monahan oder Linksaußen Johnny Gaudreau an die Mannschaft herangeführt. Auch Center Sam Bennett, ein Erstrundenpick (Nr. 4) beim NHL Draft 2014, absolvierte mit 18 Toren und 18 Assists in 77 Partien eine gute Rookie-Saison. Hartley wurde aber nicht mehr zugetraut, dass er diese jungen Talente auf die nächste Stufe bringen kann. Das wird nun die Hauptaufgabe von Gulutzan sein, dessen Trainerkarriere einige Parallelen mit dem aktuellen Stanley Cup Champion Mike Sullivan, dem Coach der Pittsburgh Penguins, vorweist.

Beide Übungsleiter waren Assistenztrainer unter John Tortorella bei den Vancouver Canucks in der Saison 2013/14. Beide hatten zuvor ihren ersten NHL-Trainerposten nach bereits zwei Saisons verloren. Sullivan wurde nach der Spielzeit 2005/06 von den Boston Bruins entlassen und der 44-jährige Gulutzan wurde, nachdem ermit den Dallas Stars 2011/12 und 2012/13 zweimal die Playoffs verpasst hatte, seines Amtes enthoben.

Als Sullivan vergangene Woche der Stanley Cup überreicht wurde, ließ das Gulutzan nicht kalt. "Ich schöpfte Hoffnung und dachte daran, dass ich vielleicht auch eine zweite Chance bekäme. Als ich sah, wie er den Cup in die Höhe hievte und ich wusste, was er durchgemacht hatte, war es ein ganz besonderer Augenblick. Meine Familie und ich warteten ab, bis jeder den Cup in den Händen hatte, nur um Sully zu sehen."

Gulutzan hat in seiner Trainerkarriere auch schon erlebt wie es ist ein Finale zu bestreiten. Als Trainer des Las Vegas Wranglers (ECHL) stand er 2007/08 im Endspiel um den Kelly Cup und 2009/10 erreichte er mit den Texas Stars (AHL) das Calder Cup Finale. Beide Serien gingen verloren, doch Gulutzan bleiben sie dennoch in guter Erinnerung: "Ich wünschte ich könnte diese Finale jetzt bestreiten, als ein Trainer, wie ich heutzutage einer bin. Ich war jung und hatte noch nicht die Erfahrung. Aber solche Mannschaften [mit denen man ein Finale erreicht] sind immer etwas Besonderes. Wir hatten nicht die besten Spieler in diesen Teams, doch sie waren nahe daran. Und so etwas möchten wie hier auch in Calgary aufbauen."

Beim Rodeo gibt es eine Disziplin die heißt Break Away Calf Roping (Kälberfangen). Gulutzans erste Aufgabe in der Stadt der Cowboys wird es sein, beim NHL Draft 2016, der am 24. und 25. Juni im First Niagara Center von Buffalo abgehalten wird, jene Nachwuchsspieler auszuwählen, die den Flames in der Zukunft helfen können, dass sie wieder zu alten erfolgreichen Zeiten zurückfinden.

Gulutzan darf man auf jeden Fall zutrauen, und es ist ihm zu wünschen, dass er möglichst lange im Sattel bleibt.

Die Eishockeyfans in Calgary träumen davon, dass irgendwann, wenn im Juni in der NHL ein Titelträger gekürt wurde, die kommende Parade, die in ihrer Stadt stattfindet, nicht jene der Stampede, sondern wie 1989, die des Stanley Cup Champions sein wird.

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