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Grubauer wird auf harte Geduldsprobe gestellt

Suche nach künftigem Arbeitgeber zieht sich in die Länge - Capitals unterbreiten höheres Angebot

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

Auf eine harte Geduldsprobe wird derzeit Philipp Grubauer gestellt. Die Suche des Goalies nach einem zukünftigen Arbeitgeber in der NHL zieht sich länger hin als ursprünglich gedacht. Gespräche mit potenziellen Interessenten laufen schon länger, eine Vollzugsmeldung gibt es bis dato aber nicht. Der Vertrag des 25-jährigen Rosenheimers bei den Washington Capitals läuft aus. Auf eine Verlängerung hat er sich bisher nicht eingelassen. Er ist die jahrelange Rolle als Backup für Braden Holtby leid und hofft andernorts auf eine Bewährungschance als Nummer eins. "Es ist an der Zeit, irgendwo diese Gelegenheit zu bekommen", sagte er dieser Tage der Süddeutschen Zeitung.

In Verbindung gebracht wurde Grubauer in den vergangenen Wochen häufig mit den Vegas Golden Knights. Deren General Manager George McPhee hatte den Deutschen während seiner Washingtoner Zeit zu den Capitals geholt. Die neue Franchise aus Nevada verfolgte aber andere Pläne und entschied sich für Marc-Andre Fleury von den Pittsburgh Penguins. Der mehrfache Stanley-Cup-Gewinner soll Star-Glamour nach Las Vegas mitbringen. Damit ist klar, dass die übrigen Torleute der Golden Knights nur wenig Einsatzmöglichkeiten bekommen werden.

Video: LAK@WSH: Grubauer stoppt Gaborik, holt sich den Puck

Komplett vom Tisch muss ein Wechsel von Grubauer nach Las Vegas trotzdem nicht sein. Vor allem zum Zweck eines unmittelbar folgenden Trades von dort zu einem anderen Verein wäre ein solcher Schritt durchaus denkbar. Allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schachzug mit jedem Tag. Denn der Kader der Golden Knights ist durch einige Deals seit dem Expansion Draft inzwischen nahezu komplett. Als ausgeschlossen gilt, dass Grubauer in Las Vegas jenen Platz in der zweiten Reihe einnimmt, den er in Washington aufzugeben gedenkt.

Das plausibelste Szenario ist daher ein Transfer von den Capitals zu einem Klub, bei dem er als neue Nummer eins eingeplant ist oder sich zumindest mit einem Konkurrenten ein offenes Duell um diese Position liefern kann. Allerdings ist die Zahl der NHL-Vereine mit diesem Profil recht überschaubar. Am ehesten kommen die Philadelphia Flyers oder die Vancouver Canucks in Frage.

In Philadelphia scheint die Zeit von Schlussmann Steve Mason abzulaufen. Bliebe Michal Neuvirth, mit dem die Flyers kürzlich um zwei Jahre verlängert haben. Bei den Verantwortlichen des Teams gilt der Tscheche jedoch nicht als gesetzt für den Stammplatz im Tor. Von daher würde das Team aus der Eastern Conference hervorragend in Grubauers Anforderungsschema passen.

Ähnliches gilt für Vancouver. Die Canucks wollen Jakob Markstrom langfristig als Nummer eins aufbauen. Sein aktueller Kontrakt mit der Mannschaft aus dem Westen Kanadas läuft drei Jahre. Der Schwede hat in seiner bisherigen Laufbahn jedoch nie mehr als 33 Saison-Spiele gemacht hat. Aus diesem Grund wäre es riskant, ohne einen gleichwertigen Schlussmann an seiner Seite in die kommende Spielzeit zu gehen. Da der Vertrag von Goalie Ryan Miller ausläuft, ist dieser Posten vakant. Ob Grubauer dafür in Betracht kommt, ist von den Finanzen abhängig. Vermutlich ist es für die Canucks aber günstiger, mit Miller einen neuen Vertrag mit kurzer Laufzeit abzuschließen.

Die Capitals ihrerseits möchten ihre aktuelle Nummer zwei zwischen den Pfosten gerne behalten. General Manager Brian MacLellan kündigte im Gespräch mit NHL.com an, dass er Grubauer auf jeden Fall ein Angebot zu verbesserten Konditionen unterbreiten wird. Zuletzt hatte er einen Zweijahresvertrag, der ihm pro Spielzeit 750.000 US-Dollar einbrachte. Die sportliche Leitung weiß nur zu gut, dass die Suche nach einem gleichwertigen Ersatz für den Deutschen kein einfaches Unterfangen darstellt.

Video: PHI@WSH: Grubauer hält das Spiel torlos

Grubauer kam in der abgelaufenen Saison zu 25 Einsätzen bei Washington, einem davon in den Playoffs. 19mal stand er in der Startformation. Dreimal gelang ihm ein Shutout. Die Capitals hatten ihn beim NHL Draft 2010 in der vierten Runde an Position 112 ausgewählt. Sein NHL-Debüt feierte er am 27. Februar 2013 in der Partie gegen Philadelphia. Dabei spielte er 25 Minuten und blieb ohne Gegentreffer. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat Grubauer in seiner NHL-Laufbahn insgesamt 68 Begegnungen inklusive Playoffs bestritten, alle im Trikot der Capitals.

Bei der IIHF-Weltmeisterschaft in diesem Jahr hatte er mit starken Darbietungen großen Anteil daran, dass die deutsche Nationalmannschaft ins Viertelfinale einzog. Nach der knappen Niederlage und dem Ausscheiden gegen Kanada lobte Bundestrainer Marco Sturm seinen Keeper in den höchsten Tönen. Er hofft, dass Grubauer künftig in der NHL viel mehr Einsatzmöglichkeiten bekommt. "Nichts gegen Washington - aber ich wünsche mir, dass Grubi vielleicht von dort wegkommt und woanders spielt. Er hat seit jeher das Zeug dazu, eine Nummer eins zu sein", sagte er gegenüber den Medien. Grubauers Leistungen während der Weltmeisterschaft und Sturms Einschätzung dürften auch in der NHL aufmerksam registriert worden sein.

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