Skip to main content

Goldenes Zeitalter der Penguins

Mit der Titelverteidigung ist Pittsburgh die erfolgreichste Franchise der vergangenen Jahre

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

PITTSBURGH - Die Pittsburgh Penguins haben einmal mehr NHL-Geschichte geschrieben. Sie sind die erste Mannschaft seit 1998, die den Stanley Cup erfolgreich verteidigt hat. Zuletzt war dies den Detroit Red Wings gelungen. Drei Titelgewinne und eine Finalteilnahme machen die Penguins zur erfolgreichsten Franchise der Liga in den vergangenen zehn Jahren. Darüber hinaus waren sie in diesem Zeitraum jedes Mal in den Playoffs vertreten. Nicht wenige sprechen deshalb von einer goldenen Ära, die durchaus noch eine Weile anhalten könnte.

Auf der Liste jener Teams, denen die Titelverteidigung in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten missglückte, befindet sich allerdings auch Pittsburgh. Nach dem Triumph von 2009 hatte man den Penguins ebenfalls zugetraut, den Erfolg im folgenden Jahr zu wiederholen. Die Vorzeichen schienen seinerzeit günstig. Die drei Superstars Sidney Crosby, Evgeni Malkin und Marc-Andre Fleury waren beim Start der folgenden Saison noch unter 25 Jahre alt und hatten - so die einhellige Meinung - ihre große Zukunft mit vielen Titeln erst noch vor sich. Doch es kam anders. Schwere Verletzungen von Crosby, enttäuschende Darbietungen in Playoffs und zwei Trainerwechsel sorgten für Ernüchterung.

Nach den ersten zwei Monaten der Spielzeit 2015/16 schien sich das Zeitfenster hinsichtlich weiterer Championate für das Trio endgültig geschlossen zu haben. Die Penguins krebsten in hinteren Tabellenregionen herum und drohten die K.o.-Runde zu verpassen. Der seit 2014 amtierende General Manager Jim Rutherford enthob daraufhin Coach Mike Johnston seines Amtes und ersetzte ihn durch Mike Sullivan, der bis zu diesem Zeitpunkt das Penguins-Farmteam Wilkes-Barre/Scranton trainiert hatte. Ein genialer Schachzug, wie sich bald herausstellen sollte.

Sullivan holte junge Spieler aus der Reserve ins NHL-Team und formte aus ihnen und dem übrigen Kader eine verschworene Einheit. Damit sorgte er zugleich dafür, dass Pittsburghs Wohl und Wehe nicht länger allein von Crosby und Malkin oder Fleury abhing. Das Konzept ging auf. Gerade Akteure wie Phil Kessel, Justin Schultz, Bryan Rust, Jake Guentzel. Trevor Daley, Conor Sheary, Patric Hornqvist, Nick Bonino, Matt Murray oder Tom Kuhnhackl haben ihren ganz persönlichen Anteil an den Cup-Siegen in den vergangenen zwei Spielzeiten. Das trifft auch auf die zwei altgedienten Routiniers wie den 40-jährigen Matt Cullen und den 37-jährigen Chris Kunitz sowie Verteidiger Kris Letang zu. Der hatte im sechsten Match der letztjährigen Finalserie gegen die San Jose Sharks das entscheidende Tor erzielt.

"Ich glaube, dass die Entschlossenheit und die Stabilität zu unseren großen Stärken gehören", sagte Sullivan gegenüber Medienvertretern. Genau daran hatte es dem Team in der titellosen Zeit zwischen 2010 und 2015 gefehlt. Das war der Grund, warum die Penguins in Playoffs gegen schwächer eingestufte Gegner häufig den Kürzeren zogen.

Inzwischen hat es die Mannschaft längst verinnerlicht, dass Titel in der NHL nicht selbstverständlich sind, sondern immer wieder neu erkämpft werden müssen. Sollte es der ein oder andere Akteur doch einmal vergessen, wird Coach Sullivan ihn umgehend daran erinnern. Disziplin und Einsatzbereitschaft sind Tugenden, die er bedingungslos einfordert. Wer sie vermissen lässt, findet sich schon mal zu einer Denkpause auf der Tribüne wieder.

Kapitän Crosby bezeichnet die Ausgeglichenheit innerhalb des Kaders als entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz. "Wenn jemand ausfiel, ist immer einer in die Bresche gesprungen und hat einen guten Job gemacht. Egal wo er gerade gebraucht wurde. Wir wussten, dass wir uns aufeinander verlassen können", sagte der dreifache Stanley-Cup-Champion.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der jüngsten Erfolgsära der Penguins besitzt General Manager Rutherford. Auf seine Initiative gingen 2015/16 die Transfers von Bonino, Cullen, Eric Fehr und Kessel, Carl Hagelin und Trevor Daley zurück. Im Rahmen der Trade Deadline im Frühjahr 2017 holte er unter anderem Verteidiger Ron Hainsey. All die genannten Verpflichtungen erwiesen sich als Volltreffer.

Penguins-Präsident David Morehouse war so angetan, dass er den Vertrag nach dem Triumph von 2016 mit Rutherford bis 2019 verlängerte. "Er hat alles, was er in den Gesprächen mit uns skizziert hat, in die Tat umgesetzt", lobte ihn der Klub-Boss im vergangenen Sommer. Nach der gelungenen Titelverteidigung dürfte Morehouse seinem General Manager endgültig ein Denkmal auf dem Franchise-Gelände setzen.

Überglücklich zeigte sich Penguins-Eigner Mario Lemieux am Sonntagabend nach dem Triumph in Nashville. "Wir haben in den vergangenen zehn Jahren Großartiges geleistet. Die drei Stanley-Cup-Siege als Funktionär bedeuten mir unglaublich viel. Schließlich habe ich dieses Erfolgsteam gemeinsam mit dem Management und dem Trainerstab gebaut. Darauf bin ich stolz", sagte er nach dem Match. Ausdrücklich bedankte er sich bei Rutherford und Sullivan für ihren Beitrag.

"Bei der Qualität der Liga ist es wirklich etwas Spezielles, den Pokal zweimal in Folge zu gewinnen", betonte Lemieux. Insgesamt sind für die Penguins nun fünf Stanley-Cup-Siege in den Annalen verzeichnet. Der entscheidende Sieg in den Finalserien gelang ihnen dabei immer auswärts. "Dieses Jahr wollten wir es eigentlich zu Hause zu Ende bringen. Aber die Feier mit den Fans ist ja nur kurz aufgeschoben", meinte der Klubchef mit einem Schmunzeln.

Nach dem Doppeltriumph in den zurückliegenden beiden Spielzeiten zählen die Penguins endgültig zu den erfolgreichsten Klubs der jüngeren NHL-Geschichte. Und vieles spricht dafür, dass das goldene Hockey-Zeitalter in Pittsburgh längst noch nicht vorbei ist.

Video: Pens erneut Stanley Cup Champion durch 2-0 Sieg

Mehr anzeigen