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Golden Knights werden sich entwickeln müssen

Die Historie lehrt, dass die Spieler aus dem Expansion Draft alleine keinen Erfolg liefern

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Ein Expansion Draft in der NHL ist stets eine spannende Angelegenheit für die Managements, Spieler und Fans. So auch in diesem Jahr, als vergangene Nacht die Vegas Golden Knights als 31. Team der NHL von jeder Mannschaft einen Spieler für ihren neuen Kader aussuchen durften.

Golden Knights General Manager George McPhee zeigte sich erfreut über die Zusammenstellung und wähnt eine wettbewerbsfähige Mannschaft auf die Beine gestellt zu haben. In der Tat ist die Auswahl verglichen mit den vorherigen elf Expansion Drafts, die es in der Geschichte der NHL gab, vielversprechend. Der Vergleich mit der Historie zeigt aber auch, dass der Expansion Draft nicht das letzte Wort ist.

Einige der ausgewählten Spieler haben in der Vergangenheit nie ihren Dienst für den neuen Arbeitgeber angetreten. Sie wurden in der Folgezeit noch gegen andere Spieler oder Draft Züge abgegeben. Diese Vorgehensweise zieht sich durch alle bisherigen Expansion Drafts und kann auch in diesem Jahr passieren.

So sind die Golden Knights berechtigt, sich auf dem Free Agents Markt, also nach den Spielern mit auslaufenden Verträgen, umzusehen. Für das Management wird es in den Überlegungen außerdem wichtig sein, welche jungen Spieler beim NHL Draft 2017 am Freitag und Samstag in Chicago gesichert werden können. Neben ihrem eigenen Zug an sechster Stelle, haben sie noch die beiden an 13. und 15. Stelle erworben, insofern insgesamt drei Auswahlmöglichkeiten in der 1. Runde.

Durch diese Konstellation wird der Kader zwangsläufig bis zum Saisonstart noch Veränderungen erfahren. Ein Blick zurück lehrt, dass weniger die im Expansion Draft ausgewählten Spieler, sondern gerade die Draft Züge und die Verpflichtungen in den kommenden Jahren mehr Einfluss auf den Erfolg einer neuen Mannschaft haben.

Das kurzfristig erfolgreichste Expansion Team waren 1979 die Edmonton Oilers, die bereits in ihrem vierten Jahr ins Stanley Cup Finale einziehen und im fünften und sechsten Jahr den Stanley Cup gewinnen konnten. Allerdings waren die Oilers kein komplett neues Team und kamen aus der WHA.

Trotzdem waren das Geheimnis des Erfolges in Edmonton weniger die im Expansion Draft ausgewählten Spieler, sondern die Verpflichtungen von Spielern wie Mark Messier, Glenn Anderson, Jari Kurri, Paul Coffey, Kevin Lowe, Grant Fuhr oder Andy Moog in der Folgezeit.

Bereits in der dritten Saison, ein Jahr früher als die Oilers, zogen die Florida Panthers, aufgenommen in die NHL im Jahr 1993, in das Stanley Cup Finale 1996 ein, unterlagen dort aber der Colorado Avalanche glatt in vier Spielen.

Ein Schlüsselspieler des Erfolges war Torhüter John Vanbiesbrouck, den sie im Expansion Draft von den Vancouver Canucks losgeeist hatten. Aber auch Scott Mellanby (von den Oilers), Tom Fitzgerald (von den New York Islanders) oder Bill Lindsay (von den Quebec Nordiques) hatten einen großen Anteil am Gewinn der Eastern Conference Meisterschaft.

Ähnlich gut aus dem Expansion Draft 2000 kamen die Minnesota Wild, die in ihrem dritten Jahr ins Western Conference Finale 2003 einzogen und dort den Mighty Ducks of Anaheim mit 0-4 unterlagen. Sie warten jedoch wie die Panthers bis heute auf einen ähnlichen Erfolg.

Ansonsten zeigt die Vergangenheit, dass Expansion Teams Jahre oder Jahrzehnte benötigen, um überhaupt ein ernstes Wort mitreden zu können. Bestes Beispiel sind die Nashville Predators, die in diesem Jahr erstmalig, 19 Jahre nach ihrem Einstieg in die NHL, im Stanley Cup Finale vertreten waren.

Bis zum Gewinn des Stanley Cups ist es ein langer harter Weg. Nach Edmonton gelang es den Islanders im achten Jahr ihres Anfangs (aufgenommen 1972 / Stanley Cup Sieg 1980) den großen Triumph perfekt zu machen. Anaheim benötigte 14 Jahre (1993/2007), die Atlanta Flames bzw. Calgary Flames (1972/1989), ebenso wie die Quebec Nordiques bzw. Colorado Avalanche 17 Jahre (1979/1996), die Kansas City Scouts bzw. Colorado Rockies bzw. New Jersey Devils 21 Jahre (1974/1995), die Tampa Bay Ligntning 22 Jahre (1992/2004), die Pittsburgh Penguins 24 Jahre (1967/1991), die Hartford Whalers bzw. Carolina Hurricanes 27 Jahre (1979/2006), die Minnesota North Stars bzw. Dallas Stars 32 Jahre (1967/1999) und die Los Angeles Kings sogar 45 Jahre (1967/2012).

Andere hinzugekommene NHL Mannschaften warten bis heute auf den Coup, am längsten die Philadelphia Flyers (aufgenommen 1967) und die St. Louis Blues (1967) seit bereits 50 Jahren, die Buffalo Sabres (1970) und Vancouver Canucks (1970) seit 47 Jahren, die Washington Capitals (1974) seit 43 Jahren, sowie die Winnipeg Jets bzw. Phoenix Coyotes (1979) seit 38 Jahren.

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