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Zuzuschauen ist für Fiala härter als Mitzuspielen

Der verletzte Schweizer Stürmer der Predators ist nervöser als wenn er selbst auf dem Eis stehen würde

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

NASHVILLE - Einigen Pressevertretern, die jeden Tag die Umkleidekabine der Nashville Predators betreten ist es bereits aufgefallen, andere gehen im Gedanken an ihre Geschichten und auf der Jagd nach Zitaten von Spielern vor Spiel 6 im Stanley Cup Finale 2017 gegen die Pittsburgh Penguins achtlos daran vorüber.

Am Eingang hängt eine Schweizer Fahne voll mit Kommentaren von Nashville Fans, die Kevin Fiala viel Glück und eine gute Genesung wünschen. Der 20-jährige Schweizer befand sich in seiner ersten richtigen NHL-Saison mit 54 Spielen in der regulären Saison, in denen er elf Tore erzielen und fünf weitere vorbereiten konnte.

In den Playoffs sorgte er mit zwei Toren in der Serie der ersten Runde gegen die Chicago Blackhawks, insbesondere durch seinen Siegtreffer in der 17. Minute der Verlängerung von Spiel 3 für einen Paukenschlag. Dann die Ernüchterung, als er im ersten Spiel der zweiten Runde gegen die St. Louis Blues in der 22. Minute von Robert Bortuzzo an der Bande gecheckt wurde und sich den Oberschenkelknochen brach.

"Es war kein gutes Gefühl", sagte Fiala am Samstag im exklusiven Interview mit NHL.com/de. "Ich habe nicht gewusst, wie schlimm es ist. Da hast du noch die Hoffnung, aber spätestens im Krankenhaus hatte ich dann Gewissheit."

Die Diagnose der Ärzte war niederschmetternd, doch der junge Stürmer bekam sofort sehr viel Mitgefühl. "Von der Mannschaft, den Fans und den Trainern habe ich sehr viel Unterstützung erfahren", erzählte Fiala. "Ich bin sehr dankbar dafür und das hilft mir besser damit klarzukommen."

Dutzende von Briefen und Kinderzeichnungen mit Genesungswünschen, sowie eben die besagte Schweizer Fahne trafen bei den Predators ein, um Fiala alles Gute zu wünschen. Als er sich während Spiel 6 des Western Conference Finales gegen die Anaheim Ducks zusammen mit dem verletzten Ryan Johansen dem Publikum in der heimischen Bridgestone Arena präsentierte, war der Jubel der Fans geradezu frenetisch.

Trotzdem fällt es Fiala schwer von außen zusehen zu müssen. "Es ist nicht gerade das Schönste", sagte er. "Ich würde sehr gerne spielen, aber so muss ich die Mannschaft jetzt von außen unterstützen, indem ich mich versuche einzubringen. Das ist das Einzige, was ich machen kann."

Hätte er erwartet, dass die Reise von Nashville bis ins Stanley Cup Finale gehen würde? "Wir waren schon während der Saison gut drauf, obwohl nicht immer alles optimal lief", erwiderte Fiala. "Es war natürlich nicht unbedingt zu erwarten, dass wir ins Stanley Cup Finale kommen, aber jetzt stehen wir zwei Siege vor dem großen Gewinn. Das macht einen schon sehr stolz."

Fiala fiebert auch mit seinen Landsleuten Roman Josi und Yannick Weber mit, die in der Verteidigung ihr Bestes geben, um den Stanley Cup in die Schweiz zu bringen. "Roman und Yannick sind eine große Unterstützung für mich", sagte er. "Beide kennen sich in der NHL richtig gut aus und haben mir viel geholfen Fuß zu fassen. Wenn ich eine Frage habe, dann weiß ich mich, wo ich mich hinwenden kann."

Doch während die beiden unten auf dem Eis gegen Sidney Crosby und Co. um jeden Puck kämpfen, muss Fiala tatenlos zusehen und das fällt schwerer, als selbst dabei zu sein. "Ich bin immer nervös und um einiges nervöser, wenn ich zuschauen muss, weil ich nicht helfen kann und du die Nervosität vergisst, wenn du spielst und konzentriert bist", sagte er.

Video: CHI@NSH, Sp3: Fiala bezwingt Crawford in der Overtime

Optimistisch zeigt sich Fiala angesichts der Prognose über den Heilungsprozess. "Mir geht es jeden Tag besser", schilderte er. "Das ist für mich das Wichtigste. Es ist noch nicht klar, wie lange ich noch brauche, aber ich hoffe bis zum Saisonstart wieder fit zu sein."

Als Stanley Cup Sieger zurückzukommen würde die Rehabilitation noch einfacher machen, auch wenn der Weg dahin nach der Niederlage in Spiel 5 ein weiter ist.

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