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Fünf Schlüssel für Spiel 7: Bruins-Blues

Im Alles-oder-Nichts-Spiel werden die erste Führung, Fehler und Kaltschnäuzigkeit entscheidend sein

von Stefan Herget @NHLde / NHL.com/de Chefautor

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (2 Uhr MESZ; live auf NHL.tv, Sport1+, DAZN, Teleclub Sport) steigt die siebte Begegnung im Stanley Cup Finale 2019 zwischen den Boston Bruins als Meister der Eastern Conference und den St. Louis Blues, dem Champion der Western Conference. Die Serie steht 3:3-Unentschieden und das alles entscheidende Spiel im Kampf um den Stanley-Cup-Sieg findet im TD Garden von Boston statt. NHL.com/de schaute vor jedem Spiel der Serie auf die fünf Schlüssel zu einem Erfolg, so auch vor Spiel 7. 

1. Schlüssel: Heimvorteil der Bruins?

Bisher gab es für beide Mannschaften in der Serie jeweils nur einen Heimsieg und zwei Auswärtssiege. Ein Heimvorteil war nicht zu erkennen und das liegt vielleicht zum großen Teil daran, dass die vor den eigenen Fans spielende Mannschaft deutlich mehr Druck verspürt. Das fällt in Spiel 7 zunächst einmal weg, weil beide Teams den Sieg brauchen, um den Triumph zu feiern, doch die Erwartungen liegen jetzt eindeutig auf der Seite der Bruins, die die Enttäuschung ihrer Fans im Falle des Scheiterns hautnah spüren würden. Die Playoff-Bilanz der Blues in diesem Jahr in den fremden Stadien liegt bei beeindruckenden neun Siegen und drei Niederlagen. In den 16. Finalen der Geschichte über die volle Distanz zuvor gewann das Heimteam zwölf Mal, allerdings in den letzten beiden Serien siegten mit den Pittsburgh Penguins (bei den Detroit Red Wings) in 2009 bzw. den Bruins (bei den Vancouver Canucks) in 2011 die Auswärtsmannschaft. Seit der Einführung des Best-of-7-Formats in den Stanley Cup Playoffs im Jahr 1939 gab es insgesamt über alle Runden 177 Mal eine Entscheidung im letzten und alles entscheidenden Spiel. Die Heimmannschaften haben zu 58,7 Prozent (104-73) gewonnen.   

 

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2. Schlüssel: Kaltschnäuzigkeit und Fehlerminimierung

Es ist zwar abgedroschen, doch in Wahrheit in solchen Spielen große Faktoren. Wer von beiden Teams es schafft, ausgeglichener in die Partie zu gehen ohne viel nachzudenken, also die entsprechende Kaltschnäuzigkeit in den Abend legt, der wird zu großer Wahrscheinlichkeit den Sieg davontragen. Unbändiger Wille und herausragender Einsatz werden zudem den Unterschied machen. Zwar erwartet man das von jedem Beteiligten auf dem Eis und wird es sicher auch ausnahmslos gezeigt bekommen, doch über 60 Minuten oder vielleicht auch mehr, wird sich das Team durchsetzen, das konzentrierter agiert und weniger Fehler macht: Seien es Puckverluste, falsche Entscheidungen oder Fehlpässe. Kleinigkeiten werden nach einer langen Saison den Ausschlag geben, aber so ist es nun mal, wenn sich am Ende der Triumph oder das denkbar knappe Scheitern auf ein einziges Spiel herunterbricht. 

3. Schlüssel: Zeit für Helden

Das Stanley Cup Finale geht zum 17. Mal ins Spiel 7. Es ist die Zeit der Helden, die durch einen Auftritt, ein Tor, eine gelungene Aktion oder eine Rettungstat unsterblich werden können. Und nicht immer sind es die großen Namen die in einem siebten Spiel glänzen. Schon häufig wurden Spieler aus den hinteren Reihen zu unbesungenen Helden. 2011 beim 4:0-Sieg von Boston in Vancouver waren Patrice Bergeron und Brad Marchand zwar zwei Stars mit jeweils zwei Toren die Matchwinner, aber unvergessen auch der 37-Save-Shutout von Torhüter Tim Thomas oder die zwei Assists vom deutschen Verteidiger Dennis Seidenberg, der nicht gerade als Offensivwunder galt. Im Finale 2003 und dem 3:0-Sieg der New Jersey Devils gegen die Anaheim Ducks schoss Mike Rupp sein erstes Playoff-Tor überhaupt zum wichtigen 1:0. Es war das einzige Championship-Tor in der Geschichte, das als erstes überhaupt in einer Karriere erzielt wurde. 2001 waren es nicht Peter Forsberg oder Joe Sakic, sondern Alex Tanguay war es, der unverhofft mit zwei Toren den Auftakt zum 3:1-Sieg und den Stanley Cup Gewinn der Colorado Avalanche gegen die Devils in Spiel 7 legte. Also Zeit für Helden Geschichte zu schreiben, was den Moment für die Aktiven nur noch größer werden lässt.  

Video: Marchand hämmert, McAvoys Save auf Torlinie

4. Schlüssel: Erste Führung

Gerade Spiel 6 hat wieder gezeigt, wie wichtig die Führung für eine Mannschaft ist. Besonders für St. Louis, die mit ihrer geschickten und physischen Defensivarbeit es den Bruins schwer machen, zurückzukommen. Mit einer Führung im Rücken tat sich Boston in der bisherigen Serie wesentlich leichter, als einem Rückstand hinterher zu laufen. Demzufolge wird es auch und besonders in Spiel 7 ein wichtiger Aspekt, wer in Führung gehen wird. Natürlich ist es keine Garantie, die Begegnung dann zu gewinnen, doch aus einem Vorsprung heraus, lässt es sich besser agieren. Die Bilanz für die Mannschaften, die zuerst trafen, liegt in den siebten Spielen über alle Runden hinweg bei 131 zu 46, das entspricht einer Gewinnquote von 74 Prozent. In den Finalen steht es 11 zu 5, also 68,8 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass das 1:0 keine Garantie für einen Sieg gibt, doch auffällig ist, dass in den letzten sieben Stanley Cup Finalen, die bis ins Spiel 7 gingen (1994, 2001, 2003, 2004, 2006, 2009, 2011), dort das Team gewann, das zuerst traf. Zuletzt verloren die Philadelphia Flyers im siebten Spiel 1987 gegen die Edmonton Oilers, obwohl sie das erste Tor erzielten, mit 3:1.

5. Schlüssel: Erfahrung

Über allen den genannten und nicht genannten Faktoren steht die Erfahrung. Diese sollte einem helfen, alle Umstände und Begleiterscheinungen auszublenden, rauszugehen und das Spiel zu gewinnen. Die Bruins haben hierbei den großen Vorteil, dass sie mit Bergeron, Zdeno Chara, Tuukka Rask, Marchand und David Krejci Spieler in ihren Reihern haben, die diese Situation schon erlebten und ihr gewachsen sein sollten. Das spielt mit Sicherheit eine Rolle. Allerdings haben sie den Sieg 2011 im siebten Spiel auswärts errungen, wo die Außenwirkungen und die damit verbundene Ablenkung in der Konzentration weniger groß sind, als wenn man in einer sportverrückten Stadt zu Hause spielt. Alleine auf dem Weg zum Stadion werden die Einflüsse für die Bruins größer sein als für die Blues. St. Louis hat vor Spiel 6 ähnliches erlebt und ist gescheitert. Natürlich kann und darf man es nicht daran festmachen, aber die Favoritenbürde und die Erwartungen liegen jetzt eindeutig bei den Bruins, wenngleich auf St. Louis nach 52 Jahre ohne Stanley Cup die Last des endlich Gewinnen Wollens liegt. Doch die Wahrheit liegt wie immer auf dem Eis. Lasst das Spiel beginnen!

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