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Fortuna lässt die Blues im Stich

Leichte Scheibenverluste und Pech brechen St. Louis das Genick in Spiel 1 bei den San Jose Sharks

von Christian Treptow @NHLde / NHL.com/de Autor

"Zuerst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu." Jürgen Wegmann, ehemaliger Stürmer in Diensten des FC Bayern München hat die Situation mal treffend auf den Punkt gebracht. Es gibt solche Spiele, da läuft einfach nichts zusammen bei einer Mannschaft. Man kann machen und tun, aber irgendwie denkt sich Glücksgöttin Fortuna: "Heute sind mal nur die anderen dran."

So in etwa erging es den St. Louis Blues in Spiel 1 des Finales der Western Conference in den Stanley Cup Playoffs. Bei der 3:6-Niederlage gegen die San Jose Sharks lief wahrlich nicht viel zusammen für das Team aus Missouri. Das fing schon früh an, als sich Alex Pietrangelo, in der bisherigen K.o.-Runde ein Muster an Beständigkeit und Zuverlässigkeit, in der neutralen Zone übertölpeln und umrennen ließ. Den folgenden Konter schloss Logan Couture eiskalt zum 1:0 für die Kalifornier ab. Couture führt mit elf Treffern und 17 Scorerpunkten insgesamt sowohl die Torjäger- als auch die Scorerliste der NHL in den Playoffs an.

 

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Das hätten die Blues vielleicht noch kompensieren können. Aber auch in der Folge war ihnen das Glück nicht gerade hold. Beim 2:1 der Sharks Durch Joe Pavelski - St. Louis war gerade in Unterzahl - war zwar kurz zuvor noch ein Stock der Blues dazwischen. Die Sharks hielten den Puck aber in der Angriffszone und kamen zum Torerfolg. 

Das 4:2 der Sharks leitete Blues-Verteidiger Colton Parayko ein. Er ließ sich an der eigenen blauen Linie den Puck in der Vorwärtsbewegung von Logan Couture abjagen. Der Schweizer Timo Meier ließ sich die Chance nicht entgehen. Und falls noch jemand daran zweifeln sollte, dass bei den Blues an diesem Abend aber auch gar nichts zusammenlaufen wollte, genügt ein Blick auf den fünften Treffer der Sharks. Der Schuss von San Joses Verteidiger Marc-Edouard Vlasic ging weit am Tor vorbei. 

Den von der Bande abprallenden Puck nahm Meier auf. Und über den Umweg von Blues-Verteidiger Vince Dunns Schlittschuh und den Rücken von Goalie Jordan Binnington fand der Schuss des Schweizers den Weg über die Torlinie. Binnington kam nur auf 19 Saves. Pietrangelo sprach nach der Partie von "ein paar unglücklichen Abprallern". 

Wenn sich Fortuna beim nächsten Spiel der Serie wieder komplett auf die Seite der Kalifornier schlägt, dann können die Blues sicher sein, dass man so viel Pech nicht zweimal hintereinander haben kann. Eine andere Sportweisheit sagt aber auch, dass man sich das Glück erarbeiten muss. Und das ist die Kategorie, in der sich die Blues einiges ankreiden lassen müssen.

Video: STL@SJS, #1: Couture ouvre la marque pour San Jose

Scheibenverluste in der neutralen Zone sind per se keine gute Idee. Gegen die pfeilschnellen Angreifer der Sharks aber waren sie in Spiel 1 tödlich für die Blues, wie die Treffer zum 1:0 und 4:2 gezeigt haben. Das Gute: Die Blues sind sich dessen bewusst und wissen, woran sie arbeiten müssen, wollen sie die zweite Partie der Serie erfolgreicher gestalten. "Das war nicht unser bestes Spiel. Wir haben den Puck nicht gut genug abgeschirmt", bemängelte Blues-Kapitän Ryan O'Reilly. Dieser hatte mit dem zwischenzeitlichen 2:3 aus Sicht der Gäste endlich seine Ladehemmung behoben. 

"Wir haben ein paar Fehler zu viel gemacht", erkannte auch Blues-Verteidiger Joel Edmundson. Wann immer sein Team den Sharks eine Möglichkeit angeboten habe, hätten diese sie auch genutzt. "Das ist der größte Unterschied im Spiel gewesen", befand der 25-Jährige. Die Sharks hätten mit ihren schnellen Angreifern viel Druck gemacht. "Wir haben den Puck zu oft an der eigenen blauen Linie verloren. Das müssen wir abstellen", forderte der Kanadier. Er kündigte gleich an: "Wir werden im nächsten Spiel besser sein!" Edmundson hatte Mitte des ersten Drittels mit dem 1:1 für das erste Lebenszeichen der Gäste gesorgt. Er fälschte einen Schuss von Jaden Schwartz unhaltbar für Sharks-Torwart Martin Jones ab. Es war Edmundsons erstes Tor in den diesjährigen Playoffs.

Die Mannschaft sei jetzt enttäuscht, meinte Ryan O'Reilly. Die Sharks hätten viel Druck gemacht. "Damit sind wir nicht richtig umgegangen. Wir müssen uns besser gegenseitig unterstützen", meinte er. Vor allem das Tempo, mit dem die Sharks gespielt haben, habe die Blues vor große Probleme gestellt. "Es ist eine lange Serie, und wir wissen, dass wir im nächsten Spiel besser sein müssen."

Video: STL@SJS, Sp1: O'Reilly trägt den Puck über die Linie

Blues-Stürmer Robert Thomas macht sich auch keine Sorgen darüber, dass es anders kommen wird. "Wir standen die komplette zweite Saisonhälfte mit dem Rücken zur Wand", verwies der 19-Jährige darauf, dass die Blues Anfang Januar noch Letzter der NHL waren und dann doch noch die Qualifikation für die Playoffs geschafft haben. "Wir wissen, dass wir eine Antwort finden werden." 

Hoffnung macht sowohl Thomas als auch O'Reilly die Leistungssteigerung der Mannschaft im Schlussdrittel. "Die Leistung im dritten Drittel war okay", befand Thomas. "Aber es kam etwas zu spät. Wir werden das in Spiel 2 mitnehmen", kündigte er an.

Auch aus Sicht des Kapitäns war die Druckphase im letzten Drittel gut. Mehr als das zwischenzeitliche 3:5 durch Tyler Bozak, der seinen dritten Treffer in den Playoffs 2019 markierte, sprang aber nicht raus. Blues-Coach Craig Berube probierte zwar noch mal alles, nahm Jordan Binnington mehr als vier Minuten vor der Schlusssirene zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Die Wende schafften die Blues aber nicht mehr. 

 

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Hoffnung kann O'Reilly und Co. auch machen, dass es erst die zweite Auswärtsniederlage in den aktuellen Playoffs für die Blues war. Die erste hatten sie in Spiel 4 der zweiten Playoffrunde bei den Dallas Stars kassiert. Die Blues haben außerdem in den diesjährigen Playoffs schon hinlänglich bewiesen, dass sie sich von kurzfristigen Rückschlägen wie Niederlagen in einer einzigen Partie nicht klein kriegen lassen. Immerhin standen sie gegen Dallas beim Stand von 2:3 nach Siegen schon kurz vor dem Aus. 

Die Serie haben sie - auch mit ein bisschen Glück in der Verlängerung von Spiel 7 - umgebogen. Die Chancen stehen gut, dass die Blues aus Spiel 1 die richtigen Lehren ziehen und in Spiel 2 bereit sein werden. Dann ist ihnen vielleicht auch Fortuna wieder wohlgesonnen …  

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