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Wilder Westen in Honda Center

Spiel 1 der Stanley Cup Playoffserie zwischen den Calgary Flames und Anaheim Ducks bot Unterhaltung in echter Italowesternmanier

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Im Schutze dieser Befestigung ließen sich in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Viehzüchter, Abenteurer und Revolverhelden nieder, die das Stadtbild der boomenden Metropole in Alberta bis heute prägen. Die Cowboystiefel werden jedoch nicht nur für die Calgary Stampede, der bedeutendsten Rodeoshow der Welt, die die Stadt jährlich im Sommer für mehrere Wochen in den Ausnahmezustand versetzt, ausgepackt.

Der städtischen Tradition aller Ehre macht auch der ortsansässige Eishockeyverein, die Calgary Flames. Am Donnerstagabend gastierten sie zum ersten Spiel ihrer ersten Stanley Cup Playoffrunde im Honda Center bei den Anaheim Ducks. Noch weiter im Westen, in Südkalifornien, veranstalteten die beiden Kontrahenten eine regelrechte Westernshow.

Calgary und Anaheim boten alles, was einen abendfüllenden Italowestern ausmacht. Wenn die Westernikone Sergio Leone nicht bereits verstorben wäre, läge die Vermutung nahe, dass er anstelle von Flames Headcoach Glen Gulutzan und Ducks Übungsleiter Randy Carlyle die Taktikvorgaben gemacht habe.

Beide Teams rasselten nicht nur mit dem Säbel, sie hatten den Revolver im Anschlag und waren bereit, abzudrücken. Dass die Ducks und die Flames keine Kinder von Traurigkeit sind, verrät ein Blick auf die Statistiken der Hauptrunde. Mit 378 Strafminuten (Calgary) und 372 Strafminuten (Ducks) dominieren sie die Liga in dieser unrühmlichen Kategorie bei weitem.

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Das letzte Aufeinandertreffen am 4. April eskalierte nach Mark Giordanos Open Ice Hit gegen Ducks Cam Fowler. Fowler musste das Eis mit einer Knieverletzung verlassen. Insgesamt 106 Strafminuten auf beiden Seiten waren die Folge. Niemand erwartete für diese Erstrundenpaarung eine kuschelige Staffel unsere kleine Farm sondern rauchende Colts.

"Ihr ganzes Team spielt hart und sie spielen sehr physisch. Sie sind alle sehr talentiert", erklärte Flames Stürmer Matthew Tkachuk im Vorfeld der Partie. "Wir müssen versuchen, ihnen da mit unserer Geschwindigkeit und unseren Skills etwas entgegenzusetzen. Wir dürfen nicht zurückstecken und müssen selbst physisch spielen, aber auf jeden Fall clever bleiben."

Damit war die Marschrute prinzipiell vorgegeben. Was die Härte anging, wurde diese von beiden Seiten zweifelsfrei beherzigt. Insgesamt 66 Checks und 24 Strafminuten (33 Checks und 14 Strafminuten auf Seiten der Flames) sprechen eine deutliche Sprache.

Eine Sprache, die auch Anaheim Ducks Kapitän Ryan Getzlaf fließend spricht. Als eiskalter Sherriff hielt er die Zügel fest in der Hand und machte keine Gefangenen. In der 54. Spielminute ließ er Flames Kapitän Mark Giordano markerschütternd auflaufen.

"Es war nichts gegen ihn", sagte Getzlaf. "Er war einfach der Mann der den Puck hatte und er hat sich einfach etwas gedreht. Ich denke, er hat mich nicht wirklich kommen sehen. Ich wollte meine Schulter unten halten und auf den Füßen bleiben ... einfach durch den Körper fahren."

Spiel 1 unterstrich eindrucksvoll, wie immens wichtig die Special Teams sind. Wie jeder anständige Western-Kassenschlager gipfelte auch das Aufeinandertreffen der Flames und Ducks in einem echten Showdown. Die Nerven lagen blank, als die Flames am Ende 73 Sekunden lang in doppelter Überzahl versuchten, das Spielgerät zum 3-3 Ausgleich in das Gehäuse der Ducks zu befördern.

Mit Mann und Maus verteidigten die Gastgeber, bis die erlösende Schlusssirene ertönte. Ducks Coach Carlyle kann sich hierbei nicht genug bei seinem Torhüter John Gibson bedanken.

"Ich denke, dass wir in unserem Unterzahlspiel heute Abend einige Fehler gemacht haben. Wir haben den Puck nicht immer klären können. Wir haben uns schwergetan und hätten den Puck öfter unten halten sollen", erklärte er. "Doch üblicherweise ist unser Torhüter sowieso unser bester Penalty Killer."

Gibson verkörperte am Donnerstag den klassischen Antihelden, der in keinem guten Cowboyfilm fehlen darf. Prächtig krazte er ein ums andere Mal das Spielgerät von der Linie und verdarb den Flamesangreiffern die Laune.

Auch Ducks Verteidiger Kevin Bieksa war voll des Lobes für seinen Torsteher. "Gibson hat heute gekämpft. Da waren einige Chancen, wo er schon auf den Knieen lag, die Beine spreizte und riesen Saves machte", sagte er. "So etwas brauchst du von deinem Goalie. Du brauchst das, damit du gewinnst. Es gibt viele so kleine Situationen, die das Ergebnis des Spiels ausmachen. Er muss gut sein, damit wir eine Chance haben."

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Am Donnerstag war er gut. Die Flames konnten das Ruder nicht mehr rumreißen, doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Es ist erst der erste Akt gespielt, und die Fortsetzung am Samstag verspricht nicht weniger Nervenkitzel.

"Wir hatten unsere Chancen, auszugleichen, aber wir haben sie nicht reingemacht", erklärte Calgarys Stürmer Kris Versteeg. "Jetzt müssen wir aufs nächste Spiel schauen."

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