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Stanley Cup Finale mit drei Schweizern

Das Schweizer Eishockey hat sich enorm entwickelt. Nun stehen drei ihrer Verteidiger im Finale.

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Die hervorragende Nachwuchsarbeit der Swiss Ice Hockey Federation trägt schon seit längerem Früchte, doch so deutlich wie in diesem Jahr war das noch nie.

Wenn am Montagabend in der PPG Paints Arena von Pittsburgh das Eröffnungsbully zu Spiel 1 des Stanley Cup Finales 2017 zwischen den Pittsburgh Penguins und den Nashville Predators fällt, dann werden vermutlich gleich drei Eishockeyspieler aus der Schweiz mit von der Partie sein und sich als erste Feldspieler, die an Endspielen um die begehrte Trophäe der NHL teilnehmen, in die Geschichte des Schweizer Eishockeys eintragen.

Auf Seiten des Titelverteidigers aus Pittsburgh steht Verteidiger Mark Streit, bei den Predators wirken die Verteidiger Roman Josi und Yannick Weber mit. Aus dem Trio hätte auch leicht und gerne ein Quartett werden können, hätte sich Nashvilles 20-jähriger Linksaußen Kevin Fiala im ersten Spiel des Conference Halbfinales nicht so schwer verletzt, dass er seinem Team nicht mehr zur Verfügung stehen kann.

Josi zeigte sich gegenüber NHL.com/de begeistert über die Entwicklung des Schweizer Eishockeys: "Es ist für uns und die Schweiz fantastisch, dass wir im Finale stehen. Mark, Yannick und ich haben im Sommer miteinander trainiert. Wir hätten uns das nie träumen lassen, dass wir zusammen ein Stanley Cup Finale erreichen. Das macht schon richtig Spaß."

Video: ANA@NSH, Sp3: Josi erzielt im PP die späte Führung

Das Schweizer Eishockey hat in nicht einmal einem Vierteljahrhundert eine Entwicklung hingelegt, die nur die kühnsten Optimisten so erwartet haben - Chapeau!

Auch Weber zeigte sich gegenüber NHL.com/de sehr erfreut, dass der Stellenwert seiner Landsmänner in der NHL zugenommen hat: "Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, dann spielten immer mehr junge Schweizer in den College und Junior Leagues und versuchen darüber in die NHL zu kommen. Das ist klasse."

In jenem Jahr, in dem Torwart Pauli Jaks als erster Schweizer Eishockeyspieler in der NHL sein Debüt gab, bezwang die Nationalmannschaft der Eidgenossen bei der Eishockeyweltmeisterschaft 1994 die Auswahl aus China mit 20-1 und die aus Japan mit 10-3. In den Partien gegen die Niederlande und gegen Rumänien fuhr die Nati mit 10-0 und 5-0 zwei 'zu Null' Siege ein, gegen Polen reichte es dann nur noch zu einem 3-3 Unentschieden, doch in dem entscheidenden letzten Gruppenspiel kämpften sich die Schweizer zu einem 2-1 Sieg über Lettland und machten damit den Aufstieg für die A-Weltmeisterschaft perfekt. Es sollte aber noch weitere fünf Jahre dauern bis das Schweizer Team nicht mehr zu den 'Fahrstuhlmannschaften' des IIHF zählte.

Der Schweizer Eishockeyverband begann ein kontinuierliches Nachwuchsförderprogramm, das in seiner Effektivität seinesgleichen sucht.

David Aebischer konnte sich als erster in der Alpenrepublik geborener Spieler in der NHL etablieren. Seine erste Saison bestritt der aus dem Kanton Freiburg stammende Schlussmann 2000/01 bei den Colorado Avalanche. Für einen Reto von Arx (CHI), einen Michel Riesen (EDM) und einen Thomas Ziegler (TBL) war das Abenteuer NHL noch im gleichen Jahr beendet. Der Ruf, dass die Schweizer über starke Torhüter verfügen, machte seine Runden. Es folgten Martin Gerber (2002-2011), Tobias Stephan (2007-2009) und Jonas Hiller (2007-2016).

Video: Weber über Eishockey in Nashville

Auch Verteidiger aus der Schweiz, wie ein Julien Vauclair (2003/04, OTT) und ein Timo Helbling (2005/06, TBL), kamen im vergangenen Jahrzehnt zu Einsätzen, doch der erste der seine Chance richtig zu nutzen wusste, war Streit. 784 reguläre Saisonpartien hat der mittlerweile 39-jährige Vorzeigesportler in der NHL bestritten. Seit seiner ersten NHL-Saison kamen weitere 25 Schweizer zu Einsätzen in der besten Eishockeyliga der Welt, in der vergangenen Saison waren es insgesamt 15 - so viele wie noch nie zuvor.

"Die Schweiz hat sich zu einer Eishockeynation entwickelt. Als ich in die NHL kam, war ich einer der Ersten. Ich habe es in Montreal [Streits erster NHL-Station] gesehen. Schweizer Eishockeyspieler hatten keinen guten Ruf. Den mussten wir uns erst erarbeiten. Immer mehr Spieler wurden gefördert und umso jünger sie sind, wenn sie nach Nordamerika kommen, desto besser ist es. Es ist großartig, dass wir immer mehr werden und auch die Nationalmannschaft erfolgreich spielt. Doch es ist auch kein Selbstläufer. Wir müssen weiter an unserem Förderprogramm festhalten, denn auch andere Nationen wie Deutschland, Österreich, Frankreich, Dänemark, Norwegen drängen nach vorne und werden besser. Es ist gut, wenn uns [dem Schweizer Eishockey] das immer bewusst ist."

Video: Media Day: Streit

Die Schweiz stellte in der vergangenen Saison die siebtmeisten Spieler in der NHL. Zur Jahrtausendwende belegten sie im Länderranking der NHL noch zusammen mit Litauen, Kasachstan, Frankreich und Kroatien den 13. Platz.

"Toll, dass immer mehr Spieler [aus der Schweiz] rüberkommen und versuchen in der NHL Fuß zu fassen", sagte Josi. Deutlich mehr, als noch vor einem Jahrzehnt erwartet wurde, haben es sogar schon geschafft.

Die best-of-7 Finalserie zwischen den Pittsburgh Penguins und den Nashville Predators beginnt am kommenden Montag (8 p.m. ET) mit Spiel 1 in der PPG Paints Arena von Pittsburgh.

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